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Tim Wiese (l.) und Werder-Coach Thomas Schaaf arbeiten seit 2005 in Bremen zusammen © getty

Werder hat sich festgefahren und die Verfolger kommen näher. Die Standards sorgen für Ärger. Hoffnung macht eine Allzweckwaffe.

Von Björn Seitner

München - Auf den ersten Blick liest sich der aktuelle Disput zwischen Tim Wiese und Bremens Coach Thomas Schaaf wie ein Scherz.

"Uns fehlt momentan ein bisschen die Größe in der Abwehr", beschwerte sich der Werder-Keeper nach dem 1:1 gegen Hoffenheim (Bericht).

Schaafs Konter ließ nicht lange auf sich warten: "Wenn man die Körpergröße anführt, muss man auch die Armlänge anführen", so der 50-Jährige in Anspielung auf Wieses Fehler beim Remis gegen Leverkusen zwei Wochen zuvor, als der Schlussmann einen Eckball unterlief.

Wer Thesen aufstelle, müsse diese auch begründen, erklärte Schaaf, für den das frühe Gegentor gegen 1899 kein Beleg dafür sei, "dass es da um Körpergröße geht". 518473(DIASHOW: Tops und Flops 21. Spieltag)

Bremens Verteidiger also zu klein? Wieses Arme zu kurz?

Drei Gegentore durch Eckbälle

Fakt ist, die Norddeutschen haben sich festgefahren: Vier Rückrundenspiele, vier Unentschieden, vier Punkte - und vier Gegentore.

Drei dieser Gegentreffer kassierten die Bremer nach Eckbällen.

"Wenn ich nicht so häufig herauskommen würde, dann würde es bei uns noch häufiger klingeln", legte Wiese im "kicker" nach.

Schlechteste Spitzenmannschaft

Bei der Größen-Diskussion hat der Nationaltorhüter grundsätzlich recht: Werders derzeitige Innenverteidiger Sokratis Papastathopoulos (1,83 m) und Francois Affolter (1,86) sind deutlich kleiner als die verletzten Sebastian Prödl (1,94) und Naldo (1,98).

Und auch Kapitän Clemens Fritz springt Wiese zur Seite: "Wir müssen das unbedingt abstellen, solche einfachen Gegentore zu kassieren. Momentan haben wir keine Lufthoheit."

Mit insgesamt 35 Gegentreffern kassierte Bremen jedoch so viele Tore wie keine andere Spitzenmannschaft (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Vorsprung schmilzt rapide

Der Vorsprung von sechs Punkten auf Rang sieben zu Beginn der Rückrunde ist langsam aber sicher dahin.

Noch zwei Zähler trennen Bremen und Verfolger Bayer Leverkusen (31 Punkte).

"Wenn wir am Ende die Europa League schaffen, wäre das ein großer Erfolg", erklärte Werder-Boss Klaus Allofs. Um das erklärte Ziel zu erreichen, müsse sich die Mannschaft allerdings steigern.

Die mediale Kritik am Auftreten des Klubs hält er jedoch für nicht angebracht: "Uns spielerische Armut zu unterstellen, ist übertrieben. Wir sind gespickt mit Spielern, die keine Erfahrung haben. Wären wir eingespielt, könnten wir andere Erwartungen haben."

Jüngstes Team der Klubgeschichte

Gegen Hoffenheim lief Bremen mit der jüngsten Mannschaft der Vereinsgeschichte auf: Knapp über 24 Jahre betrug der Altersdurchschnitt.

"Es fehlen verletzungsbedingt Spieler im mittleren Profi-Alter", sagte Allofs über die angeschlagenen Naldo, Prödl, Tim Borowski und Aaron Hunt.

Im Nord-Schlager beim Hamburger SV ruhen die Hoffnungen daher vor allem auf den Schultern von Claudio Pizarro. Der Stürmer wird nach seiner abgesessenen Gelb-Sperre wieder mit dabei sein.

"Grünes Licht" bei Naldo

Und auch beim Eckball-Problem könnte sich bald wieder Besserung einstellen.

Naldos Außenbandanriss im Knie ist so gut wie verheilt. "Der Doktor hat mir grünes Licht gegeben, ich darf die Belastung jetzt steigern", erklärte der Brasilianer.

Noch in dieser Woche will Naldo auf den Platz zurückkehren.

Bis dahin schlägt Fritz eine offensichtliche Problemlösung vor: "Vielleicht sollten wir keine Ecken mehr zulassen."

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