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Beim 0:1 durch Bremens Marin machte auch HSV-Keeper Drobny (r.) keine gute Figur © getty

Der HSV hadert nach einem aufregenden Duell gegen Werder mit der eigenen Abwehr. Bremen erfreut sich am starken Auftritt.

Hamburg - Erstes Nordderby, erste Ernüchterung:

Thorsten Fink beendete nach der 1:3 (0:2)-Niederlage gegen Werder Bremen unmissverständlich alle ohnehin vagen Europa-League-Hoffnungen beim Hamburger SV.

"Unser Anspruch kann nicht der internationale Wettbewerb sein, es geht nur noch um einen Platz im gesicherten Mittelfeld", sagte der HSV-Trainer emotionslos. (SPIELBERICHT: Werder im Norden Nummer eins)

Damit läutete er zwölf Spieltage vor Schluss fast schon das Saisonende zwischen Alster und Elbe ein, die Hamburger haben als Tabellenachter acht Punkte Rückstand auf Platz sechs. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Dass ausgerechnet der auswärts seit Monaten sieglose Erzrivale von der Weser den Coach zu dieser desillusionierenden Aussage nötigen würde, ärgerte den Fußball-Lehrer:

"Leistungsmäßig war es nicht einmal ein Rückfall, aber wer solche Fehler macht, wird einfach bestraft." 520178(DIASHOW: Der 22. Spieltag)

HSV-Abwehr mit bösen Patzern

Bei den Toren von Marko Marin (9.) und Tom Trybull (45.) sah Torhüter Jaroslav Drobny nicht gut aus, vor dem 1:3 von Marko Arnautovic (86.) unterliefen die Innenverteidiger Heiko Westermann und Slobodan Rajkovic gemeinschaftlich und dilettantisch zugleich einen Abstoß (!) von Werder-Torhüter Tim Wiese.

Speziell beim letzten Lapsus mochte auch HSV-Sportchef Frank Arnesen gar nicht mehr hinsehen: "Das war wirklich mehr als unnötig."

Bei den Gästen hingegen war nach dem ersten Rückrundensieg die Hoffnung auf die Europa League lebendiger denn je. Die Bremer festigten mit dem Sieg den fünften Tabellenplatz.

Neben dem Ergebnis stimmten bei den Grün-Weißen im nicht ganz ausverkauften Hamburger Stadion auch das Abwehrverhalten und das Kombinationsspiel.

"Das beste Auswärtsspiel der Saison"

"Es war mit Sicherheit das beste Auswärtsspiel der Saison", befand Geschäftsführer Klaus Allofs, für Torschütze Arnautovic war es immerhin "das beste Spiel der Rückrunde".

Zwar gelang es den Platzherren, den von ihnen so gefürchteten Werder-Torjäger Claudio Pizarro weitgehend aus dem Spiel zu nehmen.

Doch das reichte gegen die ungemein ballsicheren Bremer nur zu einem zwischenzeitlichen Anschlusstreffer von Mladen Petric (76.).

Schaaf hochzufrieden

"Wir haben endlich umgesetzt, was wir zuletzt oftmals nur angedeutet haben. Wir halten unsere taktische Marschroute immer länger ein", lobte Trainer Thomas Schaaf, der Derby-Routinier schlechthin.

Im Gegensatz zum Kollegen Fink war es für den 50-Jährigen bereits das 42. Nord-Derby als Spieler und als Trainer.

Gab es in der Vergangenheit zwischen diesen beiden Klubs fast regelmäßig Fan-Ausschreitungen, gipfelnd in dem tragischen Tod von Adrian Maleika vor 30 Jahren, ging es diesmal rund um die Hamburger Arena weitgehend friedlich zu.

Ein halbgefüllter Getränkebecher traf Torschütze Marin "nur" am Knöchel, dank intensiverer Einlasskontrollen blieben die "Bengalos" diesmal kalt.

Zwei HSV-Anhänger festgenommen

Allerdings wurden zwei HSV-Anhänger vorzeitig festgenommen, weil sie mit Benzin getränke Transparente ins Stadion schmuggeln wollten.

Mit Blick auf die letztlich allerdings harmlose Wurfattacke genoss Nationalspieler Marin den "Dreier" in Hamburg mit ganz spezieller Genugtuung.

"Nach diesem kleinen Schreck freut mich der Sieg natürlich besonders", sagte Marin, der den Zwischenfall aber als Aktion eines Einzeltäters verbuchte:

"Die allermeisten Hamburger Fans sind nicht so."

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