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Rene Tretschok (M.) gewann 1997 mit Borussia Dortmund die Champions League © imago

Rene Tretschok erklärt bei SPORT1, wie er Krisen-Klub Hertha BSC für den Knaller gegen Borussia Dortmund wachrütteln will.

Von Reinhard Franke und Christian Stüwe

München - Den Status des Stammspielers erreichte Rene Tretschok bei Borussia Dortmund nie.

Oft wurde der Mittelfeldspieler ein- oder ausgewechselt. Nicht selten saß Tretschok auch auf der Bank.

Doch wenn er gebraucht wurde, war der heute 43-Jährige da. Etwa 1997, als die Dortmunder im Halbfinale der Champions League auf Manchester United trafen und Tretschok im Hinspiel das wichtige Führungstor schoss. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Als sich der BVB dann im Finale Europas Krone aufsetzte, musste Tretschok wieder zuschauen.

Nun steckt Tretschoks aktueller Verein Hertha BSC in der Klemme. Und selbstverständlich erklärte sich der bisherige U-19-Trainer bereit, als Interimscoach die Aufgaben des entlassenen Michael Skibbe zu übernehmen.

Tretschok soll den Absturz des Hauptstadtklubs stoppen - und das ausgerechnet gegen seinen Ex-Verein Borussia Dortmund (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER).

"Leidenschaft und Willensstärke"

Dabei will er auf genau die Tugenden setzen, die ihn als Profi auszeichneten.

"Ich stehe für Werte wie Leidenschaft und Willensstärke", sagt Tretschok im Gespräch mit SPORT1: "Darum darf ich auch die Truppe trainieren, weil mein ganzes Leben auf diese Werte ausgerichtet ist."

[kaltura id="0_zpn52b5u" class="full_size" title="Tretschok Haben keine Angst"]

Der frühere Fußball-Arbeiter soll mit seiner Einstellung nun die Spieler der "Alten Dame" wachrütteln.

Nach vier Niederlagen in vier Spielen nach der Winterpause und insgesamt zehn Spielen ohne Erfolg macht sich in der Hauptstadt nämlich die Angst vor einem erneuten Abstieg breit.

Und nun kommt mit dem BVB die derzeit wohl stärkste Mannschaft der Bundesliga, seit 15 Spielen ist die Elf von Trainer Jürgen Klopp unbesiegt.

1000. Bundesligaspiel für die Hertha

Dennoch ist Tretschok optimistisch, dass im 1000. Bundesligaspiel der Hertha-Geschichte die Wende gelingen kann.

"Die Spieler, mit denen ich gesprochen habe, haben jetzt schon ein Funkeln in den Augen", erzählt Tretschok: "Das habe ich bei jedem Einzelnen gesehen."

Für den passenden Rahmen ist bei Tretschoks Debüt gesorgt. Das Olympiastadion wird ausverkauft sein, 74.000 Zuschauer - darunter 18.000 Gästefans aus Dortmund - werden für die passende Atmosphäre sorgen.

Kein Kontakt mehr nach Dortmund

Dass es dabei gegen seinen Ex-Klub geht, sei zwar "wirklich Schicksal", sagt Tretschok, interessiert ihn aber weiter nicht: "Ich bin 1997 da weg und habe keinen Kontakt mehr nach Dortmund. Ich bin mit Leib und Seele Herthaner."

Von seinen Spielern erwartet er ebenfalls, dass sie den Trubel in Berlin ausblenden und sich voll und ganz auf das Spiel gegen den Meister konzentrieren.

"Was nächste Woche ist und wie sich alles entwickelt, interessiert mich auch erstmal nicht", sagt Tretschok: "Es geht nur darum, die Jungs körperlich und mental darauf einzustellen, dass sie am Samstag um 15.30 Uhr Gänsehaut haben und einfach nur das tun, was sie können - nämlich Fußball spielen."

Unabhängig davon, wie sich die Hertha gegen den BVB schlägt, könnte schon in der kommenden Woche der nächste Trainer präsentiert werden.

Kommt Rehhagel?

Krassimir Balakov gilt als Kandidat, genauso wie Thomas Doll. Auch Andries Jonker, Trainer der zweiten Mannschaft des FC Bayern München, wird gehandelt.

Nach Informationen der "Bild" könnte es allerdings zu einer überraschenden Lösung kommen. Angeblich steht Manager Michael Preetz unmittelbar vor der Verpflichtung von Otto Rehhagel, der nach zwölf Jahren sein Comeback in der Bundesliga geben könnte.

Preetz steht jedenfalls unter Druck, eine Lösung zu präsentieren. Nach der Entlassung Skibbes war der Manager massiv in die Kritik geraten und in der "Sport Bild" gar als "schlechtester Manager Deutschlands" bezeichnet worden.

"Auch dieser Artikel ist eine Frechheit, ganz ehrlich", verteidigt Tretschok Preetz: "Diese Kampagne ist nicht zu ertragen, anscheinend geht es heute nur noch so."

Preetz sei "Mister Hertha BSC", er habe großen Respekt vor dem Manager, sagt Tretschok: "Bei Fachleuten der Branche, genießt er genauso wie bei uns im Verein bei Trainern, Spielern, Mitarbeitern hohes Ansehen."

Tretschok will zurück zur U 19

Tretschok möchte sich an den Spekulationen um den neuen Trainer nicht beteiligen. Er hat offenbar kein Interesse daran, den Posten in der ersten Reihe dauerhaft zu bekleiden.

"Es geht nicht um meine Person, es geht um Hertha BSC", sagt er: "Ich bin die Interimslösung. Und U-19-Trainer bin ich mit Herz und Leidenschaft. Das möchte ich auch weiter tun."

Außerdem habe er die benötigte Fußballlehrer-Lizenz nicht, die wolle er erst in eineinhalb Jahren erwerben. "Die Frage stellt sich also nicht", stellt Tretschok klar: "Und das ist auch gut so."

Wahrscheinlich wird Tretschok also wirklich nur bei dieser einen Partie gegen die Borussia auf der Bank sitzen.

Doch diese Chance will er nutzen. So wie er es früher schon als Spieler getan hat.

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