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Von 1993 bis 1995 spielte Mario Basler (l.) unter Otto Rehhagel bei Werder Bremen © getty

SPORT1-Experte Basler spricht über die Zeit unter Otto Rehhagel bei Werder Bremen und nennt den Coup von Hertha die Ideallösung.

Von Reinhard Franke

München - Der König ist zurück!

Otto Rehhagel hat seine Arbeit bei Hertha BSC Berlin aufgenommen.

Der 73-Jährige hat einen Vertrag bis Saisonende unterschrieben und bereitet die Berliner auf das Abstiegsduell beim FC Augsburg (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) vor. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Einer, der Rehhagel aus seiner Anfangszeit bei Werder Bremen genau kennt, ist Mario Basler.

Unter Rehhagel wurde "Super Mario" zum gestandenen Bundesligaspieler. 520465(DIASHOW: Die Karriere von Otto Rehhagel)

Vor Rehhagels erstem Auftritt als Hertha-Coach erinnert sich Basler im SPORT1-Interview an die gemeinsame Zeit zurück.

SPORT1: Herr Basler, was sagen Sie zum Comeback von Otto Rehhagel in der Bundesliga?

Mario Basler: Das war natürlich für alle sehr überraschend. Aber es ist eine schöne Geschichte und Otto ist genau der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt für die Hertha. Mich freut es sehr, dass Otto wieder zurück ist.

SPORT1: Was waren Ihre ersten Gedanken, als Sie davon hörten, dass Rehhagel das Zepter in der Hauptstadt übernehmen wird?

Basler: Ich habe mich einfach riesig gefreut. Damit war ja nicht zu rechnen. Es war wirklich für alle eine große Freude.

SPORT1: Wie blicken Sie auf Ihre gemeinsame Zeit bei Werder Bremen zurück?

Basler: Otto ist ein sehr erfahrener Trainer. Er weiß auf die Stärken jedes Einzelnen einzugehen, weiß genau, wie er seine Spieler behandeln muss, wer was braucht und das wusste er damals schon bei mir sehr gut einzubringen. Ich hätte mir keinen besseren Trainer zu Beginn meiner Karriere wünschen können. Er war damals für mich wie eine kleine Vaterfigur. Er hat mir in allen Lebenslagen geholfen. Das wird er heute sicher auch bei den Spielern machen, denn im Zwischenmenschlichen liegt sein großer Vorteil.

SPORT1: Wie ist er mit Ihnen damals umgegangen?

Basler: Er ist immer ganz stark auf mich eingegangen und hat immer mit seiner menschlichen Art versucht, alles aus mir rauszukitzeln. Er hat es damals geschafft immer das optimale aus einem Spieler rauszuholen, dass man top in das Spiel gehen konnte. Seine Ansprachen waren legendär. Das werden die Spieler jetzt in Berlin auch merken.

[kaltura id="0_l825wvnp" class="full_size" title=" K nig Otto setzt auf Raffael"]

SPORT1: Wie eng war der Kontakt in all den Jahren?

Basler: Der Kontakt ist leider ein bisschen abgerissen, aber zuletzt haben wir uns beim Spiel Schalke gegen Kaiserslautern gesehen und konnten ein bisschen reden. Das war sehr schön, ihn mal wieder zu sehen. Er war wirklich eine tolle Zeit damals unter ihm, die ich niemals missen möchte.

SPORT1: War das eigentlich mal ein Traum von Ihnen mit Otto Rehhagel zusammen ein Trainergespann zu bilden?

Basler: Ein Traum? Nein, da hatte keiner daran gedacht. Das nun wirklich nicht. Er war ja lange Nationaltrainer in Griechenland, als ich im Trainerjob begann. Ich habe aber als Spieler sehr viel von ihm lernen können und dafür bin ich ihm sehr dankbar. Es war ein Glück unter ihm trainieren zu können.

SPORT1: Jetzt gibt es nicht nur Befürworter, sondern auch Kritiker, die das Engagement Rehhagels nicht so positiv sehen. Udo Lattek sagt, dass es aufgrund des fortgeschrittenen Alters von Rehhagel Probleme geben könne.

Basler: Da ist man immer geteilter Meinung. Die Kritiker kommen immer dann aus den Löchern, wenn es etwas zu besprechen gibt im großen Raum. Ich kann diese Meinungen nicht nachvollziehen. Ich verstehe nicht, warum der Udo Lattek das sagt. Er kennt es doch selbst, als er damals im hohen Alter Borussia Dortmund übernahm - mit Matthias Sammer als Co-Trainer. Ich glaube nicht, dass es Probleme geben wird mit Otto und der jungen Generation an Spielern. Das wird funktionieren.

SPORT1: Glauben Sie, dass Rehhagel noch richtig brennt?

Basler: Auf jeden Fall! Das hat jeder in der Pressekonferenz zu seinem Einstand bei der Hertha gesehen. Das "Attack! Attack! Go!" war ein Zeichen, dass Otto heiß ist auf den Job. Das wird er den Spielern schon in den ersten Trainingseinheiten zeigen, wie sehr er auf die Arbeit brennt.

SPORT1: Mancher Trainer hat Sie in Ihrer Karriere das ein oder andere Mal bestraft, wenn Sie zum Training zu spät gekommen sind. Rehhagel soll mal gesagt haben "Ach Mario, schön, dass Sie noch kommen" und es dabei belassen haben.

Basler: Das stimmt nicht ganz so, aber das sind private Dinge, die ein Trainer in der Vergangenheit mal gesagt hat und das behalte ich lieber für mich. Ich bin ja nicht Philipp Lahm, der sowas dann preisgibt.

SPORT1: Was kann Rehhagel bewirken mit der Hertha?

Basler: Das liegt ja an der Mannschaft, nicht nur am Otto. Der Druck wurde jetzt ein bisschen weggenommen von den Jungs. Im Endeffekt muss die Mannschaft die Tore schießen und nicht der Otto. Er kann keine Tore schießen. Das hat er ja klar gesagt bei der Pressekonferenz.

SPORT1: War die Verpflichtung von Rehhagel der gelungen Coup von der Hertha? Konnte man es nicht besser machen?

Basler: Schlechter wie zuletzt konnte man es sicher nicht machen. Ich glaube, dass sie mit Otto die Ideallösung gefunden haben. Er ist nach wie vor Mensch geblieben und hat sich in seiner Art und Weise bestimmt nicht verändert und das ist ein großer Vorteil von ihm.

SPORT1: Können Sie uns eine Anekdote aus Ihrer Zeit mit Rehhagel erzählen?

Balser: (lacht) Nein, nein, nein. Aus unserer Zeit werde ich nichts dergleichen erzählen. Dafür ist Otto ein zu wertvoller Mensch.

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