In seiner SPORT1-Kolumne lässt sich Toni Schumacher über die Planlosigkeit in Berlin aus. Michael Preetz steht dabei im Fokus.

Hallo Fußball-Fans,

Erst letzte Woche habe ich mich über den Trainermarkt ausgelassen. Nach dieser Woche ist nun alles noch verrückter.

In Hoffenheim wird von den Verantwortlichen zuerst Trainer Holger Stanislawski in gnadenloser Weise demontiert und anschließend beurlaubt.

Die Liga geht einen gefährlichen Weg. Wer so die Trainer vor die Tür setzt, setzt die Seriosität der ganzen Branche aufs Spiel. Die letzten Entlassungen erschüttern die Glaubwürdigkeit der Klubs.

Vor allem, wenn man sich so verhält, wie Hertha BSC!

Da holt man wieder mal einen neuen Trainer ? übrigens der vierte in zweieinhalb Jahren unter Preetz -, bezahlt auch noch Ablöse für ihn, gibt ihm einen Vertrag bis 2014 und schmeißt ihn dann nach nur fünf Spieltagen wieder raus.

Da entsteht nicht nur bei mir der Eindruck, dass das Management zwar über sehr viel Geld verfügt, aber leider über zu wenig Sachverstand.

Michael Skibbe ist nach nur sechs Wochen sicher nicht schuld an der Talfahrt. Die Dauerkrise in Berlin ist hausgemacht. Und der Hauptverantwortliche heißt Michael Preetz.

Nicht nur die Fans stellen sich die Frage: Warum werden hier nur die Trainer in Serie zur Verantwortung gezogen?

Hertha rutschte in der Amtszeit von Preetz sogar in die 2. Liga. Während seiner Ägide handelte er stets nach dem Motto: Was muss ich tun, um im Amt zu bleiben?

Ich werde das Gefühl nicht los, hier handelt einer aus Egoismus. Dabei sollte doch das Interesse des Vereins immer und bei allen Entscheidungen im Vordergrund stehen. Es würde mich sehr interessieren, wie die Hertha-Bosse das sehen.

Denn für mich ist es an der Zeit, dass in der Bundesliga auch die Arbeit der Manager hinterfragt wird.

Zum Abschluss noch ein Wort zu Lukas Podolski: wie ich schon vor Wochen gesagt habe, mehren sich jetzt die Zeichen, dass Lukas unsere Domstadt und den FC verlassen wird.

Der einst harmonische und besonnene Ton zwischen Spieler und Verein wird schärfer. Wenn Geschäftsführer Klaus Horstmann jetzt so vehement auf Lukas' kritisches Interview - oder war es ein Hilferuf? - reagiert, hat Podolski dann vielleicht mit seinen Aussagen ins Schwarze getroffen?

Ich erinnere mich an meine Zeit als aktiver Spieler des 1.FC Köln:

Wenn ich damals das Gefühl hatte, mir hört intern keiner zu, und es geht in die falsche Richtung, habe auch ich schon mal einen öffentlichen Hilferuf als letzten Ausweg probiert.

Bis nächste Woche,

Euer Toni Schumacher

Der frühere Weltklasse-Torhüter Toni Schumacher arbeitet ab sofort wieder als Bundesliga-Kolumnist für SPORT1 und ist zudem TV-Experte bei LIGA total! Als Profi wurde der zweifache Fußballer des Jahres Deutscher Meister mit dem 1. FC Köln und Borussia Dortmund, dreimal DFB-Pokalsieger und türkischer Meister mit Fenerbahce Istanbul. In seinen 76 Länderspielen gewann der heute 57-Jährige den EM-Titel 1980 und wurde zweimal Vize-Weltmeister.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel