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Der BVB mit Bender, Weidenfeller und Kagawa (v.l.n.r.) führt die Tabelle vor Gladbach an © getty

Während andere Klubs straucheln, lässt sich Dortmund auch von Verletzungen nicht aufhalten. Flexibilität ist nur ein Geheimnis.

Von Barnabas Szoecs

München - Wenn Fußball-Trainer nach den entscheidenden Faktoren für eine erfolgreiche Saison gefragt werden, fehlt eine Aussage ganz eigentlich nie:

"Wenn wir vom Verletzungspech verschont bleiben, dann?"

Anders formuliert: Fallen Leistungsträger unerwartet und langfristig aus, stehen selbst große Teams wie Bayern München im Fall von Bastian Schweinsteiger oder Werder Bremen, bei denen Abwehrchef Naldo schmerzlich vemisst wurde und wird, vor dem oft unlösbaren Problem der gleichwertigen Kompensation.

Bei Borussia Dortmund jedoch scheinen die Dinge etwas anders zu laufen.

Siegesserie trotz wichtiger Verletzter

Obwohl das Team von Jürgen Klopp aktuell die Ausfälle von Stars wie Mario Götze, Shinji Kagawa oder Lukasz Piszczek verkraften muss, hält Dortmunds Siegesserie - wundersamerweise - unaufhaltsam an.

Seit 16 Spielen ist der Tabellenführer in der Liga ungeschlagen, die letzten sechs Partien wurden allesamt gewonnen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Am Sonntag gastiert Hannover 96 beim Meister - Dortmunds letzter Bezwinger.

Dass der BVB trotz seines kleinen, aber hochkarätigen Lazaretts als Favorit ins Heimspiel geht, basiert im Wesentlichen auf zwei Gründen.

System als Auffangnetz

Zum einen kompensiert das taktische System die Verletzten:

Als sich Abwehrspieler Piszczek beim Sieg gegen Hertha BSC eine schwere Gehirnerschütterung zuzog, ersetzte ihn Routinier Patrick Owomoyela - trotz mangelnder Spielpraxis - bravourös.

Den Fokus legt "Owo" dennoch aufsTeam: "Wir arbeiten weiterhin Woche für Woche daran, dass wir jedes Wochenende erfolgreich sind. Wenn es uns weiterhin so gut gelingt...mal sehen, was am Ende dabei herauskommt."

[kaltura id="0_3a8w306k" class="full_size" title="Kapit n Kehl bleibt BVB treu"]

Gesamtkonzept vor Individuum

Neben Owomoyelas Erfahrung ist nicht zuletzt auch ein Verdienst des BVB-Systems, das von jedem Spieler absolute Einordnung ins taktische Gesamtkonzept verlangt.

Da jeder Dortmunder weiß, wie die einzelnen Positionen zu spielen sind, können auch Akteure mit weniger Praxis oder Erfahrung einspringen.

FCB: Statisches System

Bei Konkurrent Bayern klappt das momentan nicht so gut. (Bayern: Vorstand knöpft sich Mannschaft vor).

Fehlt Mittelfeldchef Leistungsträger Schweinsteiger, punkten die Bayern nicht mit gewohnter Konstanz (SERVICE: Der SPORT1-Tabellenrechner).

Anders bei Dortmund, wie auch der Fall Shinji Kagawa zeigt.

Dortmunds japanischer Spielmacher zog sich einige Tage vor dem Hertha-Spiel einen Außenbandanriss im linken Sprunggelenk zu.

Klopp reagierte, zog Angreifer Robert Lewandowski auf die Zehner-Position zurück und ließ Lucas Barrios stürmen - mit Erfolg.

Wieder entpuppte sich die "kloppsche" Taktik als erfolgreich, erneut musste nicht experimentiert werden - die Abläufe waren für Lewandowski kein Novum.

Kagawas rasante Heilung

Nicht weniger spannend ist Dortmunds zweiter Rettungsanker: die medizinische Abteilung.

Bestes Beispiel ist der Heilungsprozess Kagawas nach seinem Außenbandanriss. Bereits gegen Hannover soll der Japaner wohl wieder auflaufen.

"Die medizinische Abteilung leistet bei uns sehr gute Arbeit", sagte Kapitän Sebastian Kehl, nach seiner langen Verletzung bestens mit dem Ärzten und Physiotherapeuten vertraut: "Für Shinji sieht es sehr gut aus. Ich hoffe, dass er am Wochenende schon richtig dabei sein kann."

Bender nach fünf Tagen wieder fit

Auch Defensiv-Abräumer Sven Bender stoppte Anfang Februar ein Teilabriss des Außenbandes. Zwei Wochen sollte der Nationalspieler laut einer medizinischen Untersuchung fehlen.

Doch nach nur fünf Tagen lief er gegen Leverkusen wieder auf - und überzeugte.

Es scheint also, als müssten dem Meister ein halbes Dutzend Spieler gleichzeitig ausfallen, um den rasanten Höhenflug zu stoppen.

Aber wohl auch dann würde die medizinische Abteilung die Spieler auf wundersame Weise in Windeseile heilen.

Denn Verletzungspech scheint in Dortmund keinen Platz zu haben.

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