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Reiner Calmund (r.) glaubt an den Erfolg des 73-jährigen Otto Rehhagel © imago

Reiner Calmund bestätigt gegenüber SPORT1, dass er den Tipp zur Rehhagel-Verpflichtung gab und berichtet, wie es dazu kam.

Von Andreas Kloo

München/Berlin - Für die Fußball-Fans war die Verpflichtung Otto Rehhagels als neuer Hertha-Coach eine faustdicke Überraschung.

Eigentlich hatte man den Europameister-Coach von 2004 schon gedanklich im Ruhestand verortet.

Doch Reiner Calmund war ganz und gar nicht überrascht. Hatte er doch Michael Preetz den entscheidenden Tipp gegeben.

"Es gab letzten Montag ein Gespräch, wo man über die Situation gesprochen hat", bestätigt Calmund gegenüber SPORT1 eine Unterredung mit dem Hertha-Manager.

Hiddink wohl nicht zu bekommen

Dabei seien ein paar Namen abgeklopft worden.

Da Guus Hiddink laut Calmund wohl sagen würde "Ne, Berlin ist keine internationale Kategorie", brachte der langjährige Bayer-Manager den Vorschlag Otto Rehhagel ins Spiel (520465DIASHOW: Die Karriere von Otto Rehhagel).

"Ich habe gesagt, dass die Hertha jetzt wirklich einen sehr erfahrenen Mann braucht. Jemand, der absolute Anerkennung hat und der alle mit in ein Boot holt, damit es kein Theater mehr gibt, und das ist nun mal Otto."

"Der brennt noch"

Mehrere Treffen mit Rehhagel in den letzten Wochen, unter anderem beim Ball des Sports, ließen bei Calmund die Erkenntnis reifen, dass Rehhagel trotz seiner 73 Jahre nach wie vor topfit ist.

"Der brennt noch, der beißt noch", ist sich Calmund sicher.

Zunächst versuchte es Preetz offenbar erst bei seinen eigenen Favoriten: Ralf Rangnick, Krassimir Balakov und Thomas Doll.

Als er dabei keinen Erfolg hatte, griff er auf Calmunds Vorschlag zurück und reiste am Donnerstag mit Präsident Werner Gegenbauer zu einem Treffen mit Rehhagel nach Düsseldorf.

"Abends saßen wir dann zusammen und Beate hat italienische Häppchen zubereitet", berichtet Rehhagel von den entscheidenden Gesprächen in der "Bild am Sonntag".

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Direktes Duell in Augsburg

Dann ging alles ganz schnell.

Viel Zeit zur gegenseitigen Eingewöhnung bleibt Rehhagel und seiner neuen Mannschaft ohnehin nicht.

Am Samstag geht es zum FC Augsburg, einem direkten Konkurrenten im Abstiegskampf (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle). Doch Calmund hat keine Zweifel, dass Rehhagel nach elf sieglosen Spielen das Ruder bei der Hertha schnell herumreißen kann.

Mentales Problem als Ursache

"Die Krise in Berlin ist natürlich auch eine große psychologische Krise der Mannschaft. In einer solchen Situation muss man einen Trainer haben, der eine Menge Erfahrung hat, viel Autorität besitzt, der sofort auf Anhieb die Dinge regelt, wie absolutes Teamwork und Zusammengehörigkeitsgefühl", erklärt Calmund.

Auch Rudi Völler macht ein Kopfproblem bei der Hertha aus. Und Rehhagels Stürmer aus Bremer Zeiten glaubt ebenfalls, dass sein Ex-Coach dafür die richtigen Lösungen parat hat.

"Er wird vor allem wieder Ruhe reinbringen. Er blickt komplett durch und weiß, was er zu tun hat", sagte der Bayer-Sportdirektor im Kia Doppelpass bei SPORT1.

"Dann ist Ruhe im Puff"

Neben dem mentalen Problem nennt Calmund noch zwei weitere Mängel der Berliner in den letzten Wochen: fehlender Teamgeist und mangelnde Autorität der Trainer.

Das müsse nun beseitigt werden: "Alle müssen an einem Strang ziehen, keine Extra-Würste mehr, keiner, der neues Salz in die Wunden streut."

Öffentlicher Zoff wie zwischen Kapitän Christian Lell und Michael Skibbe dürfe ebenso nicht mehr vorkommen wie die Streitigkeiten zwischen Manager und Trainer zum Ende der Ära Babbel.

"Wenn so einer wie Otto Rehhagel kommt, dann ist Ruhe im Puff. In Berlin da könnten Mourinho, Guardiola und Klopp zusammenkommen und es wäre noch schwer zu lösen", erklärt Calmund.

Theorie alleine reicht nicht

Die Meinung von SPORT1-Experte Thomas Strunz, der die Berliner Entscheidung "ein fatales Zeichen für die junge Trainer-Gilde" nennt, teilt Calmund nicht.

"Ich bin ein großer Verfechter von jungen Trainern," stellt er klar, fügt aber hinzu:

"Gute Leute, die das in der Theorie können, waren da, aber es hat nicht funktioniert. Man kann ja nicht sagen, dass Skibbe eine absolute Pflaume ist und auch Babbel nicht, aber der hatte ja auch seit Oktober kein Spiel mehr gewonnen."

Von Aragones bis Heynckes

Gleichzeitig gilt für Calmund das Trainer-Motto: Mit 66 ist noch lange nicht Schluss.

Er nennt die Beispiele Luis Aragones, Giovanni Trapattoni, Alex Ferguson, Hans Meyer und weist auf den "Benjamin der alten Säcke" hin, den 66-jährigen Jupp Heynckes.

Lattek warnt

SPORT1-Expertenlegende Udo Lattek sieht das fortgeschrittene Alter Rehhagels durchaus als Problem. "Es wird Probleme geben. Ähnlich wie bei mir wird es auch bei Otto Vorbehalte gegen ihn geben", erinnert Lattek an sein Blitz-Comeback bei Dortmund 2000.

"Die jungen Burschen in der Mannschaft haben doch ganz andere Gedankengänge. Der Einstand wird nicht einfach für ihn", ergänzt er.

"Calli" sieht das anders: Gerade aufgrund seines Alters werde Rehhagel die Akzeptanz der Spieler schnell gewinnen: "Schau dir die Erfahrung von Otto an und schau dir die Spieler an", bringt er es auf den Punkt.

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