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Ralf Rangnick ist zu Gast im neuen TV-Format auf SPORT1
Wieder bereit für die Liga: Ralf Rangnick stieg 2008 mit Hoffenheim in die Bundesliga auf © imago

Ralf Rangnick hält sich nach seinem Burn-Out-Erkrankung bereit für die Rückkehr. Erstmals spricht er über seine Erkrankung.

München - Mehr Auszeiten gönnen, richtig ernähren und viel Sport treiben:

Ralf Rangnick hat fünf Monate nach seinem überraschenden Rücktritt als Trainer von Bundesligist Schalke 04 wegen eines Erschöpfungssyndroms sein Leben neu ausgerichtet und wieder Lust auf Fußball 458797(DIASHOW: Psychische Probleme im Sport).

Der 53 Jahre alte "Professor" fühlt sich nach dem "kompletten körperlichen Breakdown" im September vergangenen Jahres wieder gesund und will bereits im Sommer zurück auf die Bundesliga-Bühne (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Ich kann wieder eine Mannschaft übernehmen"

"Körperlich und von der Energie her fühle ich mich wieder in der Verfassung, um zu sagen: Okay, ich kann wieder eine Mannschaft übernehmen.

Es geht mir deutlich besser, die vergangenen Monate haben mir richtig gut getan", sagte der 53-Jährige am Samstag im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF.

Mit Blick auf sein Comeback fügte er hinzu: "Ich gehe davon aus, dass das im Sommer der Fall sein wird, aber ich kann nicht in eine Glaskugel schauen. Otto Rehhagel hat vor einer Woche auch nicht gedacht, dass er bei Hertha ist." (News)

Momentan ist Rangnick Favorit auf die Nachfolge von Otto Rehhagel, der in Berlin nur bis zum Sommer tätig sein wird.

Grundlegende Dinge müssen sich ändern

Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit seinem Ende als Chefcoach von Schalke 04 am 22. September 2011 machte Rangnick aber deutlich, dass er auf seinem Weg zurück an die Seitenlinie "ein paar grundlegende Dinge" ändern muss.

"Dazu zählen auch der Umgang mit Ruhephasen, die richtige Ernährung und die Zeit, selber Sport zu treiben", sagte Rangnick, der keine überhöhten Ansprüche an einen möglichen neuen Arbeitgeber hat.

"Entscheidend ist, dass es passt, auch mit den anderen Entscheidungsträgern. So, wie es auf Schalke und über lange Jahre auch in Hoffenheim der Fall war. Die Tabellensituation ist dabei gar nicht so wichtig."

Burnout-Syndrom logische Folge

Rangnick untermauerte, dass er sich in den vergangenen Jahren nicht genug um seinen Körper und Geist gekümmert habe. Das Burnout-Syndrom war die logische Folge. "Es war, wie wenn einem jemand den Stecker rausgezogen hat.

Ich lebe davon, Energie weiterzugeben. Wenn man selber spürt, dass Energie nicht da ist, kann man das nicht weitergeben. Das Feuer war nicht mehr da. Man denkt sich: Beiß auf die Zähne. Aber irgendwann ging es nicht mehr.

Das war eine brutale Entscheidung. Sie war aber richtig und notwendig", sagte Rangnick.

Rückzug in die Heimat

Nach dem Ausbruch der im Fußball immer seltener tabuisierten Krankheit hatte sich Rangnick zunächst in seine schwäbische Heimat Backnang zurückgezogen, um zur Ruhe zu kommen.

"Ich bin nach Hause zu meiner Familie gefahren und mit meiner Frau drei, vier Tage weggefahren, um Abstand zu gewinnen. Dann ging es darum, festzustellen, was los war, auch mit dem Körper. Die Blutwerte waren katastrophal, auch im Bereich der hormonellen Werte war vieles im Keller, der Energiestoffwechsel hat nicht gestimmt. Das Immunsystem war ein Stück weit lahm gelegt. Das war ein kompletter körperlicher Breakdown", sagte Rangnick.

Reichlich Respekt für Rangnick

Der offene Umgang mit seinem Erschöpfungssyndrom hatte Rangnick in der Liga reichlich Respekt eingebracht. Wie die Vereine bei der Trainersuche in Zukunft auf den Namen Rangnick reagieren, bleibt allerdings noch abzuwarten.

Für den im März scheidenden DFB-Boss Theo Zwanziger war der offenen Umgang Rangnicks mit dem Burn-out zumindest ein deutliches Zeichen dafür, dass die richtigen Lehren aus dem Fall Robert Enke gezogen wurden.

"Vielleicht hat sich die Situation im harten Profigeschäft Fußball aufgrund der vielen Diskussionen nach dem tragischen Tod von Robert Enke ja doch ein klein wenig verändert", sagte Zwanziger.

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