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Stefan Kuntz ist seit April 2008 Vorstands- vorsitzender des 1. FC Kaiserslautern © getty

Vor dem Bayern-Spiel spricht FCK-Boss Kuntz über den Abstiegskampf, Trainer Kurz - und wehrt sich gegen Vergleiche mit Magath.

Von Reinhard Franke

München - Der FCK tritt auf der Stelle.

Das Abstiegsgespenst ist längst am Betzenberg angekommen.

Der Pfälzer Traditionsverein erlebt nach einem sensationellen siebten Platz im vergangenen Jahr in dieser Saison die Kehrseite des Erfolgs.

Nur drei Siege, nur 15 Tore, Platz 16 - und heute (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) muss die Truppe von Trainer Marco Kurz ausgerechnet zum FC Bayern. (DATENCENTER: Ergebnisse Tabelle)

Es gibt leichtere Aufgaben für eine Kehrtwende.

FCK-Boss Stefan Kuntz (So., ab 11 Uhr zu Gast im Kia Doppelpass im TV auf SPORT1) spricht im SPORT1-Interview über den Abstiegskampf, die personellen Veränderungen während der Winterpause und die Arbeit von Trainer Kurz.

SPORT1: Herr Kuntz, haben Sie die Feierlichkeiten zu Horst Eckels 80. Geburtstag gut überstanden? (Bericht: Eckel wird 80)

Stefan Kuntz: (lacht) Es ist immer schön, die alten Weggefährten zu sehen und etwas zu dem Erfolg der Feier beitragen zu können. Es war ein sehr gelungenes Fest, besonders für Horst Eckel.

SPORT1: Kann der FCK den Wunsch von Herrn Eckel nach dem Klassenerhalt erfüllen?

Kuntz: Das ist nicht nur der Wunsch von Herrn Eckel, sondern von allen Fans und auch von uns. Der Wind wird nicht nur wegen der momentanen Temperatur eisiger, wenn die Ergebnisse nicht stimmen. Wir haben aber immer darauf hingewiesen, dass das eine schwere Saison für uns wird und sind weiter davon überzeugt, dass wir den Klassenerhalt schaffen werden.

SPORT1: Wie die Mannschaft gerade spielt, gibt wenig Grund zur Hoffnung. Woher nehmen Sie diese Überzeugung?

Kuntz: Wir haben Vertrauen in das Trainerteam und in die Mannschaft und sind davon überzeugt, dass wir am Ende drei Mannschaften hinter uns lassen. Wir wissen aber, dass es eine schwere Restsaison wird.

[kaltura id="0_k5l7dzfx" class="full_size" title="Heynckes erklärt seine Rotation"]

SPORT1: Es ist ein Umbruch vollzogen worden. Für diesen braucht es aber Geduld, die man selten hat. Im Winter wurden acht Spieler abgegeben und fünf neue geholt. Eine ganz schön hohe Fluktuation.

Kuntz: Wenn wir nichts unternehmen, dann sagt jeder, dass wir nicht handeln wollten. Wenn die Ergebnisse nicht stimmen, ist das Glas immer halb leer und die Maßnahmen werden immer negativ ausgelegt. Wir haben dazu eine andere Meinung. Wir mussten uns aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten und aus Sorgfaltspflicht dem Verein gegenüber von alten Spielern trennen, damit wir neue holen konnten. Wir sind davon überzeugt, dass alle neuen Spieler die Qualität des Kaders steigern. Dass wir aber keine unendliche Geduld von unseren Fans fordern können, das ist auch klar.

SPORT1: Verstehen Sie, dass man Sie nach den letzten Personalentscheidungen mit Felix Magath in Wolfsburg vergleicht?

Kuntz: Der Vergleich ist komplett an den Haaren herbeigezogen. Felix Magaths Bilanz hat kein Verhältnis von fünf Neueinkäufen und acht Verkäufen. Wir haben uns bemüht, den FCK wirtschaftlich nicht zu belasten. Wenn man sich mit den einzelnen Spielern beschäftigt, hatten wir einen etwas zu großen Kader und da rede ich nicht von 41 Spielern wie bei Wolfsburg, sondern von 28, den wir jetzt reduziert haben.

SPORT1: Wo müssen Sie sich selbst kritisieren und hinterfragen?

Kuntz: Es gibt viele Faktoren, die hierbei eine Rolle spielen. Wir haben weniger Euphorie im Verein und im Umfeld und werden zudem nicht mehr als Neuling gesehen. In den bisherigen Spielen haben wir manchmal Nachhaltigkeit vermissen lassen. Und zwar in dem Moment, wo wir gegen starke Gegner auf Punktekurs waren und dann keinen Dreier gemacht haben. Und wenn es gegen ähnlich positionierte Mannschaften in der Tabelle ging, dann fehlten teilweise Mut, Einsatzwille und Kampfeslust. Wenn das jemand kritisiert, da muss ich ihm sogar Recht geben. Das wird der Trainer (Marco Kurz, Anm. d. Red.) in den nächsten Wochen verstärkt einfordern. Darf ich noch etwas hinzufügen?

SPORT1: Nur zu ...

Kuntz: Wir haben seit 2008 relativ viel Erfolg gehabt und da reden wir von einem damals fast schon besiegelten Abstieg in die Dritte Liga. Dass dann aufgrund der wirtschaftlichen Bedingungen verschiedene Kompromisse bei Personalentscheidungen eingegangen werden müssen, ist auch klar. Dieser Umbruch ist für eine Mannschaft, die das erlebt hat, was wir in den vergangenen vier Jahren mitmachen mussten, gar nicht so abwegig.

SPORT1: Würden Sie eigentlich mit Herrn Kurz auch in die Zweite Liga gehen, sollte der Umbruch misslingen?

Kuntz: Ja.

SPORT1: Unumwunden?

Kuntz: Es sei denn, man merkt, dass er sich gerne verändern will und nicht mehr an die Mannschaft rankäme.

SPORT1: Sie hatten zu Ihrer Zeit beim VfL Bochum ein gutes Händchen als Manager. Warum ist Ihnen das Glück bei Neuzugängen etwas abhanden gekommen? Volltreffer wie damals ein Theofanis Gekas oder ein Stanislav Sestak waren beim FCK schon länger nicht mehr dabei.

Kuntz: Das stimmt. Vor allem bei einem Itay Shechter war die Umstellung von der israelischen Liga zur Bundeliga doch größer, als wir angenommen haben. Ich will mich nicht entschuldigen, aber erklären, dass auch die wirtschaftliche Lage einer der Gründe ist. In Bochum hatte man nach mehreren Bundesliga-Jahren mehr Geld zur Verfügung und wir müssen aktuell beim FCK stark auf die wirtschaftliche Situation achten. Aber es ist sicher noch nicht so, wie wir uns das vorstellen.

SPORT1: Macht Ihnen die aktuelle Lage Angst?

Kuntz: Nein. Es ist ja nicht so, dass wir die Hände in den Schoß legen, sondern mit unseren Aktivitäten im Personalbereich im Winter aktiv auf Schwachstellen reagiert haben.

SPORT1: Jetzt geht es gegen die Bayern. Da ist nicht unbedingt mit Punkten zu rechnen, oder?

Kuntz: Für mich ist wichtig, wie die Truppe auftritt. Wenn wir merken, dass sich die Mannschaft als Einheit zeigt und jeder seinem Neben-, Vorder- oder Hintermann helfen will, gegen einen übermächtigen Gegner zu bestehen, dann ist das unabhängig vom Ergebnis ein wichtiger Schritt.

SPORT1: Werden Sie in die Kabine gehen, um besonders auf die Mannschaft einzuwirken?

Kuntz: Nein, das ist Aufgabe des Trainers, der das hervorragend macht. Ich werde wie immer dabei sein und mir alles anschauen. Ich glaube, dass wir einen sehr ermutigenden Auftritt unserer Mannschaft sehen werden.

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