Hertha-Boss Preetz setzt mit Rehhagels Rückkehr auf die sichere Variante. Doch Zweifel bleiben, ob "König Otto" der Richtige ist.

Nur einen Tag lang war die Republik nach dem Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff führungslos.

Dann stieg "König Otto" von seinem Denkmal herab und sorgte für die Rückkehr der Monarchie in Preußen.

Angesichts der Euphorie in den Berliner Boulevardblättern über Otto Rehhagels Ja-Wort zur Hertha konnte man tatsächlich diesen Eindruck bekommen.

Und beim Blick auf die realen Präsidenten-Kandidaten Joachim Gauck (72) und Klaus Töpfer (73) passt der 73-Jährige sogar ins Profil des gesuchten Staatsoberhauptes.

Doch schon bei seiner Teilnahme an der Bundespräsidentenwahl 1999 stellte der damalige CDU-Wahlmann Rehhagel fest: "Auf der Trainerbank ist es spannender."

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An dieser Faszination hat sich für den gelernten Anstreicher aus Essen auch 13 Jahre später und 12 Jahre nach seinem Abschied aus der Bundesliga nichts geändert.

Schon im vergangenen Jahr war er bereit, nach der Entlassung von Felix Magath bei Schalke auszuhelfen, ehe die Königsblauen Ralf Rangnick den Vorzug gaben.

Nun soll Rehhagel in Berlin den Weg für Rangnick bereiten, der als Favorit für die nächste Saison gilt - wenn der Routinier das Team vorher vor dem Abstieg rettet.

Damit kehrt Rehhagel zu seinen Anfängen als "Feuerwehrmann" zurück, der ihm einst den Spitznamen "Otto Notnagel" einbrachte.

Diese Erfahrung im Abstiegskampf liegt dann allerdings auch mehr als 30 Jahre zurück, denn seit seiner Metarmorphose zum Meistercoach spielte Rehhagel immer ganz oben mit.

Dass er sich jetzt in die Niederungen des Tabellenkellers herablässt, dürfte sicherlich den Anekdotenschatz und die Sprüchekalender der Bundesliga bereichern.

Ob Rehhagel allerdings noch die Kraft und das Feuer hat, bei den nun schon seit elf sieglosen Spielen der Zweitklassigkeit entgegen taumelnden Berlinern für die Wende zu sorgen, darf man zumindest bezweifeln.

Ein Großteil der Hertha-Fans fühlte sich bei der Entscheidung des gebürtigen Rheinländers Michael Preetz jedenfalls eher an einen Karnevalsscherz erinnert.

Dass ein großer Name allein nicht reicht, musste in der vergangenen Saison schon der spätere Absteiger Frankfurt mit Christoph Daum schmerzlich zur Kenntnis nehmen.

Nicht unbedingt ein gutes Omen für Preetz, schließlich hat er zuletzt ausgerechnet mit den beiden Ex-Eintracht-Trainern Friedhelm Funkel und Michael Skibbe Schiffbruch erlitten.

Sollte die Talfahrt auch mit Rehhagel weitergehen, wird sich Herthas Manager wohl ein anderes Betätigungsfeld suchen müssen.

Vielleicht ist dann für den eloquenten Preetz in der Politik noch ein Plätzchen frei.

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