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Arjen Robben wechselte im Sommer 2009 von Real Madrid zum FC Bayern München © getty

Der Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern bringt Bayern keine Ruhe. Der Wirbel um den Edelreservisten sorgt für Anspannung.

Aus der Allianz Arena berichtet Julian Buhl

München - Thomas Müller hatte sein typisches Lausbubengrinsen aufgelegt.

Über das wichtigste Tor seiner Karriere flachste er mit seinem Gegenüber in den Katakomben der Münchner Arena.

Das sei es zwar nicht, aber überrascht sei er gewesen, dass er überhaupt so hoch springen könne, sagte der Mittelfeldspieler des FC Bayern.

Ob es nur ein Tor gegen seinen zuvor 1157 Minuten anhaltenden "Torfluch" oder auch eines für den Zweikampf mit Arjen Robben gewesen sei, wurde Müller dann noch gefragt.

Müller antwortete nicht, drehte sich weg und verließ umgehend den Raum.

Robben sorgt für Unruhe

Die gute Laune verdirbt den Protagonisten des FC Bayern derzeit nur ein Thema: Arjen Robben.

Präsident Uli Hoeneß brachte die viel diskutierte Personalie sogar derart in Rage, dass er nach einem kurzen und heftigen Wortwechsel mit Reportern verärgert das Stadion verließ.

Robben selbst war als Erster, gerade einmal zehn Minuten nach dem Abpfiff der Partie gegen Kaiserslautern, wortlos und nahezu fluchtartig durch den Pressebereich gerauscht.

Der Niederländer hatte bei dem 2:0 (2:0)-Sieg (Spielbericht) im zweiten Pflichtspiel in Folge zunächst auf der Bank Platz nehmen müssen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Heynckes vertraut Pokal-Elf

Trainer Jupp Heynckes wollte der bereits im DFB-Pokal-Viertelfinale beim VfB Stuttgart (2:0) siegreichen Elf sein Vertrauen schenken und damit den Aufwärtstrend bestätigen.

"Wir haben in Stuttgart im Pokalspiel nicht nur überzeugend gespielt, sondern auch sehr souverän. Ich denke, dass ein Trainer dann die Mannschaft nicht wechseln darf", begründete Heynckes vor der Partie bei LIGA total! seine Entscheidung: "Das ist natürlich sehr bitter für Arjen."

Die Mannschaft bedankte sich für das Vertrauen und bescherte Heynckes - auch ohne den verletzten Bastian Schweinsteiger - seinen 100. Sieg als Bayern-Coach.

In der Tabelle stehen die Münchner nach wie vor zwei Punkte hinter Spitzenreiter Borussia Dortmund, das zeitgleich Leverkusen bezwang.

Kroos zufrieden

Die offensive Dreierreihe im Bayern-Mittelfeld funktionierte gegen Kaiserslautern erneut auch ohne den holländischen Dribbelkünstler.

Auf der "Zehn" führte Spielmacher Toni Kroos einmal mehr geschickt Regie. Müllers Tor zum 2:0 bereitete er zudem per Freistoß vor (30.).

"In Stuttgart hat das gut geklappt und heute vor allem in der ersten Halbzeit auch. Deswegen glaube ich, dass es immer gut ist, wenn man eine Formation hat, die eingespielt ist", sagte Kroos auf SPORT1-Nachfrage.

Auf der linken Seite ist Franck Ribery momentan überhaupt nicht wegzudenken und mit seinen guten Impulsen und Ideen unverzichtbar. Gleich den ersten guten Einfall - eine Flanke des Franzosen - nutzte Gomez gegen den FCK zum 1:0 (6.).

Lob für Robben

Auf der rechten Seite belegte Müller seinen Formanstieg nach zuletzt zwei Torvorlagen gegen Stuttgart nun mit einem eigenen Treffer 517643(DIASHOW: Der 21. Spieltag).

Umso mehr war Heynckes um symbolische und verbale Streicheleinheiten für seinen Edelreservisten bemüht. Der Spielverlauf ermöglichte es dem Bayern-Coach, Robben bereits nach 55 Minuten für Müller einzuwechseln.

Robben sei ein "hochmotivierter Fußballbesessener" und habe "sich nahtlos eingefügt", lobte Heynckes nach dem Spiel: "Das war sehr positiv. Das habe ich aber von ihm auch erwartet."

Dass der Niederländer "sehr gut gespielt und sofort gewirbelt habe" bescheinigte ihm auch Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge.

Der FC Bayern gehe ohnehin mit diesem Thema "entspannt, sehr sachlich und nicht emotional um", erklärte Rummenigge: "Und das macht auch der Spieler sehr gut. Er ist sehr professionell".

Robben glücklos

Die Münchner hätten Robben auch bereits signalisiert, "dass wir Interesse an einer Vertragsverlängerung (Anm. d. Red.: Robbens Vertrag läuft bis 2013) haben. Das hat sich nicht geändert", versicherte Rummenigge.

In den knapp 35 Minuten, in denen Robben auf dem Platz stand, schaffte es der 28-Jährige immerhin, gemeinsam mit Gomez, die meisten Torschüsse (5) und Vorlagen (3) abzugeben.

Deutlich erkennbar waren auch seine Bemühungen, bis auf die Grundlinie der rechten Außenbahn vorzudringen und Flanken zu liefern.

Zählbares kam dabei allerdings ebenso wenig heraus, wie bei Robbens glücklosen Abschlussversuchen durch die Mitte.

"Es geht nicht nur um Arjen Robben"

"Natürlich ist so etwas schwierig", sagte Mannschaftskapitän Philipp Lahm über die Situation seines Teamkollegen: "Wir sind aber eine Topmannschaft. Da gibt es immer Härtefälle. Es geht nicht nur um Arjen Robben. Wir haben auch andere Nationalspieler auf der Bank."

Dennoch sei die momentane Startelf laut Lahm "eine Formation so wie wir uns sie vorstellen".

"Es ist wichtig für die Mannschaft, dass ein defensiver Sechser da ist. Einer wie Luiz Gustavo, der sehr lauf- und zweikampfstark ist, hilft der Mannschaft da weiter", sagte Lahm.

Klingt nicht unbedingt danach, als gäbe es momentan irgendeinen Grund, etwas an Bayerns Erfolgsteam zu ändern. Die Robben-Debatte dürfte anhalten.

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