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Markus Babbel trainierte bisher den VfB Stuttgart und Hertha BSC Berlin © getty

Hoffenheims neuer Coach Markus Babbel spricht bei SPORT1 über seine Aufgabe. Mit Hertha-Manager Preetz hat er kein Mitleid.

Von Reinhard Franke

München - Markus Babbel ist zurück auf der Fußballbühne. Schneller, als ihm lieb war.

Nach seinem unschönen Ende bei Hertha BSC Berlin im Dezember wollte er sich eigentlich eine längere Pause gönnen.

Doch als der Anruf aus Hoffenheim kam, konnte und wollte er nicht absagen, die Mission im Kraichgau reizt Babbel.

Er ist glücklich über seinen Neuanfang im Kraichgau, der Start war mit einem 1:1 in Bremen erfolgreich. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Vor der Heim-Premiere gegen Mainz (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) spricht Babbel im SPORT1-Interview über seine neue Aufgabe, Mäzen Dietmar Hopp, das Leben auf dem Dorf und schließt eine Versöhnung mit Berlins Manager Michael Preetz aus.

SPORT1: Wie war die erste Woche im Kraichgau, Herr Babbel?

Markus Babbel: Aufregend. Es ging ja alles sehr schnell. Man muss die Mannschaft kennenlernen, denn da waren einige dabei, die ich noch nicht kannte. Man muss sich die ganzen Namen und Gesichter einprägen. Das ist auch auf der Geschäftsstelle so, wenn man die neuen Personen vorgestellt bekommt. Da wäre ein Namensschild auf der Brust gar nicht schlecht. (lacht)

SPORT1: Hatten Sie eigentlich vor so schnell wieder einzusteigen?

Babbel: Es war überraschend. Und überhaupt nicht geplant. Ich hatte mich eigentlich auf ein paar freie Tage eingestellt, doch als der Anruf kam, habe ich mich natürlich damit befasst, ob das in Frage kommt. Doch diese Frage war für mich schnell beantwortet, weil ich Hoffenheim schon sehr lange verfolge. Es hat mich immer fasziniert, in welcher Lichtgeschwindigkeit der Verein nach oben kam.

SPORT1: Momentan ist der Verein aber nicht mehr die Wohlfühloase von 2008, sondern eher ein Pulverfass.

Babbel: Ich sehe es anders. Ich bin von der Mannschaft überzeugt, die sehr viel Qualität hat. Zudem ist das Umfeld hochprofessionell und ich bin von mir überzeugt. Ich glaube, dass wir gut zusammen passen, dass wir das in den nächsten Wochen hinbekommen, ich die Philosophie besser kennenlernen werde und wir wieder erfolgreichen Fußball zeigen werden.

SPORT1: Ihre letzte Trainerstation war Berlin, jetzt sind Sie im beschaulichen Kraichgau. Ein Kulturschock?

Babbel: Ich habe in Berlin wenig gesehen, weil ich nicht der Typ bin, der sich in den Sightseeing-Bus setzt und durch die Stadt fährt (lacht) . Ich kann in der Stadt leben, bin aber auf dem Dorf groß geworden. Vielleicht ist das auch der Reiz nach vier Millionen jetzt in eine Gegend zu kommen, wo weniger Leute leben. Ich komme aus Bayern und auch hier ist es schön grün und hügelig. Ich konzentriere mich auf die Aufgabe. Die Möglichkeiten hier zu arbeiten sind perfekt.

[kaltura id="0_5rqfho2c" class="full_size" title="Hertha Hauptstadt im Chaos"]

SPORT1: Holger Stanislawski ist trotz dieser Möglichkeiten gescheitert. Warum gelingt es Ihnen 1899 nach vorne zu bringen?

Babbel: Es ist die Herausforderung junge Spieler weiterzuentwickeln und einen erfolgreichen Mix zu den erfahrenen Spielern hinzubekommen. Das werden wir nicht geschenkt bekommen, dafür müssen wir hart arbeiten. Wir müssen fleißig sein, weil es in der Bundesliga keine Gegner mehr gibt, die man mit Halb-Gas schlagen kann. Man muss alles abrufen. Wenn wir das hinbekommen, wird es für jeden schwer uns zu schlagen. Die Mannschaft hat viel Qualität und eine gute Mentalität.

SPORT1: Aber dem Verein fehlte zuletzt Kontinuität. Sie sind der vierte Trainer in den letzten 13 Monaten.

Babbel: Ich habe einen Vertrag bis 2014 und da bin ich ein Mensch, der davon überzeugt ist, dass wir es in der Zeit auch schaffen erfolgreichen Fußball zu spielen.

SPORT1: Das gelang Ihnen in Berlin. Dort herrscht seit Ihrem Abschied das Chaos. Ihr Nachfolger Michael Skibbe ist schon wieder weg. Spüren Sie Genugtuung?

Babbel: Nein, ich bin keiner, der einem anderen etwas Schlechtes wünscht. Aber das haben die sich selber eingebrockt. Ich hätte das in Berlin sehr gerne zu Ende gebracht, weil wir nach dem Aufstieg etwas Phantastisches geschafft hatten. Die Art und Weise, wie es zu Ende ging, war für mich ein Vorteil. Weil es nicht sauber war und viel Blödsinn erzählt wurde, konnte ich es schneller abhaken. Jetzt habe ich in Hoffenheim eine neue Chance.

SPORT1: Mit Herthas Manager Michael Preetz sind Sie im Unfrieden auseinandergegangen. Wie bewerten Sie Schlagzeilen über ihn wie "Preetz - der schlechteste Manager der Bundesliga"?

Babbel: Das ist sicher nicht angenehm, aber damit muss er jetzt leben. Da sind auch Fakten dabei, die zutreffen.

SPORT1: Freunde werden Sie nicht mehr, oder?

Babbel: Es war nicht korrekt von ihm und ich habe kein Bedürfnis da etwas auszusprechen.

SPORT1: Vor einigen Wochen haben Sie Hoffenheim für das aggressive Abwerben von Jugendlichen kritisiert. Es war von "Kindeshandel" die Rede. Jetzt sind Sie selber in Hoffenheim.

Babbel: Das würde ich wieder so machen. Ich war in Berlin, wir hatten kein Geld und wenn mir dann die Toptalente weggeholt werden, dann werde ich sauer. Unsere Philosophie hier ist es auf die Jugend zu bauen und wenn jetzt ein Verein versucht uns die Toptalente hier wegzunehmen, werde ich genauso auf die Barrikaden gehen.

SPORT1: Wie ist eigentlich Ihr Verhältnis zu Dietmar Hopp?

Babbel: Sehr offen. Ohne ihn würde es den Verein nicht geben. Ich habe ihm gesagt, dass mir das wahnsinnig wichtig ist, was in ihm vorgeht und wie er alles sieht. Er wird auch von mir immer ein Feedback bekommen. Wir müssen da in einem permanenten Austausch sein.

SPORT1: Gab es mit Holger Stanislawski schon einen Austausch?

Babbel: Nein, noch nicht, denn "Stani" muss erst mal runterkommen. Wir verstehen uns sehr gut. Das Geschäft ist so. Das Leben geht auch für ihn weiter. Er ist ein klasse Typ. Wenn die Zeit reif ist, dann werden wir telefonieren.

SPORT1: Was wird mit Ihnen alles besser und warum gibt es am Freitag den ersten Sieg?

Babbel: Wir müssen knallhart arbeiten, damit wir den Sieg verdient haben. Alle ziehen 100 Prozent mit, aber das muss nachhaltig sein. Derjenige, der hart arbeitet, wird am Ende auch belohnt.

SPORT1: Sie tragen von jedem Ihrer bisherigen Vereine ein Tattoo am Körper. Wann gibt es das Hoffenheim-Tattoo?

Babbel: Diesbezüglich habe ich noch keinen Plan. Aber wenn die Zeit reif ist, werde ich sicher darüber nachdenken.

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