vergrößernverkleinern
Hoffenheim-Coach Babbel war am Ende der Hinrunde bei Hertha BSC entlassen worden © getty

Hoffenheims Trainer Markus Babbel macht "ein bisschen Angst" bei seinem Team aus. Fans protestieren für Ex-Coach Stanislawski.

Sinsheim - So ruhig ging es bei den Pressekonferenzen nach den Spielen von 1899 Hoffenheim schon lange nicht mehr zu.

Hoffenheims neuer Coach Markus Babbel war offensichtlich darum bemüht, einen Gegenentwurf zu dem polarisierenden und kürzlich entlassenen Ex-Trainers Holger Stanislawski zu verkörpern.

Während Stanislawski in den Monaten vor seinem Rauswurf regelmäßig verbal um sich schlug, anlysierte Babbel staubtrocken das 1:1 (1:1) bei seinem Heimdebüt gegen den FSV Mainz 05. (SPIELBERICHT: Babbels graues Heim-Debüt)

Am unterhaltsamsten war dabei noch das Führen der Strichliste bei Babbels Lieblingswort "schlussendlich", mit dem er fast jeden zweiten Satz begann. Schlussendlich scheiterte der Europameister von 1996 in dieser Hinsicht nur knapp an der Dutzend-Marke.

Gescheitert war Babbel zuvor bei dem Versuch, die Kraichgauer im zweiten Spiel unter seiner Regie endlich wieder zu einem Erfolg zu führen. 520178(DIASHOW: Der 22. Spieltag)

Negativrekord für Hoffenheim

Hoffenheim hat erstmals in seiner Erstliga-Geschichte sechs Begegnungen in Folge ohne Sieg absolviert.

Mittlerweile stehen sechs Remis in Serie, sechs Unentschieden in den zurückliegenden sechs Heimspielen und nur ein Sieg aus den vergangenen zwölf Partien zu Buche. Mit 26 Punkten droht sogar der Abstiegskampf.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Immerhin will Babbel erkannt haben, wo die Ursache der Misere liegt. "Wir waren in vielen Phasen zu passiv, daran müssen wir arbeiten.

"Ziegelsteine im Rücksack"

Man merkt, dass die Spieler nicht frei sind, es fehlt die Leichtigkeit, es ist ein bisschen Angst da", sagte der 39-Jährige und sprach wie schon zuletzt von "Ziegelsteinen im Rucksack", die man nach und nach loswerden müsse.

Einer dieser Ziegelsteine, die den Klub nach unten gezogen haben, war nach Ansicht von Mäzen Dietmar Hopp Ex-Coach Stanislawski.

Laut Hopp, der sich nach der Kritik rund um die Entlassung zu einem Interview im Stadionmagazin genötigt sah, stand dem "hohen Sympathiewert" Stanislawskis "die Erkenntnis unserer sportlichen Führung gegenüber, dass die sportliche Perspektive sehr düster zu beurteilen sei, mit deutlichen Hinweisen auf eine reale Abstiegsgefahr."

Fan-Protest für "Stani"

Einige Fans sahen dies jedoch anders. Vor dem Spiel hatten rund 100 Anhänger unter dem Motto "Eine Region fühlt sich verarscht" gegen den Rauswurf "Stanis" protestiert.

Hopp zeigte Verständnis dafür, verdeutlichte aber auch seinen Standpunkt.

"Ich verstehe unsere Anhänger, die jetzt enttäuscht darüber sind, dass eine solche Identifikationsfigur den Klub verlassen hat. Aber die Fans müssen auch den Verein verstehen, weil im Fall des Abstiegs keiner mehr nach Sympathiewerten gefragt hätte", sagte der Milliardär.

"Sind kein Plastikklub"

Ins Visier der Anhänger ist mittlerweile auch Manager Ernst Tanner geraten. Die Plakate mit der Aufschrift "Tanner raus" nahm der Sportchef äußerlich gelassen zur Kenntnis.

"Das beschäftigt mich nicht allzu sehr, ich kann damit leben. Die Fans haben eine Außenansicht, wir haben eine Innenansicht. Da stellt sich vieles anders dar", erklärte der Manager.

Tanner wollte in den Protesten sogar etwas Positives erkannt haben: "Es ist Stimmung in der Bude, das schadet uns vielleicht gar nicht. Das zeigt, dass wir doch kein Plastikklub sind."

Babbel verzichtet auf Trainerbank

Für bessere Stimmung innerhalb des Teams will Babbel sorgen. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger verzichtet der Coach, der seinen Schützlingen den Sonntag und Rosenmontag frei gab, auf eine Trainerbank und sitzt bei den Reservespielern.

"Wir sind alle gemeinsam gefordert, also verfolgen wir auch gemeinsam das Spiel", sagte Babbel dazu.

Babel und Salihovic auf der Bank

Von der Reservebank sah Babbel, der die Stars Ryan Babel und Sejad Salihovic erst nach der Pause einwechselte, die Einstellung eines Bundesliga-Rekords.

Die Gastgeber gingen durch ein Eigentor des FSV-Kapitäns Nikolce Noveski in Führung (9.). Durch das sechste Eigentor in seiner Karriere schloss der Mazedonier, der schon beim 0:4 der Mainzer im Hinspiel ins eigene Tor getroffen hatte, zum bisherigen Spitzenreiter Manfred Kaltz auf.

Vor den 23.400 Zuschauern sorgte Rückkehrer Mohamed Zidan mit seinem dritten Treffer im dritten Spiel noch vor der Pause für den gerechten Endstand (29.).

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel