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Marcell Jansen spielt seit 2008 beim Hamburger SV © getty

Der HSV befindet sich wieder im Aufwind, sogar Europa winkt. Marcell Jansen warnt aber bei SPORT1 vor den Wochen der Wahrheit.

Von Barnabas Szöcs und Thorsten Mesch

München/Hamburg - Im Frühjahr 2011 gab Bundestrainer Jogi Löw seinem ehemaligen Nationalspieler Marcell Jansen einen gutgemeinten Rat:

Für ein mögliches Comeback im DFB-Trikot müsse der Flügelspieler des Hamburger SV "etwas für seine Fitness tun" und "eine Saison in Hamburg professionell durchziehen".

Ob er sich im Sommer für "vier Wochen Urlaub" entscheidet, so Löw, oder "an seine Karriere denken will", läge in Jansens Händen.

Jansen entschied sich für die Karriere, verkürzte seinen Urlaub zugunsten eines speziellen Fitnesstrainings in den USA.

Aufwärtstrend beim HSV

Ein dreiviertel Jahr später erlebt sein HSV einen langsamen, aber stetigen Aufwärtstrend - und rangiert nach dem 1:0-Sieg in Köln (Spielbericht) zum ersten Mal in der Saison unter den Top Zehn.

Auch dank des starken Jansen.

Die Erklärung des Ex-Nationalspielers dafür klingt simpel: "Wir arbeiten als Mannschaft sehr gut", sagt er gegenüber SPORT1, "stehen kompakter als in den ersten Spielen der Hinrunde."

Es scheint, als ob Hamburgs Reifeprozess unter Trainer Thorsten Fink nach zuletzt zwei Siegen und einem Remis im vollen Gange sei.

Gelingt EL-Quali?

Damit aber nicht genug: Weil sich im DFB-Pokal-Halbfinale mit Meister Dortmund, Bayern München und Gladbach die drei Top-Teams der Bundesliga tummeln, könnte schon Tabellenplatz 7 das Tor zum internationalen Geschäft öffnen - auch für Hamburg.

Lediglich fünf Punkte sind es dahin.

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"Haben schon viel erlebt"

Zu trügerisch für Jansen und den HSV: Vom Totgesagten zum Europa-Anwärter innerhalb weniger Monate?

Das geht dem 36-maligen Nationalspieler dann doch zu schnell:

"Das ist nicht mein Thema. Dazu haben wir in dieser Saison schon zu viel erlebt. Wir müssen von Spiel zu Spiel denken, auch wenn wir uns über den Aufwärtstrend freuen."

Als Leistungsträger und Führungsspieler ist Jansen einer der Antreiber im Team, erzielte als Flügelspieler bereits vier Tore und kam in jeder Saison-Partie zum Einsatz.

Raus aus dem Keller

Hamburgs Fokus liegt nun auf dem großen Nordderby gegen Werder Bremen, dem Jansen einen ganz besonderen Wert beimisst:

"Das Derby ist noch ein sehr wichtiges Spiel. Wenn wir dann wieder punkten, haben wir den Schritt gemacht und uns unten ganz abgesetzt."

Doch selbst ein Dreier gegen Werder würde wohl nichts an der realistischen Grundstimmung der "Rothosen" ändern, denen die katastrophale Talfahrt unter Ex-Trainer Michael Oenning zu Saisonbeginn noch immer in den Köpfen steckt.

Ein Rückfall soll unbedingt vermieden werden.

Erst Siege, dann Ziele

"Wir müssen sehen, welche Ziele wir uns setzen können. Aber dazu brauchen wir noch zwei, drei gute Spiele", bremst Jansen die Euphorie, stachelt jedoch gleichzeitig sein Team an:

"Wir wollen viele Punkte holen. Dann können wir uns zusammensetzen und darüber reden, was in diesem Jahr drin ist."

Entscheidende Wochen

Hinter Jansen Understatement steckt natürlich Kalkül, denn nach Bremen muss der HSV gegen die Schwergewichte Gladbach, Stuttgart und Schalke ran.

Für Fink und sein erstarktes Team beginnen neue Wochen der Wahrheit - dieses Mal um die oberen Plätze.

Sollten "zwei oder drei Siege" aus diesen Spielen rauspringen, so Jansen, "können wir die Saison schön abschließen und müssen nicht unten rumgurken."

Jansens Leistungen dürften Bundestrainer Joachim Löw nicht entgangen sein - zumal der Hamburger seine Rückkehr in die Nationalmannschaft als "großes Ziel" nennt.

Und kämpferische Spieler, die gute Ratschläge annehmen und erfolgreich umsetzen, kann Löw eigentlich immer gebrauchen.

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