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Philipp Lahm ist seit der Rückrunde der vergangen Saison Kapitän des FC Bayern © imago

Nach dem 0:0 in Freiburg schimpfen Nerlinger und Lahm, wissen aber auch keinen Weg aus der Krise. Die Sorgen werden größer.

Von Martin Volkmar

München/Freiburg - So sehen Verlierer aus:

Ratlos und resigniert machte sich der FC Bayern nach dem enttäuschenden 0:0 beim SC Freiburg auf die Heimreise nach München. (SPIELBERICHT)

Und während SC-Keeper Oliver Baumann von einem "gefühlten Sieg" sprach, war es für den Rekordmeister eine gefühlte Niederlage.

Denn der FCB hat nicht nur weiteren Boden im Titelkampf verloren und ist nun mit bereits vier Punkten Rückstand auf Borussia Dortmund und einem auf Borussia Mönchengladbach nur noch Dritter. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Noch mehr Sorgen macht den Verantwortlichen, dass sie selbst nicht wissen, wie sie aus der seit Rückrundenbeginn anhaltenden spielerischen Krise herauskommen sollen.

Nerlinger warnt vor Zweikampf Dortmund gegen Gladbach

"Spätestens jetzt schrillen die Alarmglocken. Wenn sich nicht ganz schnell ganz viele Dinge ändern, wird das eine enttäuschende Saison für den FC Bayern", sagte Christian Nerlinger.

Und bei LIGA total! setzte der Sportdirektor noch eins drauf:

"Wenn wir so weitermachen, haben wir mit der deutschen Meisterschaft nichts zu tun. Dann wird es ein Zweikampf zwischen Dortmund und Mönchengladbach."

Auch Lahm angefressen

Auch bei Philipp Lahm war spürbar konsterniert. (520178DIASHOW: Der 22. Spieltag)

"Ich dachte der Pokalsieg in Stuttgart wäre der Wendepunkt für uns gewesen. Aber in der Bundesliga kannst du nur bestehen, wenn du 100 Prozent gibst. Das haben wir heute im ersten Durchgang nicht gezeigt", schimpfte der Kapitän.

"Wenn man vier Punkte Rückstand hat, spricht im Meisterkampf wenig für einen. Wir hatten bis zu diesem Spiel alles in unserer Hand, jetzt nicht mehr. Das ist sehr enttäuschend. Wenn man Meister werden will, darf man so wie in Freiburg nicht auftreten."

Aussagen, die bei LIGA total!-Experte Ewald Lienen im SPORT1-Doppelpass für Fassungslosigkeit sorgten.

"Wie kann man so etwas zwölf Spieltage vor Saisonende sagen? Das passt nicht zum FC Bayern."

Selbstbewusstsein verflogen

Doch vom sonst so offen zur Schau getragenen Selbstbewusstsein nach dem Motto "Mia sa mia" ist beim Herbstmeister in den letzten Wochen nichts mehr zu spüren.

Der verletzte Bastian Schweinsteiger wird wie schon am Ende der Hinserie vor allem als Antreiber und Fixpunkt schmerzlich vermisst, hinzu kommt die ungewohnte Harmlosigkeit in der Offensive.

Die Torschuss-Bilanz in Freiburg von 12:7 für die im Schnitt gerade mal 23 Jahre alte Gastgeber-Truppe sprach Bände.

Zumal vor dem Hintergrund, dass der Tabellenletzte bislang mit 47 Gegentreffern die Schießbude der Liga ist und im Hinspiel mit 0:7 aus der Allianz Arena geschossen wurde.

"In der ersten Halbzeit alles vermissen lassen"

"Speziell in der ersten Halbzeit haben wir alles vermissen lassen, was es braucht, um erfolgreichen Fußball zu spielen", ärgerte sich Nerlinger.

"Das war eine Leistung, die nicht akzeptabel ist. Es wirkt, als hätten einige nicht verstanden, worum es geht."

Ähnlich sah es Lahm: "So wie in der ersten Halbzeit kann man nicht auftreten. Darüber muss gesprochen werden. Wir haben zu wenig Laufbereitschaft gezeigt. Es hat die Aggressivität gefehlt."

Mehr Schwung mit Robben

Das galt vor allem für die in der Hinrunde so hoch gelobte Bayern-Offensive, weswegen das Wechselspiel zwischen Thomas Müller und Edelreservist Arjen Robben auch im Breisgau munter weiter ging.

Mit der Einwechslung des Niederländers nach der Pause kam wesentlich mehr Schwung in die bayrischen Angriffsbemühungen, hochkarätige Torchancen blieben aber Mangelware.

Zudem hatten die Gäste Pech, dass Schiedsrichter Peter Gagelmann nach einem Zweikampf zwischen Robben und Jonathan Schmid den durchaus vertretbaren Elfmeterpfiff verweigerte (52.).

Keine weitere Schiedsrichterschelte

"Das ist nach dem Spiel nicht mehr wichtig", vermied Robben aber eine Neuauflage der jüngsten Schiedsrichter-Schelte der Bayern-Bosse: "Ich bin enttäuscht. Wir müssen jetzt analysieren und dann wieder aufstehen."

Dabei setzt Nerlinger vor allem auf Heynckes: "Der Trainer wird sicher die richtigen Worte und Maßnahmen finden."

Heynckes kündigt "knallharte Analyse" an

Der Coach, der nach den vergangenen Wochen auch zusehends ratloser wirkt, kündigte eine "knallharte Analyse" an. Schon am Mittwoch bedarf es schließlich im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Basel einer gewaltigen Leistungssteigerung.

Die Flinte ins Korn werfen will Heynckes im Gegensatz zu Nerlinger und Lahm aber nicht.

"Wir haben zwei Punkte auf Gladbach und Dortmund verloren, was wir uns nicht leisten können", sagte er und kündigte ein packendes Titelrennen an:

"Die Meisterschaft wird am letzten Spieltag entschieden!"

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