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Michael Preetz arbeitet seit 2009 als Sportdirektor in Berlin © getty

Knapp sechs Wochen und nichts als verbrannte Erde. Die Liaison Skibbe/Berlin war kurz und heftig und hinterlässt nur Verlierer.

Berlin - Vermummte stürmten das Gelände am Berliner Olympiastadion, brüllten Kraftausdrücke in die Eiseskälte, folgten den Spielern sogar beim Auslaufen.

Der peinliche Kurzbesuch von Michael Skibbe bei Hertha BSC endete nach nur 41 Tagen ohne einen einzigen Punkt, aber krachend.

Die explosive Stimmung nach dem 0:5 beim VfB Stuttgart (Spielbericht) entlud sich am Sonntagmorgen im Chaos. Rund 200 Hertha-Fans machten Stunk.

Zu diesem Zeitpukt war längst klar: Der Klub korrigiert seinen teuren Fehler, beendet die Episode Skibbe nach fünf Pleiten in fünf Pflichtspielen (BERICHT: Skibbe entlassen).

Reißleine gezogen

Genau das habe er "heute morgen gemacht", erklärte der ebenfalls scharf kritisierte Manager Michael Preetz auf einer Pressekonferenz am Mittag.

"Der erhoffte Erfolg hat sich nicht eingestellt. Wenn ich das Gefühl habe, an einem Punkt zu sein, wo wir nicht mehr weiterkommen, dann muss ich handeln."

Er als Geschäftsführer Sport trage "die Verantwortung für Personalentscheidungen", also, selbstverständlich, "auch für die Verpflichtung von Michael Skibbe".

Aber persönliche Konsequenzen sind deswegen nicht zu erwarten: "Ich bin keiner, der wegläuft", sagte Preetz.

Gegenbauer stützt Preetz

Unterstützung erhält Preetz von Hertha-Präsident Werner Gegenbauer.

"Maßstab ist, dass Entscheidungen zum Wohl von Hertha BSC getroffen werden. Dazu gehört es auch, Fehler zu korrigieren. Und klipp und klar: Beides tut Michael Preetz, er steht nicht zur Debatte", sagte Gegenbauer der "Berliner Morgenpost".

Skibbe hatte sich am frühen Morgen bereits von der Mannschaft, die er eigentlich noch gar nicht richtig hatte kennenlernen können, verabschiedet.

Der Nächste, bitte! Aber wer?

"Mit gebotener Sorgfalt", sagte Preetz, und es wirkte irgendwie unfreiwillig komisch, werden die Herthaner wieder einmal "einen neuen Trainer suchen".

Bis dahin wird es eine interne Lösung geben. Der ehemalige Profi Rene Tretschok wird die Hertha als Interimstrainer betreuen. Das gab der Klub am Sonntagabend bekannt. Tretschok (43), bisher Trainer der vereinseigenen U19, wird von Ante Covic (36) unterstützt, der bisher für die U15 verantwortlich war.

Erster Einsatz für das neue Duo ist am kommenden Wochenende das Heimspiel gegen den Meister Borussia Dortmund - das 1000. Spiel der Bundesliga-Geschichte der Hertha 517643(DIASHOW: Der 21. Spieltag).

Den Namen Stanislawski wollte Preetz (noch) nicht kommentieren. Holger Stanislawski war erst am Donnerstag bei 1899 Hoffenheim entlassen worden, er wurde dort von Markus Babbel beerbt, Skibbes Vorgänger bei der Hertha.

Es würde sich insofern mit einer Verpflichtung Stanislawskis ein ziemlich kurioser Kreis schließen: Der ehemalige Trainer des FC St. Pauli könnte ein Nachfolger seines Nachfolgers werden.

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Götz bringt sich ins Gespräch

Gegenüber SPORT1 bringen sich aber auch Falko Götz und Wolfgang Sidka ins Gespräch.

Der 49 Jahrea alte Götz, der 1997 als Aktiver mit der Hertha aufstieg und die Berliner bereits insgesamt vier Jahre trainierte (2002 und 2004 bis 2007), wäre "grundsätzlich bereit, wenn meine Hilfe gefragt sein sollte".

"Die Hertha ist mein Verein, ich bin immer noch Mitglied. Seit Anfang Januar habe ich mir alle Spiele angesehen. Ich kenne die Stadt, das Umfeld und die Medienlandschaft sehr gut und bräuchte keine große Eingewöhnungszeit", so der ehemalige Coach der vietnamesischen Nationalmannschaft, der aber im Dezember 2011 nach nur einem halben Jahr dort entlassen wurde.

Hertha ist Sidkas "Leidenschaft"

Auch Sidka betont bei SPORT1, sich mit dem Verein und dem Umfeld in Berlin auszukennen. "Ich bin selbst Herthaner, habe lange Zeit dort gespielt. Ich wohne seit einiger Zeit wieder in Berlin. Hertha BSC ist meine Leidenschaft", sagte der ehemalige Bremer Cheftrainer.

Für ein Engagement beim Hauptstadtklub stünde er sofort zur Verfügung: "Ich kann mir vorstellen, der Hertha in vielen Bereichen helfen zu können. Zum Fußball gehören Leidenschaft, Instinkte und Erfahrungen. Und ich bin sicher, die zu haben."

Kostspielige Trennung

Als bei der Hertha die Entscheidung gegen Skibbe gefallen war, stand zunächst die Personalie Preetz im Vordergrund.

Der unerfahrene Sportdirektor hatte die verhängnisvolle Entscheidung getroffen, Skibbe aus dessen Vertrag beim türkischen Erstligisten Eskisehirspor herauszukaufen und ihn bis 2014 an die Berliner zu binden.

Nun entließ er Skibbe nach nicht einmal fünf Prozent der Vertragslaufzeit. Wieder eine kostspielige Trennung.

Dezente Selbstkritik von Preetz

Schon bei der Entlassung Babbels hatte Preetz, der ehemalige Klasse-Torjäger und Nationalstürmer, eine unrühmliche Rolle gespielt, die Beziehung endete mit beiderseitigen Lügenvorwürfen.

Zudem verschliss Preetz auch Lucien Favre, der drauf und dran ist, mit Borussia Mönchengladbach sogar in die Champions League einzuziehen.

"Ich hinterfrage mich. Wir hatten in meinem Zeitraum vier Trainer, möchten gerne kontinuierlich arbeiten, haben das aber nicht hinbekommen", sagte Preetz.

"Ich bin ein Kämpfer, bin keiner, der wegläuft. Ich habe meinen Fehler eingeräumt. Das macht nicht jeder!"

Immerhin: Die angespannte Lage auf dem Trainingsgelände entspannte sich schnell. Spontan wurden Aussprachen zwischen Spielern und Fans angesetzt, es seien "emotionale, aber ruhige" Gespräche gewesen, hieß es anschließend.

Babbel empfielt "Stani"

Die zunächst bedrohlich wirkenden Szenen waren schnell vergessen, verdeutlichten aber, womit die Mannschaft im Falle eines weiteren Abstiegs nach 2010 rechnen müsste.

Mit der Entlassung seines Nachfolgers gerechnet hatte zumindest Markus Babbel. "Das ist einfach bedauerlich. Ich schätze ihn menschlich. Natürlich ist das nicht schön. Andererseits hat Corny Littmann (früherer Präsident des FC St. Pauli, d. Red.) auch irgendwann zu mir gesagt: Augen auf bei der Berufswahl! Wir wissen, worauf wir uns einlassen."

Dem kommenden Hertha-Trainer sollte es eine Warnung sein. Babbel sagte: "Stani könnte ich mir sehr gut vorstellen."

Damit, weiteres Kuriosum, empfahl er seinen Vorgänger bei seinem jetzigen Klub als Nachfolger bei seinem früheren Verein.

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