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Otto Rehhagel wurde 2004 mit Griechenland Europameister © getty

Bei Hertha herrscht nur noch der "demokratische Diktator" Rehhagel. Die Pleite gegen Dortmund gerät schnell in Vergessenheit.

Von Rainer Nachtwey und Andreas Ziepa

München/Berlin - 74.244 Zuschauer, 22 Spieler, vier Unparteiische - doch einer, der gar nicht im Stadion war, überstrahlte alle:

Otto Rehhagel.

Nachdem Hertha-Manager Michael Preetz vor der Partie gegen Borussia Dortmund bei LIGA total! bekannt gegeben hatte, dass der Trainerfuchs ab Sonntag die Berliner übernimmt (Bericht), verkam die letzte Begegnung vor der "König-Otto"-Ära fast zur Nebensache.

Nach dem 0:1 (0:0) gegen den Deutschen Meister (Bericht), dem elften Spiel in Folge ohne Dreier, soll der Routinier den Klub vor dem erneuten Abstieg retten.

"Ab Montag bin ich das Gesetz"

Und der Heilsbringer will dabei auf seine alten Methoden setzen.

"Ich habe immer das letzte Wort, bin ab jetzt Tag und Nacht für Hertha da - und zwar immer pünktlich. Ich bin ein Vorreiter und erwarte Ordnung und Disziplin", sagte Rehhagel der "Bild am Sonntag".

"Ich bin ein Preuße. Oder auch ein demokratischer Diktator. Ab Montag bin ich bei Hertha das Gesetz und alle hören auf mein Kommando. Noch ist das Hertha-Schiff nicht untergegangen, es hat aber ein großes Leck."

Der 73-Jährige soll bei der Hertha den Prellbock geben, die Spieler aus der Schusslinie nehmen.

"Die Mannschaft braucht jetzt etwas Ruhe", erkannte auch Interimscoach Rene Tretschok, der zusammen mit Rehhagel und Ante Covic das Trainer-Gespann bilden wird.

Für Tretschock ist Rehhagel "der Richtige. Er hat große Erfahrung, kennt diese Situationen".

Preetz: Hertha für Abstiegskampf gerüstet

Preetz sieht den Tabellen-15. daher mit dem "Oldie" gerüstet für den Abstiegskampf:

"Wir haben einen erfahrenen Trainer gesucht. Jetzt haben wir ein gutes Team aus einem erfahrenem Trainer und den beiden jungen."

Zumal der Manager von Rehhagel schwärmte: "Feuer und Flamme beschreibt ihn ganz gut."

Und auch Rehhagel geht mit viel Elan in die vor ihm liegende Aufgabe:

"Ich bin gesund, fit und habe Lust. Die Leute setzen große Hoffnungen in mich und die möchte ich nicht enttäuschen. Wenn Hertha Hilfe braucht, dann sage ich nicht Nein", erklärte er weiter.

Rehhagel weist Kritik zurück

Kritik an seiner angeblichen altmodischen Spielweise - wie von SPORT1-Experte Thomas Strunz ("Das ist ein fatales Zeichen für die junge Trainer-Gilde") - wies der ehemalige Berliner Bundesligaspieler zurück:

"Die Frage ist doch: Willst du modern absteigen oder modern in der Liga bleiben? Ich habe alle Systeme drauf." (EINWURF: Ein großer Name allein reicht nicht)

[kaltura id="0_eurgkyw5" class="full_size" title="Best tigt Rehhagel neuer Hertha Coach"]

Spieler reagieren positiv

Die Spieler, die bereits am Vorabend von Preetz informiert worden war, nahmen die Nachricht sehr positiv auf.

"Ich fühle mich geehrt, mit so einer Trainergröße zusammenzuarbeiten", sagte Pierre-Michel Lasogga exemplarisch für die Mannschaft.

(Reaktionen auf Rehhagels Bundesliga-Rückkehr)

Leidenschaftliche Hertha macht Hoffnung

Was Rehhagel vor dem Fernseher am Samstagnachmittag zu sehen bekam, dürfte ihn etwas positiv stimmen. Die Einstellung der Truppe eine Woche nach dem 0:5-Debakel in Stuttgart stimmte.

Die Berliner zeigten eine engagierte, wenn auch glücklose Leistung (520178DIASHOW: Der 22. Spieltag).

"Meine Jungs haben leidenschaftlich versucht, ins Spiel zu kommen und hatten auch zwei, drei riesengroße Chancen, die du in dieser Situation auch einfach mal reinmachen musst", analysierte Tretschok.

"Wir müssen mal wieder in Führung gehen", meinte auch Peter Niemeyer: "Dortmund ist halt eine Spitzenmannschaft, die macht das Tor."

"Hauptsache drei Punkte"

Lange Zeit sah es jedoch nicht danach aus - bis Kevin Großkreutz in der 66. Minute doch noch das Tor des Tages erzielte.

"Es muss ja nicht immer schön sein" sagte der Matchwinner. "Mir ist scheißegal, wie wir gespielt haben. Hauptsache wir haben die drei Punkte."

Und auf die Frage, ob denn so ein Meister spielt, meinte Großkreutz nur: "Wenn Sie das sagen."

Zumal die Dortmunder die Tabellenführung durch den Sieg und das 0:0 des FC Bayern in Freiburg auf drei Punkte ausbauten (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Trainingspause für Piszczek

Allerdings mussten die Borussen einen weiteren verletzungsbedingten Rückschlag hinnehmen.

Lukas Piszczek wurde mit einer Gesichtsprellung zur weiteren Untersuchung ins Krankenhaus gebracht.

Zunächst soll der Pole eine Trainingspause von drei Tagen einlegen.

Piszczek wäre nach Shinji Kagawa und Mario Götze die dritte Stütze, die dem Meister im nächsten Spiel gegen Hannover 96 fehlen würde.

Jene 96er waren das letzte Team, das Dortmund in der Bundesliga schlagen konnte.

Seit dem 1:2 im September ging der BVB in den folgenden 16 Spielen nicht mehr als Verlierer vom Platz - Klubrekord.

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