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Lukas Podolski droht nach seinem umstrittenen Interview eine drastische Strafe © getty

Gereizte Stimmung statt Karneval-Vorfreude: Die Pleite gegen Hamburg gerät angesichts des Podolski-Wirbels in den Hintergrund.

Aus Köln berichten Thorsten Meschund Matthias Gante

Köln - Es war schon kurios. Der Mann, auf den sich die meisten Fragen nach der Partie bezogen, hatte gar nicht mitgespielt.

Auch die Kölner 0:1-Niederlage gegen den Hamburger SV (Bericht), durch die der FC einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt verpasst hatte, interessierte genauso wie der vierte Auswärtssieg des HSV scheinbar nur am Rande.

Das beherrschende Thema war Lukas Podolski und sein Interview, das am Sonntagmorgen veröffentlicht wurde und die Verantwortlichen des 1. FC Köln zutiefst verärgert hatte.

"Prinz Poldi" als Spaßbremse

Vier Tage vor Weiberfastnacht und einen Tag vor der Karnevalssitzung des Vereins hatte sich "Prinz Poldi" kräftig als Spaßbremse betätigt und seine schon häufiger geäußerte Kritik an der Entwicklung des Klubs wiederholt (News).

"Wenn man schaut, welche Perspektiven mir aufgezeigt wurden und was am Ende dabei rausgekommen ist, ist das enttäuschend. Ich habe mir etwas Anderes erhofft, weil die Voraussetzungen viel mehr hergeben", sagte Podolski im Interview mit der "Bild am Sonntag".

"Uns wundert der Zeitpunkt"

Nur fiel die Reaktion der Verantwortlichen dieses Mal wesentlich heftiger aus.

"Uns wundert sehr der Zeitpunkt und der Inhalt der Äußerungen an einem Tag, an dem wir so ein wichtiges Spiel wie heute gegen den HSV vor uns haben", ärgerte sich FC-Geschäftsführer Claus Horstmann nach der Partie bei "Sky".

"Ein Interview zu geben, das in der Form mit uns nicht abgestimmt und von uns nicht freigeben ist", sei nicht akzeptabel und werde Sanktionen nach sich ziehen, kündigte Horstmann an.

Ihm habe es am Sonntagmorgen bei der Lektüre des Pressespiegels beim Frühstück die Sprache verschlagen. "Ich habe Lukas angerufen und um Rückruf gebeten. Bisher hat er sich noch nicht gemeldet", meinte Horstmann.

"Man kann sich nicht immer auf dem Kopf rumtanzen lassen. Man kann ihn nicht suspendieren, aber ein paar Mark Strafe tun dem Lukas nicht weh. Ich verstehe auch den Lukas. Er will nicht nur seine Kohle haben, er will mit dem 1.FC Köln nach oben marschieren", erklärte Rainer Calmund.

Solbakken nimmt Podolski in Schutz

Podolski, der verletzungsbedingt wie schon beim Sieg in Kaiserslautern nicht mitwirken konnte, sah die Niederlage seiner Mannschaftskollegen von der Tribüne aus 517643(DIASHOW: Der 21. Spieltag).

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Trainer Stale Solbakken nahm den "Wiederholungstäter", der in der Vergangenheit mit ähnlichen Interviews für Wirbel gesorgt hatte, in Schutz.

"Das Interview hat nichts mit dem Ergebnis gegen Hamburg zu tun", betonte der Coach.

Podolski stehe vor einer "wichtigen Entscheidung über seine sportliche Zukunft" äußerte der Norweger Verständnis für die offen geäußerten Gedanken seines Starspielers.

"Ich denke, es ist keine große Überraschung, dass er über seine Zukunft nachdenkt. Wir müssen Lukas beweisen, dass er eine gute und große Zukunft in Köln hat und er muss eine wichtige Entscheidung treffen", sagte Solbakken auf der Pressekonferenz nach dem Spiel.

Strafe für Podolski

Podolskis Äußerungen lassen jedoch den Eindruck erwecken, als habe er die Entscheidung bereits gegen den FC getroffen.

Horstmann kündigte für den Montagvormittag ein Gespräch mit Podolski an und deutete eine drastische Strafe an: "Sicher ist, dass wir als Klub von den Möglichkeiten, die uns der Arbeitsvertrag bietet, Gebrauch machen, um für Klarheit zu sorgen."

Sportlich bekamen die Kölner gegen den HSV zumindest die Gewissheit, dass sie weit davon entfernt sind eine Mannschaft zu sein, die nichts mit dem Abstiegskampf zu tun hat (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Fink bremst Euphorie

Die Hamburger hingegen ließen nicht nach und wurden in der 88. Minute durch den Siegtreffer von Paolo Guerrero belohnt.

"Ich habe gedacht, wenn ich ihn den Ball Vollspann nehme, hält der Torwart ihn. Also habe ich ihn leicht gelupft", schilderte der HSV-Stürmer sein Tor aus spitzem Winkel gegen den heraus eilenden Michael Rensing.

Thorsten Fink war bemüht, eine Woche vor dem Nordduell gegen Werder Bremen keine zu große Euphorie aufkommen zu lassen.

"Wir müssen uns weiter konzentrieren, arbeiten und dürfen nicht träumen", betonte der HSV-Coach. "Wir wollen das Derby gewinnen und die 40-Punkte-Marke erreichen. Dann können wir weitersehen."

Dem HSV, der an Köln vorbei auf Platz zehn kletterte, fehlen dazu noch 14 Punkte. Köln hat als Zwölfter 24 Punkte. Doch das interessierte nur am Rande.

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