vergrößernverkleinern
Tom Trybull (l.) feierte gegen Kaiserslautern sein Bundesliga-Debüt © getty

Die Bremer stehen vor dem Nordderby beim HSV unter Druck. Trainer Schaaf wähnt seine junge Garde für die Feuertaufe gewappnet.

Von Andreas Kloo und Mathias Frohnapfel

München - Der Druck ist groß, der auf dem SV Werder lastet.

Die Verfolger im Kampf um die internationalen Plätze haben nach vier Remis in der Rückrunde Fährte aufgenommen.

Zwei Punkte beträgt der Bremer Vorsprung nur noch auf die siebtplatzierten Hannoveraner - vor der Winterpause waren es noch sechs.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Auch den HSV rechnet Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs aufgrund der Erfolgsserie unter Thorsten Fink mittlerweile zu den ernst zu nehmenden Rivalen.

HSV "auf Distanz halten"

"Ich sehe den HSV als Mitkonkurrenten um die internationalen Plätze", sagt er vor dem 96. Nordderby (Sa, ab 15 Uhr im LIVE-TICKER).

Bei einem Sieg wären die "Rothosen" bis auf vier Punkte an den Bremern dran. Deshalb "wäre es gut, wenn wir sie auf Distanz halten würden", hofft Allofs.

Feuertaufe für Youngster

Stellt sich die Frage, ob das junge Werder-Team mit der ungewohnten Drucksituation zurechtkommt. Gegen Leverkusen standen mit Florian Hartherz und Tom Trybull gleich zwei 18-Jährige in der Startelf. Niclas Füllkrug wurde in der 63. Minute für Mehmet Ekici eingewechselt.

Neun Spieler im Werder-Kader für das HSV-Spiel haben noch nie ein Nordderby bestritten.

Und die Stimmung in der Hamburger Imtech Arena wird wie immer aufgeheizt sein. Nicht nur Werder-Torhüter Tim Wiese, der sich in der Vergangenheit zum Erzfeind der HSV-Fans entwickelte, wird der Hass einiger Anhänger entgegenschlagen.

"Die Begrüßung ist nicht gerade freundlich", erinnert sich Philipp Bargfrede an die letzten Derbys. 36806(DIASHOW: Das Nordderby und seine Geschichte)

Schaaf: Keiner wird überrascht sein

Trainer Thomas Schaaf macht sich dennoch keine Sorgen um seine junge Garde.

"Wir werden schon dafür sorgen, dass keiner unserer Spieler in Hamburg von der Stimmung und den Emotionen überrascht sein wird", verspricht Schaaf bei SPORT1.

Allofs warnte zuletzt vor zu hohen Erwartungen an die junge Truppe: "Wir sind gespickt mit Spielern, die keine Erfahrung haben. Wären wir eingespielt, könnten wir andere Erwartungen haben."

Auch Schaaf sagt: "Man darf nicht zu ungeduldig sein."

"Eine Frage der Qualität"

Gleichzeitig betont er aber auch, dass das Alter für ihn keine allzu große Rolle spielt.

"Es ist nicht wichtig, ob ein Spieler 18 oder 36 ist, sondern es ist eine Frage der Qualität", stellt er klar und verteidigt seine Jugendwelle:

"Die jungen Spieler waren in den letzten Wochen sehr auffällig und haben sich hervorgetan. Da hat man deutlich gemerkt, dass sie sich zeigen und beweisen wollen."

Schwäche bei Standards

Ohnehin war das Hauptroblem der Werderaner in den letzten Partien nicht das jugendliche Alter, sondern das Verhalten bei Standardsituationen.

Keeper Wiese bemängelte dies öffentlich und wurde dafür von Schaaf abgekanzelt und in die Fehlerkette mit einbezogen. (Bericht Ecken-Frust und Absturz-Angst).

Doch auch Schaaf gibt Schwächen zu: "Wir müssen daran arbeiten, wieder mehr Klarheit in diesen Aktionen zu bekommen. Dann werden wir diesen Vorteil auch wieder zu unseren Gunsten nutzen", sagt er allgemein zum Thema Standardsituationen.

Pizarro liegt der HSV

Bei dieser Bemühung wird mit Linksverteidiger Hartherz in Hamburg zumindest einer aus dem Youngster-Trio von Beginn an mithelfen. Er hat es geschafft, Lukas Schmitz aus der Stammelf zu verdrängen.

Mittelfeldspieler Trybull machte mit seiner Torvorlage gegen Leverkusen ebenfalls auf sich aufmerksam. Er wird aber in Hamburg ebenso zunächst auf der Bank Platz nehmen müssen wie Angreifer Füllkrug, an dem sogar schon der FC Bayern interessiert gewesen sein soll.

Stattdessen rücken Marko Marin und der zuletzt gelbgesperrte Goalgetter Claudio Pizarro in die erste Elf.

Vor allem auf dem Werder-Torjäger ruhen die grün-weißen Hoffnungen vor dem Nordderby. Der Peruaner war an 20 der letzten 26 Bremer Treffer beteiligt. In 19 Spielen gegen den HSV erzielte er 14 Tore.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel