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Schwere Stunden: Michael Preetz ist seit Juni 2009 Manager bei Hertha BSC Berlin © getty

Nach Skibbes Rekord-Rauswurf gerät auch Berlins Manager in die Schusslinie. Beckenbauer spricht von Preetz' letzter Chance.

Von Christian Paschwitz

München - Michael Skibbe ist Geschichte bei Hertha BSC. (BERICHT: Skibbe entlassen)

Der Rauswurf des Trainers nur 52 Tage nach dessen Präsentation und 41 Tagen im Amt bedeutet aber keineswegs das Ende der Chaos-Tage in Berlin.

Vielmehr wackelt nun auch Michael Preetz gewaltig, feuerte der Manager in dieser Saison doch erst im Dezember Markus Babbel - um mit Skibbe dann seinen erklärten Wunschkandidaten zu verpflichten.

Eine krasse Fehleinschätzung, wie der 44-Jährige nun zugab, der seit seinem Amtsantritt im Sommer 2009 mit auch Lucien Favre und Friedhelm Funkel schon vier Trainer verschliss.

Preetz' nächster Tiefschlag

"Ich bin verantwortlich dafür, dass Michael Skibbe nach Berlin gekommen ist. Um es ganz klar zu sagen: Es ist nicht aufgegangen, was wir uns vorgenommen haben", erklärte Preetz.

Eine Selbsteinschätzung, die seiner ohnehin nicht gerade glänzenden Reputation einen weiteren Kratzer zugefügt hat in Zusammenhang mit den jüngeren Tiefschlägen, zu denen auch die Bezichtigung der gegenseitigen Lüge bei Babbels Abgangs zählte.

Auch wenn Hertha-Präsident Werner Gegenbauer Rückendeckung gibt ("Er steht nicht zur Debatte") und Preetz selbst einen Rücktritt ausschließt: "Ich bin ein Kämpfer und jemand, der nicht wegläuft."

SPORT1-User klar gegen Preetz

Der Gegenwind wird rauer, Preetz' Situation instabiler. Bei einer SPORT1-Umfrage sprachen sich 80 Prozent von 30.000 User-Stimmen (Stand: 13 Uhr) dafür aus, dass neben Skibbe auch Preetz gehen sollte.

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Bei einem Abstieg des nunmehr fünfmal hintereinander unterlegenen Tabellen-15. - es wäre der zweite nach 2010 - müsste der Ex-Stürmer und Nachfolger von Dieter Hoeneß wohl ohnehin seinen Hut nehmen.

Weil auch Gegenbauer aus dem Amt kippen könnte, wenn auf der Mitgliederversammlung im Mai das Präsidium neu gewählt wird. Angeblich ist auch vor dessen turnusmäßigen Sitzung am Mittwoch ein außerordentliches Treffen angesetzt worden.

Skibbes grauenhafte Bilanz

Skibbes grauenhafte Bilanz (vier Liga-Pleiten, DFB-Pokal-Aus, nur ein Tor in 480 Pflichtspielminuten) mit dem 0:5-Debakel beim VfB Stuttgart als Schlussakt (Spielbericht) sind das Hauptargument für Preetz, die Notbremse gezogen zu haben. 517643(DIASHOW: Der 21. Spieltag)

Auch dass der Ex-Coach die Akzeptanz der Mannschaft schnell verloren haben soll, sich nicht zuletzt mit Vizekapitän Andreas Ottl öffentlich überwarf, begründet die Entscheidung der Klub-Spitze.

Dass vor Skibbe indes nie zuvor ein Trainer, der während der Saison neu zu einem Bundesligisten kam, nur vier Liga-Spiele bis zu seiner Entlassung bestreiten durfte, ist ein neuer Rekord - und unterstreicht Preetz persönliches Dilemma.

Beckenbauers harsche Kritik

Auch Franz Beckenbauer zählt Preetz an:

"Seine Arbeit ist sicherlich nicht vom Glück verfolgt. Die Trennung von Babbel war auch merkwürdig", sagte bei "Sky" Bayerns Ehrenpräsident.

Und ergänzte: "Jetzt hat er zugegeben, dass Skibbe auf seinem Mist gewachsen ist. Da muss er natürlich die Verantwortung und Konsequenzen tragen müssen, wie auch immer die ausfallen. Viele Schüsse hat er nicht mehr im Halfter."

Wunschlösung Stanislawski

Preetz' angebliche Wunschlösung als Skibbe-Nachfolger ist der gerade erst bei 1899 Hoffenheim geschasste Holger Stanislawski.

Bei SPORT1 brachten sich auch die Ex-Hertha-Trainer Falko Götz und Wolfgang Sidka ins Gespräch.

Jürgen Röber, der die Hertha zwischen 1996 und 2002 trainierte und mit dem der Klub 1999 die Champions-League-Zwischenrunde erreichte, soll ebeno gesprächsbereit sein, laut Berliner "Morgenpost" allerdings nur in Doppelfunktion als Trainer und Manager - womit sich eine Zusammenarbeit mit Preetz ausschließt.

Tretschok übernimmt vorerst

Auch Thomas Doll gilt als einer der Kandidaten. Gedankenspiele um den Burnout-erkrankten Ralf Rangnick entbehren dagegen jeglicher Grundlage. (518496Diashow: Herthas Trainer-Kandidaten)

Erst einmal übernehmen die ehemaligen Hertha-Profis Rene Tretschok und Ante Covic die Trainingsarbeit, die auch am Samstag gegen Borussia Dortmund das Sagen haben.

Für Tretschok, bisher Trainer der vereinseigenen U 19, ist es auch das Duell mit dem Ex-Klub, mit dem er 1997 die Champions League gewann - für die Hertha das 1000. Bundesliga-Spiel.

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