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Krisengesichter: Die Bayern um Mario Gomez (l.) nach der Pleite in Basel © imago

Nach Basel und vor S04 kracht's: Badstuber und Müller streiten, Heynckes nordet Ribery ein, Robben fühlt sich verfolgt.

Von Christian Paschwitzund Martin Volkmar

München - Es kracht an allen Ecken und Enden - und beim Topduell mit dem FC Schalke 04 (So., 15 Uhr im LIVE-TICKER) droht der nächste Tiefschlag.

(Bayern vs. Schalke bei "Doppelpack - Fußball-Analyse Live": So., ab 16 Uhr im TV auf SPORT1)

Nach dem 0:1-Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League beim FC Basel (Nachbericht) liegen beim FC Bayern die Nerven blank.

Die Stars gehen aufeinander los: Nach SPORT1-Informationen kam es beim Kabinen-Streit in Basel zwischen Thomas Müller und Holger Badstuber zum Wortgefecht. (522163DIASHOW: Die Einzelkritik)

Coach Jupp Heynckes knöpfte sich Franck Ribery vor nach dessen verweigertem Handschlag. Und Arjen Robben wiederum fühlt sich von der deutschen Presse verfolgt. (DATENCENTER: Champions League)

Wenig Zeichen für Wende

Dass Alarmstufe Rot herrscht, hat vor allem aber sportliche Gründe: Neben dem drohenden Aus in der Königsklasse werden die Bayern auch national dem eigenen Anspruch nicht gerecht.

Im Titelrennen liegt der Rekordmeister nach 22 Spieltagen als Tabellendritter vier Punkte hinter Spitzenreiter Dortmund.

Nun gegen Schalke

Und jetzt rückt auch noch Verfolger Schalke an. Die jüngsten Liga-Duelle entschieden die Münchner für sich (4:1 und auswärts 2:0). Zuvor allerdings setzte es daheim im DFB-Pokal ein 0:1 sowie eine 0:2-Pleite. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Gegen Schalke müssen wir Punkte machen", fordert Klubboss Karl-Heinz Rummenigge - wie auch Kapitän Philipp Lahm: ("Wir werden bis zum Wochenende noch viele Gespräche führen") und Manuel Neuer im Duell mit seinem Ex-Klub: "Fußball stelle ich mir anders vor."

Immerhin ein gutes Omen ist womöglich, dass es in der heimischen Arena gegen Königsblau geht - während in den vergangen 13 Auswärtsspielen nur vier Siege gelangen.

Platz vier droht

Bei einer Niederlage gegen S04 rutschten die Münchner indes weiter ab, wären dann nur noch Vierter, was vor allem Christian Nerlinger besorgt.

[kaltura id="0_yw9i7sxv" class="full_size" title="Bayern Ratlos sprachlos hilflos"]

Schon nach der Nullnummer in Freiburg hatte der Sportdirektor gepoltert: "Es wirkt so, als ob einige nicht kapiert haben, um was es geht."

Und weiter: "Wir stehen in der Liga gewaltig unter Druck: Es ist sehr besorgniserregend. Es schrillen die Alarmglocken bei uns."

Königsklasse in Gefahr

Neben der Meisterschaft könnte auch die direkte Champions-League-Qualifikation verpasst werden.

Und wenn es um die Königsklasse geht, verstehen die Münchner keinen Spaß, wie Nerlinger nicht erst jetzt andeutet: "Wenn du vier, fünf Wochen vor Saisonende auf Platz vier stehst, ist das für den FC Bayern wie Abstiegskampf pur", sagte der 38-Jährige nach der Entlassung von Ex-Coach Louis van Gaal in der "Süddeutschen Zeitung".

Zwar reicht Platz vier in dieser Saison zumindest für das Erreichen der Champions-League-Qualifikation - der Münchner Anspruch ist das aber natürlich nicht.

Lattek schließt nichts aus

Dass nun auch Heynckes wackelt, ist voerst nicht zu befürchten. (EINWURF: Der ratlose Herr Heynckes)

Auch wenn das Schweizer Boulevardblatt "Blick" mutmaßt, dass die Bayern jetzt "die Jagd auf (Gladbach-Trainer Lucien) Favre eröffnet" hätten

Und SPORT1-Experte Udo Lattek zudem erklärt: "Uli Hoeneß hat ihn schon mal entlassen. Nächstenliebe und Freundschaft gibt es im Fußball nicht."

Zu stark ist gegenwärtig aber das Band zwischen Heynckes und dem Bayern-Präsidenten, mit dem er eng befreundet ist und der noch heute von seinem "größten Fehler" spricht, den Rheinländer bei dessen erstem Trainer-Engagement an der Isar (1991) entlassen zu haben.

Druck auf Heynckes wächst

Der Druck auf Heynckes nimmt dennoch zu, was er auch selbst weiß: "Der Funke muss wieder überspringen, dass ein Rädchen wieder ins andere greift. Uns fehlt das Selbstverständnis, die Ruhe, manchmal die taktische Disziplin."

Auch Ottmar Hitzfeld nimmt den 66-Jährigen in die Pflicht: "Heynckes muss jetzt auch ein guter Psychologe sein, es wird viel Kritik auf die Mannschaft einprasseln", sagte der Ex-Coach bei "Sky"

Und ergänzte: "Aber intern, in den eigenen vier Wänden, muss man Klartext sprechen."

Ribery eingenordet

Mit Franck Ribery ist das bereits geschehen.

Auf den verweigerten Handschlag des Franzosen folgte die Standpauke: "Ich habe das Recht, ihn auszuwechseln. Ich habe schon die richtigen Worte gefunden", so Heynckes in der "Bild".

Ribery wiederum spielte die Angelegenheit herunter: "Ich habe kein Problem mit dem Trainer. Dass ich ihm nicht die Hand gegeben habe, heißt nicht, dass ich böse bin."

Badstuber und Müller zoffen sich

Böses Blut dagegen gab es nach dem Abpfiff in Basel in der Bayern-Kabine - nach SPORT1-Informationen zwischen Holger Badstuber und Thomas Müller, die sich anbrüllten und gegenseitig die Schuld am Gegentreffer gaben.

"Es gab eine Meinungsverschiedenheit zwischen zwei Spielern", bestätigte Heynckes: "Das ist aber vollkommen in Ordnung."

Laut "Welt" war an dem lautstarken Disput auch Jerome Boateng beteiligt.

Robben fühlt sich als Medien-Opfer

Lieber gar nicht mehr reden, jedenfalls nicht mit deutschen Journalisten, will derweil Robben. Der unter seinen Möglichkeiten spielende Star gibt den Medien hierzulande die Mitschuld an seiner Situation.

"Da sind einige Zeitungen, die alle zwei Monate beschäftigt sind, einen kleinen Krieg gegen mich zu führen. Das ist etwas Persönliches", erklärte Robben gegenüber dem niederländischen TV-Sender "Sport1".

Mario Gomez dagegen will von persönlichen Belangen nichts wissen, sieht mit Sorge vielmehr das große Ganze: "Wenn wir jetzt keine Krise haben, wann dann?"

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