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Marco Reus (l.) und Mike Hanke erzielten zusammen schon 18 Saisontore für Gladbach © getty

Beim furiosen 3:0 über Schalke überzeugt Gladbach mit One-Touch-Football im Stil der katalanischen Zaubertruppe. Stevens schiebt Frust.

Aus Mönchengladbach berichtet Thorsten Langenbahn

Mönchengladbach - Still und leise kam Mike Hanke von hinten, schmiegte seine Wange an die flauschige Decke, die Marco Reus eng um seine Schultern geschlungen hatte, und lächelte zufrieden.

Währenddessen sprach sein kongenialer Sturmpartner vor dutzenden Journalisten gut gelaunt über das 3:0 der Mönchengladbacher gegen Schalke (Spielbericht) und verpasste seinem Kollegen einen kleinen Seitenhieb.

"Ich freue mich, dass Mike endlich mal getroffen hat und nicht daneben geschossen hat", flachste Reus, mit 13 Saisontreffern der beste Borussen-Schütze. "Ich weiß auch nicht, wie ich das gemacht hab'", meinte Hanke.

Und setzte nach seinem fünften Saisontor ernsthaft nach: "Das habe ich mir in den letzten Wochen vorgenommen, dass es irgendwann mal klappt. Ich glaube, es war sehr schön anzusehen mit dem zweiten Doppelpass."

One-Touch-Football im Borussia-Park

Reus nach 110 Sekunden, Hanke in der 15. Minute und Juan Arango nach 32 Minuten - Gladbach hatte das Spiel schon vor der Pause eindrucksvoll für sich entschieden (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Mit ihrem direkten Kombinationsspiel führte das Team von Trainer Lucien Favre die Schalker phasenweise vor. Der One-Touch-Football a la Barcelona begeisterte die Fans im Borussia-Park, wo Gladbach in dieser Saison ungeschlagen bleibt.

Von Müdigkeit war bei Favres "Fohlen" trotz 120 Minuten im Pokal am Mittwoch nichts zu spüren. "Wir haben den Ball sehr gut zirkulieren lassen", brachte Reus die Überlegenheit auf den Punkt.

Die Spielphilosophie schien allerdings nicht neu zu sein.

"Das war auch in der letzen Saison so, als wir im Abstiegskampf waren", sagte Hanke zu SPORT1. "Da haben wir nicht irgendwie Holzfußball gespielt und den Ball nach vorne gedroschen, wir haben schon attraktiven Fußball gezeigt", sagte der Spieler des Spiels.

Freistoß-Variante war einstudiert

Nicht erst an Reus' Schmusedecke, schon vor dem Freistoß zum 3:0, war Hanke mit den Kollegen auf Tuchfühlung gegangen.

Er legte Reus und Arango die Arme um die Schulter, das Trio steckte die Köpfe zusammen und heckte einen genialen Plan aus.

"Wir wollten zu dritt Schnick-Schnack-Schnuck spielen, aber das geht ja nicht", witzelte Hanke. Doch die Variante war einstudiert - und ging nach der genauen Absprache auf 517643(DIASHOW: Der 21. Spieltag).

Arango tippte den Ball an, Hanke täuschte einen Anlauf an, doch Reus spielte zurück auf den Venezolaner.

Der zirkelte das Spielgerät mit links in den rechten Winkel. Eine konfuse Schalker Mauer und Torhüter Lars Unnerstall machten dabei keine glückliche Figur.

Zwei Titelchancen für die Borussia

Sein Gegenüber Marc-Andre ter Stegen bekam dagegen nur einen Schuss aufs Tor. Die beste Abwehr der europäischen Top-Ligen spielte zum zehnten Mal zu Null und schob sich in der Tabelle an Schalke vorbei auf Rang drei vor.

Zwei Titelchancen bleiben den Gladbachern, in der Meisterschaft und im Pokal. Nationalspielerin Kim Kulig zog am Samstagabend den Knaller gegen die Bayern aus dem Topf.

Nach zwei Siegen in der Liga (1:0 und 3:1) träumen die Fans schon vom Sieg-Hattrick gegen den Erzrivalen aus München.

"Wir holen den DFB-Pokal und wir werden Deutscher Meister ? Meister", sangen die euphorisierten Borussia-Fans Mitte der zweiten Halbzeit.

"Fangen nicht an zu spinnen"

"Jeder kann träumen", sagte Gladbachs Sportdirektor Max Eberl. Und weiter: "Wir fangen aber nicht an zu spinnen, sondern wollen einfach weitergehen. Die Mannschaft hat Blut geleckt und ist hungrig."

Das Wichtigste sei momentan, die Heimspiele zu gewinnen. "Wenn wir auswärts auch noch punkten, ist einiges möglich", glaubt Eberl.

Aber: "Wir haben noch nichts in der Hand. Momentan bewegen wir uns in diesem Spitzenquartett, aber eine Spitzenmannschaft zeigt sich erst über einen längeren Zeitraum."

Stevens wettert gegen eigene Spieler

Bei Schalke sitzt der Frust tief. "Wenn einige so über den Platz laufen, sind sie es nicht wert, bei Schalke zu spielen", wetterte Huub Stevens.

Der Schalke-Trainer ist gefrustet: "Am Donnerstag haben wir ein Spiel in Pilsen, da hoffe ich, dass wir endlich mal was lernen aus so einem Spiel."

"Die Leistung in der ersten Halbzeit war einer Schalker Mannschaft nicht würdig", meinte auch Kapitän Benedikt Höwedes.

Kriegen die Knappen nicht ganz schnell die Kurve, droht in der Europa League die nächste Vorführung.

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