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Bayer Leverkusen konnte nur eins seiner letzten sieben Pflichtspiele gewinnen © getty

Champions League abgehakt, doch Barcelona vor der Brust. Nach der BVB-Pleite muss Bayer sogar um einen Europapokalplatz bangen.

Aus Leverkusen berichtet Thorsten Mesch

Dortmund/Leverkusen - Im Fußball geht es manchmal ganz schnell. Eine Mannschaft, die eben noch oben mitgespielt hat, rutscht plötzlich ins Mittelmaß ab.

Bayer Leverkusen beendete die vergangene Spielzeit als Vizemeister und erreichte in der Champions League das Achtelfinale.

Doch nach der 0:1-Niederlage bei Meister Borussia Dortmund (Bericht) muss der Werksklub sogar um die Teilnahme am internationalen Geschäft zittern.

Mit 31 Punkten steht Leverkusen auf Platz sechs, zwei hinter Werder Bremen und punktgleich mit Hannover 96. Bayers Vorsprung auf Platz acht beträgt nur vier Zähler.

Tabelle lügt nicht

"Wir können alle die Tabelle lesen. Und die spricht eine deutliche Sprache", sagte Trainer Robin Dutt nach der sechsten Saisonniederlage. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Im Moment muss unsere Pflicht sein, den Europa-League-Platz zu sichern. Das ist schon schwer genug", sagte Sportdirektor Rudi Völler.

"Die anderen Mitbewerber haben gepunktet, aber Gott sei Dank nicht gewonnen", meinte Völler - ein schwacher Trost.

Bremen und Hannover spielten jeweils remis, Schalke verlor in Mönchengladbach, hat als Vierter aber immer noch zehn Punkte Vorsprung.

Die erneute Teilnahme an der Champions League ist vorerst kein Thema mehr.

Barcelona schwächelt ebenfalls

Er sei "kein Träumer oder Fantast", meinte Völler. "Zu weit", sei es bis Platz vier, "außer, wir legen jetzt eine ganz lange Serie hin."

Doch zuvor muss sich Bayer am Dienstag (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) in der Champions League beweisen. Und das gegen keinen Geringeren als Titelverteidiger FC Barcelona. (DATENCENTER: Das Achtelfinale)

Die Katalanen verloren zwar am Samstagabend ihr Ligaspiel bei CA Osasuna und haben nur noch geringe Chancen auf die Meisterschaft, wollen aber unbedingt als erster Verein den Titel in Europas Königsklasse verteidigen. (BERICHT: Barcas patzt - Titel futsch?)

Barca sei "noch ?ein ganz anderes Kaliber" als Dortmund, meinte Andre Schürrle: "Wir müssen gegen sie sehr gut verteidigen und Nadelstiche setzen."

Beides gelang in Dortmund nicht. "Wir haben es nicht geschafft, die Bälle zu halten und in den Dortmunder Strafraum zu kommen", analysierte Gonzalo Castro im Gespräch mit SPORT1.

Schürrle reagiert enttäuscht

"Wir hatten viel Ballbesitz, aber nur in der eigenen Hälfte. So kann man kein Tor schießen", erklärte Schürrle, der nach einer halben Stunde die einzige Chance für Bayer hatte, ansonsten aber blass geblieben war.

"In der zweiten Halbzeit haben wir keinen Torschuss abgegeben. Das darf einer Mannschaft wie uns, die Ansprüche nach oben hat, nicht passieren", stellte Castro fest.

14:3 lautete am Ende die Schussbilanz für Dortmund. Dass der BVB-Sieg nicht höher ausfiel, hatte Bayer seinem Torwart Bernd Leno zu verdanken.

Dutt brachte nach der Pause Renato Augusto und Karim Bellarabi ins Spiel, auf einen dritten Wechsel verzichtete er.

"Werden Michael noch brauchen"

Aus dem Bayer-Fanblock waren Michael-Ballack-Sprechchöre zu hören. Doch der einstige Führungsspieler blieb zum dritten Mal in Folge nur der Platz auf der Bank.

"Ich hatte in Renato Augusto schon einen Passspieler gebracht. Da brauchte ich nicht noch einen zweiten", sagte Dutt.

"Wenn Ballsicherheit und Spielkontrolle gefordert sind, dann wird die Zeit von Michael Ballack kommen", erklärte er - fügte aber auch noch an: "Wenn dann auf seiner Position nicht einer stärker ist."

Auch die Personalie Ballack ist ein Beispiel dafür, wie schnell es im Fußball gehen kann. Im Frühjahr 2010 war er noch der Kapitän und Leitwolf der Nationalmannschaft, nun scheint auch in Leverkusen niemand mehr gesteigerten Wert auf ihn zu legen.

Zielsetzung Europa vor dem Scheitern

In der Champions League am Dienstag gegen Barcelona wird er nicht mitwirken können.

Der 35-Jährige erlitt am Sonntagvormittag im Training ohne Fremdeinwirkung einen Muskelfaserriss in der Wade.

Für Leverkusen dürfte der Hit gegen die beste Mannschaft der vergangenen Jahre das vorerst letzte Heimspiel in der Champions League sein. Wenn es ganz schlecht läuft, könnte es sogar das vorerst letzte Heimspiel auf internationaler Ebene sein.

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