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Mats Hummels hat beim BVB noch einen Vertrag bis zum 30. Juni 2014 © getty

Vor dem Hit gegen Hannover spricht Mats Hummels im SPORT1-Interview über das enge Titelrennen und sein ominöses Fieber.

Von Barnabas Szoecs

München - Ihren eigenen Meisterrekord haben die Dortmunder längst geknackt.

Vergangene Saison blieb das Team von Jürgen Klopp 15 Mal in Folge (vom 2. bis 16. Spieltag) ohne Niederlage und legte damit den Grundstein für den Gewinn des Titels

Aktuell sind die Borussen sogar seit 16 Spielen ungeschlagen, ein gutes Omen, sollte man meinen.

Mit Hannover 96, selbst seit neun Liga-Spielen unbesiegt, kommt die Mannschaft nach Dortmund (So., ab 17.15 Uhr im LIVE-TICKER), die dem BVB in der Hinrunde die letzte Niederlage beigebracht hatte.

(Bayern - Schalke und BVB - Hannover: Der Super-Sonntag bei "Doppelpack - Fußball-Analyse Live", So., ab 16 Uhr im TV auf SPORT1)

Trotz der starken eigenen Serie bleibt Dortmund deshalb bescheiden. Mats Hummels spricht im Interview mit SPORT1. über dreckige Arbeitssiege, die Konkurrenten im Titelrennen und sein ominöses Fieber.

SPORT1: Herr Hummels, können Sie sich an die letzte Liga-Niederlage des BVB erinnern?

Mats Hummels: Natürlich kann ich, das war gegen Hannover 96. Ich habe erst neulich darüber gelesen, wäre aber auch so darauf gekommen.

SPORT1: Was hat sich seit dem Spiel in Hannover bei Dortmund verändert? Immerhin ist der BVB seit 16 Spielen ungeschlagen.

Hummels: Es hat sich einiges getan. Wir zeigen seitdem ein ganz anderes Gesicht. Natürlich hatten wir auch in einigen Spielen das Quäntchen Glück, um nicht als Verlierer vom Platz zu gehen. Aber seit der Partie gegen Hannover sind wir wieder voll in der Spur, wir tun jedem Gegner wirklich weh und sind sehr schwer zu bespielen.

SPORT1: Zudem scheinen Sie nicht nur Gala-Fußball zu beherrschen, sondern fahren auch "dreckige" Arbeitssiege ein.

Hummels: Das gehört eben dazu! Nicht einmal das "Weiße Ballett" von Real Madrid gewinnt alle Partien durch Zauberei. Fußball besteht aus so vielen Komponenten. Am liebsten würden wir all unsere Spiele mit Zuckerfußball 5:0 gewinnen, doch das geht einfach nicht.

SPORT1: Kommen wir zum Titelrennen. Wer ist Dortmunds größter Konkurrent um die Meisterschaft? Die strauchelnden Bayern oder Gladbach, das einen ähnlich schnellen und explosiven Fußball spielt wie Ihre Mannschaft?

Hummels: Ich sehe genau diese drei Teams im Titelrennen ganz vorne. Schalke könnte vielleicht nochmal dazu stoßen, da ich aber die Bayern im direkten Duell favorisiere, wird es für Schalke sehr schwer werden. Gladbach, Bayern und wir werden wohl die ersten drei Ränge zum Saisonende belegen.

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SPORT1: Was sagen Sie zu den schwächelnden Bayern?

Hummels: Das ist nicht mein Thema. Aber ich verfolge natürlich ihre Spiele und merke, dass es an der einen oder anderen Stelle hakt.

SPORT1: Würde eine Niederlage der Bayern gegen Schalke dem BVB einen zusätzlichen Schub geben?

Hummels: Gar nicht, dann wären nämlich die Schalker wieder ganz nah dran. Aber es ist schon angenehm, dass sich zwei Verfolger voraussichtlich die Punkte wegnehmen. Aber das Entscheidende ist, dass wir gegen 96 gewinnen.

SPORT1: Hans-Joachim Watzke nennt Dortmunds Tabellenführung eine "Momentaufnahme", hält Bayern für den großen Titel-Favoriten. Muss der BVB als Meister und Tabellenführer noch solch ein Understatement an den Tag legen?

Hummels: Wir müssen nicht, aber wir sind einfach bescheiden. Serien können ganz schnell zu Ende gehen, das wissen wir ganz genau. Wir würden keinen Punkt und kein Tor dazubekommen, wenn wir den Mund aufreißen würden - es gibt dafür keinen Grund.

SPORT1: Haben Sie denn nie Lust, die Brust zu schwellen und zu tönen, dass der BVB die größte Mannschaft Deutschlands ist?

Hummels: (lacht) Wir sind ja nicht die Größten. Wenn wir sechs Mal hintereinander Meister werden, dann können wir das machen. Es ist noch einiges zu tun.

SPORT1: Thematisiert Jürgen Klopp solch eine lange Siegesserie, ermahnt er das Team sogar?

Hummels: Das machen wir sowieso, das macht aber auch unser Trainer. So war es nach den ersten drei Spielen, so ist es auch nach 16 ungeschlagenen Partien. Der Umgang hat sich kein bisschen geändert.

SPORT1: Viele Verträge wie etwa die von Watzke, Klopp, Zorc wurden schon bis 2016 verlängert. Gibt das Sicherheit?

Hummels: Das ist ein super Zeichen für alle, damit haben wir Ruhe. Es ist gut, dass sich die Verantwortlichen gegenseitig vertrauen und der Verein frühzeitig für Klarheit sorgt.

SPORT1: Sie haben sich gegen Hertha BSC zwei "dicke Dinger" geleistet. War dies ein wenig ihrer Erkältung geschuldet?

Hummels: Wenn ich vor dem Spiel sage, dass ich spielen kann, dann bin ich ganz alleine für meine Aktionen verantwortlich. Als ich während des Spiels gemerkt habe, dass es bei mir nicht geht, habe ich dem Trainer signalisiert, dass ich raus muss.

SPORT1: Schleicht sich ab und an der Schlendrian ein, wenn es so gut läuft wie beim BVB?

Hummels: Diese Gefahr droht immer. Meine Fehler waren zwar nicht dem Schlendrian geschuldet, aber es ist auf jeden Fall eine Kopfsache.

SPORT1: Werden Sie gegen Hannover 96 auflaufen können?

Hummels: Davon gehe ich aus. Ich hatte letzte Woche einen kleinen Durchhänger, aber jetzt geht es mir wieder gut, habe mich komplett erholt und bin fit.

SPORT1: Das ominöse Fieber hat es also nie gegeben?

Hummels: Nein, das war nur ein Gag des Trainers, der ernster genommen wurde als er gemeint war. Wenn man ihn besser kennt, fällt die Unterscheidung wesentlich leichter.

SPORT1: Wie schafft es der BVB, immer wieder Verletzungsrückschläge zu kompensieren? Ist das eine Frage des Systems?

Hummels: Einerseits ist es eine Systemfrage, weil all unsere Spieler diese verinnerlicht haben. Andererseits haben wir eine unglaubliche Qualität auf der Ersatzbank. Es ist schon heftig, welche guten Jungs wir haben, wenn Spieler wie Kagawa oder Götze oder Piszczek ausfallen. So können wir das Niveau über die gesamte Spielzeit halten.

SPORT1: Beschäftigt der BVB eigentlich Wunderheiler oder Schamanen? Verletzte Spieler kehrten zuletzt früher auf den Platz zurück als ursprünglich erwartet?

Hummels: (lacht) Sicherlich hat Sven Bender mit seiner Rückkehr nach fünf Tagen einen Maßstab gesetzt, obwohl zwei Wochen angesetzt waren. Aber unsere Verletzten haben einfach eine gute Einstellung. Schamanen sind mir beim BVB noch nicht begegnet.

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