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Jürgen Klopp verlängerte seinen Vertrag in Dortmund bis 2016 © getty

Der Meister will nach den Machern auch mit seinen Topspielern langfristig verlängern. Dabei könnten sich aber Probleme ergeben.

Von Maik Rosner

München - Jürgen Klopp kann auch anders als Understatement.

"Ich kenne wirklich keinen anderen Abwehrspieler auf der Welt, der so spielt", sagte der Trainer, "ich will nicht übertreiben, aber ein Beispiel: Dani Alves. Er ist auch permanent in Bewegung, immer in der Offensive, aber er ist defensiv nicht so stark."

Alves steht beim FC Barcelona unter Vertrag, er spielt dort als Rechtsverteidiger, gilt als einer der Besten auf seiner Position, manche behaupten sogar, als der Beste.

Im Nebenjob schießt Alves auch noch gefährliche Freistöße.

Doch Klopp glaubt einen zu kennen, der noch kompletter ist: seinen Rechtsverteidiger Lukasz Piszczek.

"Unser Königstransfer"

Ein Teil des überschwänglichen Lobes muss vielleicht dem Adressaten zugerechnet werden.

Klopp schwärmte gegenüber dem polnischen TV-Sender "Polsat Sport" und für die Reportage "Polonia Dortmund".

Doch dass er überzeugt ist von dem 26-Jährigen, daran besteht kein Zweifel. Klopp nennt Piszczek "unseren Königstransfer der letzten Jahre".

Auch mit Bender und Perisic bis 2016

Ablösefrei kam der Pole 2010 nach Dortmund. Nun wird sein Marktwert auf neun Millionen Euro taxiert. Völlig uninteressant, finden sie bei der Borussia. Denn der polnische Nationalspieler ist fester Bestandteil ihres Projekts 2016, das der Meister gerade vorantreibt.

Bis dahin läuft sein Vertrag, genauso wie der von Klopp, Sportdirektor Michael Zorc und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

Mit den Machern wurde gerade langfristig verlängert.

[kaltura id="0_45pymwxl" class="full_size" title="Spitze dank Genie Kagawa"]

Nun sollen die Topspieler folgen. Piszczek, Sven Bender und der noch nicht ganz angekommene Ivan Perisic sind bereits mit langfristigen Verträgen bis 2016 ausgestattet worden. Verpflichtet wurde zudem Talent Leonardo Bittencourt bis, na klar, 2016.

Watzkes Jobgarantie für Klopp

Als Entscheidungshilfe für die anderen Profis wurde nun noch eine bemerkenswerte Jobgarantie für Klopp ausgegeben.

"Ich schließe wenig im Leben aus. Aber ich kann ausschließen, dass ich bis 2016 zu Jürgen Klopp sagen werde: 'Wir müssen uns trennen'", sagte Watzke und versprach: "Wir ziehen das durch. Da kann passieren, was will."

Man sei "absolut überzeugt" von Klopp, habe "totales Vertrauen" zu dem 44 Jahre alten Fußballlehrer, werde "eventuelle Durststrecken überstehen".

Bayern und DFB für Klopp tabu

Selbst ein lukratives Angebot des FC Bayern oder gar des DFB als Nachfolger von Bundestrainer Joachim Löw könne daran nichts ändern. "Garantiert nicht", so Watzke.

Bis 2016 geht bei Klopp gar nichts außer Dortmund, soll das heißen. Und das, obwohl vier Jahre im Fußball eine halbe Ewigkeit sind.

Klopp sagte dem "kicker" zu seiner Zukunft: "Vielleicht gehe ich als der Trainer in die Geschichte ein, der mit Mainz 05 und Borussia Dortmund nur zwei Vereine hatte."

Lewandowski lässt Zukunft offen

Dortmund und das Projekt 2016 - nachdem der Top-Transfer mit Borussia Mönchengladbachs Marco Reus für den Sommer eingetütet und dabei auch der Münchner Rekordmeister-Rivale ausgestochen worden ist, sollen auch bei der aktuellen Belegschaft Nägel mit Köpfen gemacht werden,

Mit Stürmer Robert Lewandowski zum Beispiel, bisher mit einem Vertrag bis 2014 ausgestattet. Wie sein Landsmann Piszczek soll auch er bis 2016 gebunden werden.

Starspieler Mario Götze hatte zuletzt bis 2014 verlängert, bis zur WM in Brasilien. Mehr war vorerst nicht zu machen.

Und Lewandowski kokettiert in der "Sport Bild": "Für mich zählt jetzt nur Dortmund, dann die Europameisterschaft." Was danach ist, wisse er nicht. "Wenn ein Topangebot kommt, dann muss man sich immer damit beschäftigen."

Rummenigge prophezeit Poker

Bei Lewandowski deutet sich an, welche Probleme der Dortmunder Höhenflug mit sich bringen könnte.

Auch Shinji Kagawa kann für einen Vertrag über 2013 hinaus hohe Forderungen stellen, Jakub Blaszcyzkowski wird sich für die Zeit danach ebenfalls einen kräftigen Lohnzuschlag vorstellen.

Zorc dämpft vorsichtshalber schon einmal die Erwartungen: "Unser Ziel muss es sein, das Gehaltsbudget in den nächsten Jahren um zehn bis 15 Prozent anzuheben."

Nur, hätte er auch sagen können. Ungeachtet dessen, dass auch die Zusammenarbeit mit Hauptsponsor Evonik bis Sommer 2016 fortgesetzt wird - der bisherige Kontrakt garantiert dem BVB 7,5 Millionen Euro jährlich.

Zorcs indirekte Warnung vor zu hohen Foderungen

Zur Not muss man sich eben anders orientieren, droht Zorc indirekt. Er sagt es so: "Die Jungs, die gewillt sind, unseren Weg weiter mitzugehen, möchten wir gerne halten."

Doch Störgeräusche in der derzeit scheinbar heilen Borussia-Welt könnten sich im Poker einstellen.

Darauf spekuliert auch der Konkurrent FC Bayern, der mit Respekt und Argwohn die Entwicklung der Westfalen zu einem möglichen Rivalen auf Jahre hinaus verfolgt.

"Die Mannschaft wird wesentlich teurer"

"Natürlich werden in Dortmund bei den nächsten Verhandlungen Spieler wie Götze, Hummels, Kagawa oder Lewandowski auch auf die neuen Zahlen pochen", prophezeit Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge.

Und ergänzt: "Die Spieler wissen doch untereinander, was verdient wird. Eins ist klar: Bis dato waren die Gehaltszahlungen nicht vergleichbar mit denen des FC Bayern. Das wird sich natürlich jetzt ändern. Die Mannschaft wird in den nächsten Jahren wesentlich teurer werden."

Allerdings: So viel wie Alves bei Barca werden Piszczek und Co. in Dortmund wohl trotzdem nie verdienen.

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