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Stale Solbakken (l.) und der 1. FC Köln verloren in dieser Saison schon zwölf Partien © imago

Vor dem Leverkusen-Duell herrscht große Unruhe beim FC - nicht nur wegen der Verletzten. Aber auch die Werkself hadert.

Von Christoph Lother und Jakob Gajdzik

München - Der Karneval ist vorbei, doch Ruhe kehrt beim 1. FC Köln so schnell wohl keine ein.

"Diese Derbys sind immer eine besondere Motivation. Das ist ein Spiel, das alle elektrisiert", bringt Ex-Coach und LIGA total!-Experte Ewald Lienen die Stimmung vor dem rheinischen Duell gegen Bayer Leverkusen (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) bei SPORT1 auf den Punkt.

In der Tat verspricht das Aufeinandertreffen des Tabellen-14. aus Köln mit der acht Ränge besser postierten Werkself erneut viel Brisanz.

Die Zuversicht im FC-Lager hält sich allerdings in Grenzen. "Die drei Punkte würden Köln richtig gut tun", sagt Lienen.

Köln im Abstiegskampf angekommen

Nach fünf Niederlagen in den letzten sechs Spielen liegen die "Geißböcke" nur noch sechs Zähler vor den Abstiegsrängen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Wenig verwunderlich, dass in der Domstadt auf das ersehnte Comeback von FC-Idol Lukas Podolski gehofft wird. "Vielleicht reicht es für 10 bis 15 Minuten", sagte "Prinz Poldi" nach seinem ersten Mannschaftstraining seit dem Teilanriss des Haltebandes im Sprunggelenk vor vier Wochen.

Der Stürmer dämpfte allerdings auch die Erwartungen: "Man muss nun die Reaktion abwarten. Wir wollen kein Risiko eingehen, weil es schon eine etwas schwerere Verletzung war."

Hoffen auf Podolski

Trotz aller Querelen um Podolskis Kritik an den Klubverhältnissen und des quälenden Pokers um die Zukunft des Nationalspielers sehnt vor allem Trainer Stale Solbakken die Rückkehr des Top-Torjägers (15 Saisontore) händeringend herbei.

"Lukas hat gut trainiert. Es ist schwierig zu sagen, ob es für Samstag reicht. Wir können nur hoffen", meint der Norweger, der nach dem Tabellen-Absturz auch wieder um seinen Job bangen muss.

Indirekt macht Solbakken, der als erster FC-Coach beide Derbys mit Bayer in einer Saison gewinnen kann, aus der Abhängigkeit seiner Mannschaft von Podolski auch gar kein Hehl: "Wir haben Probleme im Angriff und zu wenig Torchancen."

Breckos Alkoholfahrt-Unfall

Nicht nur die sportliche Negativserie und der "Poldi"-Wirbel machen dem Trainer zu schaffen. Für große Unruhe sorgte auch Miso Brecko mit einem Autounfall unter Alkoholeinfluss

"Solche Spieler würde ich 'wegschießen'", kritisierte Lienen vergangenes Wochenende harsch: "Die haben nichts beim 1. FC Köln zu suchen - und auch nicht in der Bundesliga." (NEWS: Lienen kritisiert FC-Profis)

Für die Leverkusen-Partie nimmt der frühere FC-Coach die Profis in die Pflicht: "Viele Spieler haben einiges gutzumachen. Das wird spannend."

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Großes Verletzungspech

Brecko und Slawomir Peszko fehlen allerdings gelbgesperrt, Kevin Pezzoni (Nasenbeinbruch) und Henrique Sereno (Adduktorenprobleme) erweitern das Abwehr-Lazarett.

Zu allem Überfluss fehlt auch noch Kapitän Pedro Geromel. Der brasilianische Innenverteidiger musste das Abschlusstraining wegen seiner Wadenprobleme abbrechen. Als Alternative könnte Solbakken Sascha Riether oder Martin Lanig in die Innenverteidigung ziehen.

Trotzdem gibt sich der Trainer kämpferisch: "In einem Derby kann alles passieren. Wir können eine gute Leistung bringen und ein gutes Ergebnis erzielen."

"Jeder weiß, worum es geht"

Ganz anders hört sich Klub-Boss Claus Horstmann im "Express" an: "Die Verletzten-Situation ist eskaliert. Keiner kann erwarten, dass wir Leverkusen schlagen."

Um gegen Bayer ein ähnliches Ergebnis zu erzielen wie im Hinspiel, das der FC überraschend deutlich mit 4:1 gewann, bedarf es auf Seiten der Kölner wohl wirklich einer außergewöhnlich guten Leistung.

Zumal auch für Bayer einiges auf dem Spiel steht.

Unruhe auch in Leverkusen

Hinsichtlich der ausufernden Diskussion um Michael Ballack und der immer häufigeren Schmähgesänge der eigenen Fans kann und will sich die Werkself keinen weiteren Ausrutscher erlauben.

"Wenn wir es schaffen, an unsere gute Leistung aus dem Augsburg-Spiel anzuknüpfen und die ersten Fans zurückzuholen, entsteht vielleicht ein Schneeball-Effekt", beschreibt Trainer Robin Dutt die Bedeutung des Duells auch für die interne Atmosphäre.

"Dieses Derby ist auch emotional wichtig", stellt er klar.

Dutt backt kleine Brötchen

Immerhin bekam der Coach jüngst erst wieder Rückendeckung von Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser und Sportdirektor Rudi Völler.

Anders als noch als vor dem Hinrunden-Heimpleite, als sich Dutt noch selbst als "richtiger Derby-Trainer" bezeichnete, will der gebürtige Kölner dennoch keine großen Töne spucken: "Ich bin lernfähig."

Nach zwei Derby-Niederlagen in Serie weiß der Coach um die Erwartungen an seine Mannschaft: "Wir haben einiges gutzumachen."

Castro warnt

Was den anvisierten Europapokal-Platz betrifft, liegt Bayer zwar auf Kurs, der Vorsprung auf den Tabellensiebten aus Hannover beträgt aber gerade mal drei Tore.

Und Mittfeldspieler Gonzalo Castro ergänzt im "kicker": "Wir müssen jetzt sehen, dass schleunigst Ruhe in den Laden kommt."

Ruhe, danach scheinen sie sich am Rhein alle zu sehnen.

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