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Shinji Kagawa (r.) wechselte 2010 von Cerezo Osaka zu Borussia Dortmund © imago

Nach dem Leverkusen-Sieg loben Trainer und Kollegen Matchwinner Kagawa. Vom Titel spricht niemand. Bei Bayer herrscht Frust.

Aus Dortmund berichten Thorsten Mesch und Christian Arias Losada

Dortmund - Jürgen Klopp brachte es kurz und knackig auf den Punkt: "Shinji ist super", sagte der BVB-Trainer nach dem 1:0-Sieg gegen Bayer Leverkusen (Bericht) breit lachend, bevor er die Mixed Zone des Dortmunder Stadions verließ.

Mit seinem Treffer in der 44. Minute hatte Kagawa der Borussia den fünften Sieg in Folge und somit den Verbleib an der Tabellenspitze gesichert (517643DIASHOW: Der 21. Spieltag).

Der Japaner war im Duell des Deutschen Meisters gegen den Vizemeister der beste Spieler auf dem Platz und ein heiß begehrter Gesprächspartner.

"Ich freue mich, dass ich vor unseren grandiosen Fans solche Leistungen abrufen kann", ließ der 22-Jährige durch seinen Dolmetscher Jonpei Yamamori verkünden.

Seine Spielstärke erklärte er mit seinen "japanischen" Fähigkeiten: "Wir müssen unsere geringe Körpergröße durch Schnelligkeit, Wendigkeit und Kreativität ausgleichen."

Kagawa-Lob vom Kapitän

Wieder einmal machte Kagawa den Unterschied aus. Wie schon in den jüngsten Spielen in der Bundesliga und am Dienstag beim Dortmunder 4:0-Sieg im DFB-Pokal-Viertelfinale in Kiel.

"Shinji hat eine unglaubliche Qualität. Er versprüht eine enorme Spielfreude, ist wahnsinnig quirlig und schwer zu packen. Das erlebe ich jeden Tag im Training", sagte BVB-Kapitän Sebastian Kehl zu SPORT1.

Am Samstag erlebten es die Leverkusener.

Bayer hat keine Antwort

Nachdem Innenverteidiger Daniel Schwaab im Spiel nach vorn einen Fehlpass fabriziert hatte, schaltete Jakub Blaszczykowski blitzschnell und spielte den Ball in den Lauf von Kagawa.

Der zog mit der Kugel am Fuß in den Strafraum, ließ Bastian Oczipka aussteigen und schoss den Ball von rechts vorbei an Torwart Bernd Leno flach ins linke Eck.

Leverkusen hatte Kagawas Spielfreude und dem Siegeswillen des Klopp-Teams anschleißend nichts mehr entgegenzusetzen.

Bender: "Hartes Stück Arbeit"

Der Dortmunder Sieg hätte um ein oder zwei Tore höher ausfallen können, aber Kevin Großkreutz und Robert Lewandowski ließen gute bis sehr gute Möglichkeiten aus.

"Es war teilweise ein Spiel auf Augenhöhe. Trotzdem sind wir als verdienter Sieger vom Platz gegangen, weil wir die größeren Chancen hatten", sagte Dortmunds Sven Bender bei LIGA total!.

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Es sei aber ein "hartes Stück Arbeit gewesen, die drei Punkte zu holen", gab der Mittelfeldspieler zu, der überraschend nur eine Woche nach seinem Bänderanriss im Sprunggelenk wieder fit war.

Klopps Erwartungen bestätigt

"Ein großes Lob an unsere medizinische Abteilung", meinte Kehl zur "Wunderheilung" seines Teamkollegen.

Ein großes Lob gebührte der gesamten Dortmunder Mannschaft, die nie nachließ und sich den Erfolg redlich verdiente. Siege wie der gegen Leverkusen sind es, über die Fußballfachleute sagen: Wer solche Spiele für sich entscheidet, kann auch die Meisterschaft gewinnen.

"Uns war klar, dass wir nicht hoch gewinnen würden", erklärte Klopp bei LIGA total!: "Wir wollten einfach nur gewinnen - das ist uns gelungen."

Serie wie in der Meister-Saison

Die Borussia feierte ihren fünften Sieg in Folge und ist nun schon seit 15 Spielen ungeschlagen. Eine solche Serie hatte der BVB auch in der vergangenen Meistersaison hingelegt.

Mit nun 46 Punkten liegt Dortmund nach 21 Spieltagen weiterhin zwei Zähler vor dem FC Bayern (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Wir sind total glücklich mit der Situation und wir haben auch kein Problem damit, Erster zu sein", meinte Klopp bei "Sky". Von der Meisterschaft wollte er dennoch nicht sprechen.

Werkself "keine Fantasten"

Über den Titel müssen sich die Leverkusener keine Gedanken machen. Auch die erneute Teilnahme an der Champions League ist angesichts von zehn Punkten Rückstand auf Platz vier momentan eher utopisch.

"Wir sind keine Fantasten. Die Champions League ist zu weit weg", sagte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler. "Unser Anspruch muss nun sein, den Europa-League-Platz zu sichern, das wird schwer genug."

Kein Spiel für Ballack?

Nicht leichter dürfte die Situation für Robin Dutt werden.

Leverkusens Trainer schaffte es nicht, sein nach dem Rückstand phasenweise apathisch auftretendes Team noch einmal aufzuwecken. Seine Einwechslungen blieben wirkungslos - und Michael Ballack versauerte wieder auf der Bank.

Aus dem Bayer-Fanblock hallten zehn Minuten vor Spielende Sprechchöre für den Routinier, doch Dutt erklärte, er "glaube nicht, dass es heute ein Spiel für Michael Ballack gewesen wäre, wo es über Tempodribblings geht."

Kagawa will kein Messi sein

Am Dienstag im Champions-League-Achtelfinal-Hinspiel gegen den FC Barcelona bekommen es die Leverkusener mit Tempodribblings eines Lionel Messi zu tun.

Ob Bayer gegen Barca bestehen kann, erscheint angesichts der schwachen zweiten Halbzeit in Dortmund allerdings mehr als fraglich.

Als Shinji Kagawa auf einen Vergleich mit Messi angesprochen wurde, reagierte er mit typisch japanischer Bescheidenheit. "Nein", ließ er übersetzen: "Davon kann keine Rede sein."

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