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Die Partie gegen den FC Augsburg ist Rehhagels 821. Spiel in der Bundesliga © getty

Der Spielraum für Fehler ist beim Hertha-Manager extrem geschrumpft. Das Projekt Rehhagel dürfte sein letzter Trumpf sein.

Von Florian Pertsch

München - Friedlich rieselten die Schneeflocken vom Berliner Himmel, es schien fast so, als ob Ruhe bei der Hertha einkehrte.

Und der Schein trog nicht.

"König Otto" stand erhaben an der Seitenlinie und leitete mit stoischer Ruhe sein erstes Training.

Er ist der herbeigesehnte Ruhepol, der erfahrene Feldherr, der sich vor Klub und Spieler stellt und alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. (520465DIASHOW: Die Karriere von Otto Rehhagel)

Die Hoffnungen ruhen also nun auf "König Otto", und damit sind nicht nur die des Fan-Lagers gemeint, sondern auch die von Michael Preetz, Geschäftsführer Sport der Hertha.

Scheitert Rehhagel, dann scheitert wohl auch der Manager.

Freier Fall soll gestoppt werden

Der Hauptstadtklub verpflichtete in dem Trainer-Veteran den dritten Übungsleiter der Saison.

Seine beiden Vorgänger Markus Babbel und Michael Skibbe gingen im Streit beziehungsweise nach 52 Tagen und hinterließen einen Klub im freien Fall. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Das mediale Echo fiel dementsprechend heftig aus.

Die "BZ" zählte Preetz und Präsident Werner Gegenbauer an, forderte Konsequenzen und die "Sport Bild" wählte den ehemaligen Stürmer gar zum "Schlechtesten Manager der Bundesliga".

Eine Aussage, die Rene Tretschok so nicht stehen lassen will.

Im Gespräch mit SPORT1 verteidigt der Kurzzeit-Cheftrainer Michael Preetz.

"Das ist eine Frechheit, ganz ehrlich. Diese Kampagne ist nicht zu ertragen, anscheinend geht es heute nur noch so. Michael Preetz ist 'Mister Hertha BSC'", betonte Tretschok.

"Er wird seinen Weg gehen und wir im Verein werden ihn alle dabei unterstützen."

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Schon fünf Trainer in Preetz-Ära

Dass der Manager total auf Hertha programmiert ist, steht außer Frage, allein bei manchen Entscheidungen auf und neben dem Platz fehlte Preetz das glückliche Händchen.

Rehhagel ist bereits der fünfte Trainer seiner Amtszeit, neuverpflichtete Spieler wie Rob Friend schlugen nicht wie erwartet ein, und nach dem Abstieg in die Zweite Liga in der Saison 2009/10 droht auch in der aktuellen Spielzeit der Gang ins Unterhaus.

Trotz des Gegenwinds kämpft Preetz um sein Amt und will nicht klein beigeben: "Ich bin keiner, der wegläuft. Die Verantwortung für Personalentscheidungen trage ich, wenn sich der Erfolg nicht einstellt, dann muss ich handeln."

Vor allem für die rasche Entlassung von Michael Skibbe musste Preetz Kritik hinnehmen.

Beim Kia Doppelpass auf SPORT1 fand Stefan Kuntz, Vorstandsvorsitzender des 1. FC Kaiserslautern, deutliche Worte.

"Zu viele Trainerwechsel sind nicht gut für die Seriosität des Fußballs. Bei manchen Entlassungen in der Vergangenheit hätte ich nicht so gehandelt", kommentierte der Lautern-Boss die Entlassung von Michael Skibbe.

Löw: Autorität hilft Rehhagel

Jetzt soll es also in Berlin mit "König Otto" zurück zur eingeforderten Seriosität gehen.

Bundestrainer Joachim Löw sieht Rehhagel dabei als wichtigen Stabilisator.

"Ich glaube, dass es Berlin gut tut. Ich kenne die Probleme von Berlin nicht im Detail, aber er hat diese absolute Autorität und auch die Energie, um die Mannschaft zum Klassenerhalt zu führen", sagte Löw am Mittwoch.

Neuer Coach bringt die Freude zurück

Doch Rehhagel bringt nicht nur Ernsthaftigkeit zurück, es wird auch gelacht wieder in der Hauptstadt.

Allen voran Preetz, der bei der Trainervorstellung seit langem mal wieder ein Lächeln auf den Lippen hatte. Auch die Spieler freuen sich über den neuen Wind in der Kabine.

"Er ist eine absolute Persönlichkeit, ein sehr, sehr großer Trainer. Er hat eine unglaubliche Ausstrahlung und ich freue mich sehr, unter ihm spielen zu dürfen", sagte Torhüter Thomas Kraft nach dem ersten Training.

Die Freude ist also zurück, jetzt gilt es, konzentriert zu arbeiten.

Rehhagel selbst fasst die Situation gewohnt pragmatisch zusammen: "Die drei Monate ist an nichts anderes mehr zu denken. Unnötige Kriegsschauplätze müssen alle außen vor bleiben."

Drei Monate Hoffen, drei Monate Bangen, nicht nur bei den Fans, sondern auch bei Manager Preetz, denn es dürfte seine letzte Chance bei Hertha sein.

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