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Arjen Robben (l.) wechselte 2009 von Real Madrid zu Bayern München © imago

Bei SPORT1 springt Bayerns Kapitän dem Starspieler zur Seite - und lobt gar dessen eigenwillige Art. Wie auch Rummenigge.

Von Mathias Frohnapfelund Christian Ortlepp

München - Von wie vielen Seiten war Arjen Robben in den vergangenen Tagen mit harscher Kritik überzogen worden? Sogar vom Ehrenpräsidenten des eigenen Vereins:

Doch nun hat sich Philipp Lahm in der Egoismus-Debatte um den Starspieler des FC Bayern auf die Seite des Niederländers gestellt.

"Man kann es so stehen lassen, dass Arjen ein Egoist ist, aber er wird immer alles für die Mannschaft geben", sagte der Kapitän bei SPORT1 im Exklusiv-Interview.

Und ergänzte: "Das hat er in der Vergangenheit bewiesen - und das wird er in Zukunft auch tun. So wie in den letzten Spielen, als er von der Bank kam und alles für die Mannschaft gegeben hat."

"Auch Gomez ein Egoist"

Lahm erinnerte dabei auch an die erfolgreiche Vergangenheit: "Wir haben vor zwei Jahren sehr von Robben profitiert, wie egoistisch er da teilweise war. Er hatte entscheidende Aktionen und hat dafür gesorgt, dass wir ins Champions League-Finale eingezogen sind."

Der 28-Jährige zog gar einen Vergleich zwischen Robben und Bayerns Torjäger Nummer eins (18 Bundesliga-Treffer):

"Mario Gomez ist auch in einer Art und Weise Egoist: Er will Tore schießen! Natürlich braucht er dazu Mitspieler, wie jeder Einzelne", so Lahm.

Beckenbauers harsche Kritik

Nicht zuletzt Franz Beckenbauer hatte Robben unlängst hart kritisiert: "Die Anerkennung hat er teilweise verspielt. Er ist ein Egoist wie viele andere auch", war dem "Kaiser" entfahren.

Mehr noch: "Allein die Reaktion, wenn er mal eine gute Szene hat oder ein Tor schießt: Er rennt nicht zu dem, der ihm die Vorlage gegeben hat, wie das höflichkeitshalber normalerweise der Fall sein sollte, sondern zu seinen Familienmitgliedern auf die Tribüne und grüßt die."

Auch Rummenigge verteidigt Robben

Neben Lahm brach nun auch Karl-Heinz Rummenigge eine Lanze für Robben - der FCB-Vorstandschef zeigte sich "total überzeugt" von den Qualitäten des Außenstürmers.

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Kein Wunder, dass die Bayern eine Vertragsverlängerung anstreben, im Gespräch mit Robbens Vater und Berater bereits klare Signale gegeben haben.

"Hoffentlich spielt er bald wieder so egoistisch wie früher!", kommentierte Rummenigge in der "Sport Bild" die Egoismus-Debatte um den ballfertigen Individualisten fast schon trotzig.

Und ergänzte: "Für meinen Geschmack hat mir Robben zuletzt fast zu mannschaftsdienlich gespielt."

Für Rummenigge zeigt sich Robben aktuell negativ von den Schlagzeilen beeinflusst, versuche "krampfhaft" den Ball abzulegen, um an seinem Image zu arbeiten: "Individualisten wie Ribery und Robben müssen egoistisch spielen, sonst verlieren sie an Qualität."

Nahes Vertragsende setzt Bayern unter Druck

Die Rückendeckung für Robben dürfte jedoch auch bewusst gewählt worden sein, weil eine Vertragsverlängerung mit dem niederländischen Nationalspieler für die Münchner finanziell äußerst wichtig ist.

Weil der Kontrakt 2013 ausläuft, könnte Robben - geschätzter Marktwert rund 30 Millionen Euro - sonst ablösefrei gehen.

Robben dürfte die aktuelle Situation in seine Betrachtung allerdings einfließen lassen. "Wenn er auf der Bank sitzt, denk er, es wäre besser zu gehen", sagte hierzu Robbens erster Profitrainer bei Groningen, Jan van Dijk, in der "Bild".

Kritik an den Schiedsrichtern

Derweil monierte Rummenigge mit Blick auf den engen Titelkampf die Rolle der Unparteiischen in der Liga: "Mir fällt auf, dass Schiedsrichter im Moment eigenartig pfeifen." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Wenn beispielsweise der Herr Kircher in Hamburg ein korrekt erzieltes Tor gibt, dann hätten wir erst gar nicht die Tabellenführung eingebüßt. Man hat manchmal den Eindruck, dass es heißt: Im Zweifelsfall contra Bayern", so der Bayern-Boss.

Gegen den HSV war die vermeintliche Führung für Bayern wegen eines angeblichen Fouls von Gomez an Heiko Westermann nicht gegeben worden. Kurz danach fiel Hamburgs Führung, und die Münchner erreichten erst im Schlussspurt das 1:1.

Kircher wehrt sich

Kircher wehrte sich bei "Spiegel online" gegen die Vorwürfe: "Ganz klar: Ich pfeife ganz sicher nicht bewusst gegen Bayern München und auch sonst gegen keinen Verein."

Die Beweggründe des Vorstandvorsitzenden des Rekordmeisters "kann ich mir nicht vorstellen", sagte er.

Und weiter: "Herr Rummenigge hat mich nach dem Hamburg-Spiel nicht angesprochen. Wir haben uns über die Entscheidung zu keinem Zeitpunkt unterhalten."

Im Zweifelsfall contra Bayern?

Für Rummenigge ist diese Entscheidung indes kein Einzelfall. Ein Beispiel habe ihm die Augen geöffnet: "Damals wurde uns ein völlig korrektes Tor von Miroslav Klose nicht anerkannt, obwohl der Ball einen halben Meter hinter der Linie war."

Der Bayern-Lenker fragte anschließend den Schiedsrichter, ob er das Tor nicht gesehen habe. "Er sagte mir, dass sein erster Eindruck ebenfalls war, dass er drin gewesen sei. Aber ich müsste dabei eins wissen: Wenn der Ball nicht drin gewesen wäre, bekäme er bundesweite Schlagzeilen und damit größten Ärger."

Den Namen des Referees nannte Rummenigge nicht, seine Schlussfolgerung ist aber klar: "Also: Im Zweifelsfall contra Bayern, dann hat man sein Ruhe."

Fällt Breno bis Saisonende aus?

Derweil neigt sich allem Anschein Brenos Zeit beim FCB dem Ende zu.

In der vergangenen Woche musste sich der Innenverteidiger, dessen Vertrag zum Saisonende ausläuft, einer Knie-Operation unterziehen.

"Es war eine Schleimhautentzündung", erklärte Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt der "tz".

Der Bayern-Teamarzt geht von einer langwierigen Behandlung aus, angeblich rechnet man im Klub nicht damit, dass Breno in dieser Saison noch einmal spielt.

Immerhin kehrte am Dienstag Diego Contento ins Lauftraining zurück, der Außenverteidiger laborierte einen Monat an einem Zehenbruch.

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