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Sportdirektor Nerlinger (l.) im Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden Rummenigge © imago

Rummenigge und Nerlinger reden auf das formschwache Team ein. Derweil entpuppt sich Favre als Favorit auf Heynckes' Nachfolge.

Von Tobias Wiltschek und Christian Ortlepp

München - Alarmstimmung statt bayerischer Bierruhe.

In München brennt nach dem peinlichen 0:0 bei Schlusslicht Freiburg der Baum (Bericht).

Schwache Leistungen, Personaldiskussionen und der Sturz auf Platz drei sorgen für Unruhe.

Am Montagmittag wurde die obligatorische Pressekonferenz vor dem Achtelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Basel (Mi., ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) abgesagt.

Anstatt mit den Medienvertretern zu sprechen, knöpfte sich der Bayern-Vorstand mit Karl-Heinz Rummenigge, Karl Hopfner und Sportdirektor Christian Nerlinger die Mannschaft vor (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Unmittelbar nach dem Abpfiff in Freiburg hatte Nerlinger bereits die mangelnde Einstellung der Mannschaft angeprangert. "Es wirkt so, als ob einige nicht kapiert haben, um was es geht", sagte der Sportdirektor.

Am Montagnachmittag vor dem Training nutzten die Bayern-Bosse die Gelegenheit, diese Missstände anzusprechen.

Denn sowohl die Meisterschaft wie auch der Traum von der Teilnahme am Champions-League-Finale im eigenen Stadion scheinen ernsthaft in Gefahrt zu geraten.

Dante-Deal wohl fix

Während die Bayern zunächst einmal bemüht sind, die aktuelle Saison zu retten, wird hinter den Kulissen offenbar schon für Zukunft geplant.

Eine zentrale Rolle in ihren Überlegungen spielen dabei die Erfolgsgaranten bei Borussia Mönchengladbach; dem Überraschungsteam der Saison (520178DIASHOW: Der 22. Spieltag) .

Nach SPORT1-Informationen ist der Deal mit Abwehr-Ass Dante wohl schon unter Dach unter Fach.

Der Brasilianer, dessen Vertrag bei der Borussia noch bis 2014 läuft, unterschreibt demnach für eine festgeschriebene Ablösesumme von 4,7 Millionen Euro einen Vierjahresvertrag beim deutschen Rekordmeister.

Favre als Heynckes-Nachfolger?

Die Planungen der Bayern beziehen sich aber nicht nur auf die nächste Saison, sondern gehen bereits darüber hinaus.

Der Vertrag von Trainer Jupp Heynckes läuft Ende der kommenden Spielzeit aus. Schon jetzt aber werden offenbar hinter den Kulissen die Weichen für die Zeit danach gestellt.

Top-Kandidat für die Heynckes-Nachfolge könnte Gladbachs Erfolgscoach Lucien Favre werden.

Für das Taktik-Genie aus der Schweiz sprechen nicht nur die Fakten, sondern vor allem die jüngsten Aussagen aus dem direkten Umfeld der Bayern.

Allen voran Ehrenpräsident Franz Beckenbauer breitet dem 54-jährigen schon einmal den Roten Teppich an der Säbener Straße aus.

[kaltura id="0_itca0dl6" class="full_size" title="Unruhe bei den Bayern"]

"Kaiser" lobt Favres Autorität

"Ich denke schon, dass Favre die Autorität auch bei einer Mannschaft wie Bayern hätte", sagte der 66-Jährige jüngst in der "Sport Bild" und betonte gleichzeitig die Vorzüge des deutschen Vorzeigevereins.

Er könne verstehen, dass ein Trainer seiner Qualität nicht immer um Spieler kämpfen und betteln, sondern aus dem Vollen schöpfen wolle, so Beckenbauer. "Der FC Bayern ist da sicherlich die erste Adresse."

Auch Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, der drei Jahre lang zusammen mit Favre bei Servette Genf gespielt hatte, schwärmt von seinem ehemaligen Vereinskollegen. Er habe sich mit Rummenigge schon oft über Favre und seine Qualität unterhalten, so Beckenbauer.

Favre selbst hatte erst in der Winterpause aus seiner Enttäuschung über die bevorstehenden Abgänge von Marco Reus nach Dortmund und Roman Neustädter zu Schalke 04 keinen Hehl gemacht. Nun muss er mit Dante wohl den Verlust des dritten Erfolgsgaranten verkraften.

1,95 Punkte im Schnitt

Dennoch eilt er mit seinem Team auch in der Rückserie von Sieg zu Sieg und ist derzeit mit einem Schnitt von 1,95 Punkten statistisch gesehen der erfolgreichste Trainer der ruhmreichen Gladbacher Vereinshistorie.

Die Bayern dagegen treten schon seit Wochen auf der Stelle, liegen in der Rückrunden-Tabelle nach nur zwei Siegen aus fünf Spielen nur auf dem sechsten Platz.

Kein Wunder, dass man beim 22-maligen Deutschen Meister nach einem derart missratenen Start ins Jahr 2012 von besseren Zeiten träumt.

Königsklasse in Gefahr

Die Realität beim Herbstmeister sieht eher grau aus. Mittlerweile geht sogar die Angst um, im Meisterrennen abgehängt zu werden.

Selbst die direkte Champions-League-Qualifikation gerät bei einem Vorsprung von nur einem Punkt auf die viertplatzierten Schalker in Gefahr.

"Im letzten Saisondrittel müssen wir Vollgas geben, um nicht wie im Vorjahr mit leeren Händen dazustehen", forderte Rummenigge im "kicker".

In dieser Spielzeit soll der Weg der Bayern in der Königsklasse bis ins Finale im eigenen Stadion führen. Dafür aber muss im Achtelfinale erst einmal der FC Basel bezwungen werden.

Optimistischer Außenseiter

Vor dem Hinspiel am Mittwochabend im St. Jakob-Park gibt sich der Außenseiter ausgesprochen optimistisch.

"Wir wollen Bayern ein Bein stellen", tönte ausgerechnet Xerdan Shaqiri in der "Bild am Sonntag".

Das Riesentalent wurde erst kürzlich von den Münchnern ab der kommenden Saison unter Vertrag genommen und gilt als wichtiger Bestandteil in den Zukunftsplanungen der Bayern. Vorher aber wolle er seinem zukünftigen Klub liebend gern "einen einschenken".

So selbstbewusst würden die Bayern derzeit auch gerne auftreten.

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