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Der Österreicher David Alaba wechselte 2008 von Austria Wien zu Bayern München © imago

David Alaba ist gegenüber der Presse noch zurückhaltend. Auf dem Feld tritt Riberys Lieblingsopfer deutlich forscher auf.

Vom FC Bayern berichtet Julian Buhl

München - David Alaba erschien ohne Kopfhörer zur Presserunde des FC Bayern.

Keine unwichtige Randnotiz, denn genau hinter jenen versteckt sich der 19-Jährige sonst nur allzu gerne.

Als er nach der Partie gegen Kaiserslautern (2:0) in den Katakomben der Münchner Arena von Journalisten angesprochen wurde, schaute er in die Runde, lächelte etwas verlegen und schüttelte fast schon entschuldigend den Kopf.

Sagen wollte er - mal wieder - nichts. Er zog die überdimensionierten Kopfhörer seines MP3-Players über die Ohren und verließ die Arena.

"Ich rede halt nicht so gerne"

Eine typische Szene

"Habt's ihr das auch schon gemerkt?", sagte der in Österreich geborene Sohns eines Nigerianers und einer Philippinin darauf angesprochen in seinem ihm eigenen Wiener Dialekt:

"Direkt nach dem Spiel rede ich halt nicht so gerne."

Das musste Alaba nun vor dem Spiel beim SC Freiburg (Sa., ab 18.15 Uhr im LIVE-TICKER) allerdings.

Denn als Vertretung des verletzten Bastian Schweinsteigers (Bänderriss) ist das junge Mittelfeldtalent in den Fokus gerückt - und stellte sich deshalb erstmals den Münchner Medien.

Etwas nervös

Und Alaba war in der für ihn ungewohnten Situation durchaus etwas Nervosität anzumerken.

Bevor er auf die Fragen beantwortete, überlegte er oft lange. Das was er sagte, zeugte allerdings von weit weniger Unsicherheit.

"Ich versuche nicht, Basti zu kopieren. Das funktioniert nicht", sagte Alaba etwa: "Ich mache das, was der Trainer sagt: Mein Spiel spielen und an mich glauben."

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"Er ist ein Vorbild für mich"

"Er ist ein Vorbild für mich", meinte Alaba auf SPORT1-Nachfrage über Schweinsteiger:

"Ich kann noch viel von ihm lernen, auf und auch neben dem Platz. Er ist ein guter Typ und kann gut mit jungen Spielern wie mir umgehen."

Grundsätzlich wolle er seine Leistung eben lieber für sich sprechen lassen, sagte Alaba. Und dafür erhielt er zuletzt viel Lob.

"Er hat jetzt die zwei Spiele hervorragend gemeistert. Ich traue ihm viel zu. Er ist ein Spieler, der die Dynamik reinbringt, die wir brauchen", sagte Heynckes.

Lob von Gomez

Alaba spürt, dass "der Trainer voll und ganz hinter mir steht. Das tut mir gut. Auch meine Mitspieler helfen mir sehr gut."

Das in ihn gesetzte Vertrauen zahlte Alaba sowohl im Pokal gegen Stuttgart (2:0) als auch gegen Kaiserslautern (2:0) zurück und ließ Schweinsteigers Ausfall bislang nahezu vergessen.

Deshalb ist auch im nächsten Bundesligaspiel in Freiburg und in der Champions League am Mittwoch beim FC Basel damit zu rechnen, dass Alaba in der Anfangsformation der Bayern stehen wird.

"Ich freue mich sehr für ihn. Er ist ein Riesenfußballer", sagte Teamkollege Mario Gomez: "Manchmal ist er noch ein bisschen nervös, aber das muss er nicht sein. Er hat riesiges Potenzial."

Riberys Lieblingsopfer

Alaba ist in der Mannschaft beliebt und auch eines der Lieblingsopfer von Franck Riberys Späßen im Training.

"Den mögen alle, der lacht immer", sagte Boateng auf SPORT1-Nachfrage und behauptete gar, dass Alaba selbst zu den Spaßvögeln im Team gehöre.

Nach außen zeigt der österreichische Nationalspieler das allerdings nicht - noch nicht.

Alaba lässt die Rekorde purzeln

"Ich habe noch einen sehr weiten Weg vor mir", sagte Alaba über seine Erwartungen und Ziele: "Ich fühle mich jetzt auch sicherer. Mit der Zeit kommt das. Und jetzt will ich so viel wie möglich spielen."

Noch habe er nicht viel erreicht, sagte er. Einige Rekorde hält Alaba allerdings bereits jetzt.

Beim FC Bayern ist er der bisher jüngste Spieler, der in Bundesliga und Champions League eingesetzt wurde. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Bei seinen Premieren war er 17 Jahre alt. Auch in der österreichischen Nationalmannschaft ist er Rekordhalter.

Da ist es schon selbstverständlich, dass Alaba Ende 2011 auch als jüngster Spieler zu Österreichs Fußballer des Jahres gekürt wurde.

Herzog schwärmt

Der ehemalige Bundesliga-Profi Andreas Herzog nannte Alaba in der Vergangenheit bereits ein "Jahrhunderttalent".

Er sei ein "Segen für den österreichischen Fußball", schwärmte Herzog: "Ein Talent seiner Klasse muss Spielen aber seinen Stempel aufdrücken und auch im Alleingang entscheiden können. Er muss mehr Verantwortung übernehmen."

Auf dem Spielfeld ist Alaba momentan auf dem besten Weg, genau das zu tun.

Und vielleicht traut er sich ja bereits nach dem Spiel gegen Freiburg auch mal ohne seine Kopfhörer die Arena zu verlassen.

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