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Tony Jantschke (l.) spielt seit 2008 für die Profis von Borussia Mönchengladbach © getty

Im SPORT1-Interview spricht Gladbachs Tony Jantschke über Trainer Lucien Favre, Dante und den ausbleibenden Einbruch der Borussia.

Von Reinhard Franke

München - Jung, dynamisch und selbstbewusst.

Tony Jantschke ist einer von Mönchengladbachs Sternen, die in dieser Saison aufgegangen sind.

22 Spiele absolvierte der Rechtsverteidiger, Trainer Lucien Favre baut auf ihn und der Youngster zahlt es mit Leistung zurück.

Jantschke ist in der Viererkette der "Fohlen" gesetzt. Und natürlich will das Gladbacher Eigengewächs auch im Spiel gegen den Hamburger SV (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) mithelfen, dass sich der sensationelle Lauf der Borussen fortsetzt (SERVICE: Der SPORT1-Tabellenrechner).

Mit SPORT1 spricht Jantschke über das Geheimnis von Trainer Lucien Favre, Dante und verrät, warum Borussia keinen Einbruch erleidet.

SPORT1: Herr Jantschke, vervollständigen Sie bitte folgenden Satz: "Borussia Mönchengladbach kann Meister werden, weil?"

Tony Jantschke: (lacht laut) Damit kann man mich nicht locken. Ich werde das Wort Meister nie in den Mund nehmen, wenn es um Prognosen geht. Deshalb kann man den Satz streichen.

SPORT1: Aber Sie wissen schon, dass Borussia ein relativ leichtes Restprogramm hat, während Borussia Dortmund noch gegen die Bayern spielt.

Jantschke: Leichteste Restprogramm ist relativ. Es konnte auch keiner damit rechnen, dass Freiburg einen Punkt gegen Bayern holt. Es ist immer so eine Sache. Man sieht, dass uns die Topteams alle gut gelegen haben, also kann man es auch umdrehen und sagen, dass wir das schwerste Restprogramm haben.

SPORT1: Viele Skeptiker warten auf einen Einbruch der Borussia. Doch der kommt nicht.

Jantschke: Wir haben ein stabiles Fundament. Selbst, wenn wir mal nicht so gute Tage haben, wie in der Hinrunde in Hoffenheim, dann werden wir nicht abgeschossen, sondern verlieren wir nur 0:1. Wir sind immer noch da und schlagen zurück.

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SPORT1: Wie störend sind in der ganzen Euphorie die Spekulationen um Abwehrchef Dante, der sich offenbar schon mit Bayern München geeinigt haben soll?

Jantschke: Das ist schon nervig, aber ich wüsste nicht, warum ich mich damit beschäftigen sollte, was ein Kollege ab dem Sommer machen wird. Das ist die persönliche Sache von jedem Einzelnen. Wir wissen, dass wir bis zum Sommer alle zusammen bleiben und bis dahin unsere bestmögliche Leistung zeigen werden.

SPORT1: Sie wollen doch sicher, dass er bleibt.

Jantschke: Bei so einer intakten Mannschaft ist es doch logisch, dass ich mir wünsche, dass alle 25 so zusammenbleiben. Aber das ist leider nicht möglich im Fußball. Deshalb werde ich jetzt keinen Appell an Dante raushauen. Er muss das entscheiden.

SPORT1: Wie sehen Sie Ihre Entwicklung, Herr Jantschke?

Jantschke: Ich bin mit der Mannschaft gewachsen. Ich habe immer an mich geglaubt und wusste, was ich kann. Jetzt werde ich dafür belohnt, obwohl ich noch Defizite habe, an denen ich arbeiten muss. Aber ich bin auf einem sehr ordentlichen Weg.

SPORT1: Welche Defizite meinen Sie?

Jantschke: Das sieht ja jeder. Ich muss mich im Spiel nach vorne verbessern, aber ich denke, dass unser Spiel nicht so ausgelegt ist, das die Außenverteidiger ständig nach vorne marschieren müssen. Aber ganz klar, ich muss noch mehr Zug zum Tor entwickeln. Ich arbeite daran.

SPORT1: Borussia spielte vor einem dreiviertel Jahr gegen den Abstieg. Wann hat die Mannschaft gemerkt, dass die Erfolgssaison kein Zufall ist?

Jantschke: Die Relegation und der Auftaktsieg in München waren verdammt wichtig für die Truppe. Das schweißt zusammen und da haben wir uns alle angeschaut und gemerkt, dass wir wirklich jeden schlagen können. Jeder packt mit an und ein Rädchen greift ins andere. Es hat von Anfang an Spaß gemacht. Dass aber so etwas wie jetzt rauskommt, ist einfach nur geil. Manchmal kommen wir nach dem Spiel in die Kabine und wir wissen, dass wir etwas Großartiges geleistet haben und das hätte wirklich niemand erwartet. Es ist einfach nur schön und wir genießen es sehr.

SPORT1: Bei allem Understatement ist Ihnen schon bewusst, dass Sie das ganz große Ding schaffen können, oder?

Jantschke: Natürlich. Jeder bei uns kann die Tabelle lesen. Die Schale wäre ein Traum für den ganzen Verein. Wir müssen aber nicht immer davon reden. Das ist wirklich so. Die Philosophie von Spiel zu Spiel haben wir verinnerlicht und die funktioniert super.

SPORT1: Die Philosophie von Trainer Lucien Favre ist hervorragend aufgegangen. Beschreiben Sie diese doch mal näher.

Jantschke: Das Beste ist seine Detailarbeit, wie er jeden Spieler ein bisschen besser machen will. Ein Satz von Favre ist uns im Gedächtnis geblieben.

SPORT1: Nämlich welcher?

Jantschke: Er sagte, dass er nicht die elf besten Spieler aufstellen muss, sondern die elf, die am besten zusammenpassen. Das beschreibt unseren Erfolg zu 100 Prozent.

SPORT1: Favre wird immer öfter als Nachfolger von Jupp Heynckes genannt. Haben Sie Angst, dass er Borussia schon nach dieser Saison verlässt?

Jantschke: Ich würde mich natürlich freuen, wenn der Trainer bleibt, weil er perfekt zu Borussia passt - als Mensch und als Trainer. Er hat mich reingebracht und wir haben einen sehr erfolgreichen Weg. Das muss er entscheiden. Ich hoffe, dass er auch über 2013 bleibt.

SPORT1: Ihr Vertrag läuft bis 2014. Tragen Sie die Raute im Herzen oder wären Sie wie Ihr Kollege Roman Neustädter bei einem guten Angebot auch weg?

Jantschke: Bei einem Riesenangebot kommt jeder Fußballer ins Grübeln, aber ich bin gerade bei Borussia am besten aufgehoben. Ich fühle mich wohl, kenne fast alle im Verein. Borussia ist meine zweite Heimat und ich möchte so lange wie möglich bleiben.

SPORT1: Was ist gegen den HSV drin?

Jantschke: Die haben eine gute Mannschaft mit viel Offensivpotenzial. Natürlich wollen wir gewinnen. Wenn 54.000 Fans ins Stadion kommen, dann willst Du das Spiel immer positiv gestalten.

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