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Zuletzt erzielte Bayern in zwei Partien kein Tor - Trainer Jupp Heynckes will das ändern © getty

Der FC Bayern steckt unter Jupp Heynckes in einer Krise. Der Coach wünscht sich "Teamwork" und ist selbstkritisch.

Vom FC Bayern berichtet Reinhard Franke

München - Jupp Heynckes hatte sich schick gemacht.

Weißes Hemd und dunkler Anzug. Gar nicht wie sonst sportlich kariert. Man hätte denken können, Heynckes sei zu einer Feier eingeladen.

Doch zum Feiern war dem Bayern-Coach am Freitag auf der Pressekonferenz gewiss nicht zumute. Warum auch?

Beim FC Bayern brodelt es vor dem Heimspiel am Sonntag gegen den FC Schalke 04 (So., 15 Uhr im LIVE-TICKER) an allen Ecken und Enden (AKTUELL: Alarmstufe Rot bei Bayern).

Heynckes zeigt sich selbstkritisch

In der Liga steht der FC Bayern nur noch auf Platz drei mit vier Punkten hinter Tabellenführer Borussia Dortmund (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle) und in der Champions League gab es in der Woche eine schmerzliche 0:1-Niederlage beim FC Basel (ANALYSE: Gründe für Bayerns Krise).

Es ist Feuer unterm Dach. Und Heynckes hatte offenbar Redebedarf.

Er zeigte sich nach den jüngsten Misserfolgen und der aufkommenden Diskussion um seine Person selbstkritisch: "Ich denke, dass wir eine Situation im Klub haben, wo wir Redebedarf haben. Ich möchte ein paar Gedanken loswerden."

(Bayern vs. Schalke bei "Doppelpack - Fußball-Analyse Live": So., ab 16 Uhr im TV auf SPORT1)

Er atmete tief durch und fuhr fort: "Wir sind in die Winterpause mit sehr viel Optimismus gegangen, vielleicht auch ein bisschen sorglos. Wir sind nicht mehr so homogen und spielen nicht mehr so selbstverständlich Fußball, wie wir das noch im Oktober gemacht haben."

"Müssen uns Kritik gefallen lassen"

Die aufkommende Kritik der letzten Tagen wollte Heynckes gar nicht abtun. Im Gegenteil.

"Wir müssen uns die Kritik gefallen lassen und in erster Linie der Verantwortliche. Und das bin ich natürlich." Heynckes wirkte nachdenklich.

"Wir haben nicht mehr die Ruhe in unserem Spiel und das ist sehr bitter. Wir müssen als Mannschaft anders Fußball spielen."

Mischung aus kreativem Fußball und Maloche

Eine gesunde Mischung aus kreativem Fußball und Maloche müsse her, forderte Heynckes.

Dabei dachte er wohl schon an den Gegner von Sonnstag: Schalke steht für Maloche.

Besonders mangelnde Kommunikation auf dem Platz macht Bayerns Cheftrainer als Münchner Problem aus.

"Ich fordere die Kommunikation untereinander. Die Mannschaft muss auf dem Spielfeld viel mehr miteinander reden. Wir müssen so agieren, dass wir als Team herausragen und über den Teamgeist zum Erfolg finden", sagte Heynckes.

Heynckes sieht Job nicht gefährdet

Für den 66-Jährigen stellt sich die Situation "prekär" dar. Seine Position sieht Heynckes aber nicht als gefährdet an:

"Darüber mache ich mir gar keine Gedanken", sagte er.

"Die Kritik an meiner Person ist auch berechtigt. Ich bin mit meiner Mannschaft sehr beschäftigt, bin für das ganze verantwortlich. Andere sollen beurteilen, ob ich Fehler mache. Wir versuchen die Wende herbeizuführen. Ich bin ein optimistischer Mensch." (EINWURF: Der ratlose Herr Heynckes)

Dann ergänzte er noch mit einem schelmischen Grinsen: "Ich schlafe gut."

[kaltura id="0_xwkxfbyd" class="full_size" title="Heynckes Wir waren zu sorglos "]

"Kaiser" hat keine Zweifel an Heynckes

Unterstützung bekommt Heynckes von Franz Beckenbauer. Für ihn steht der Trainer nicht zur Debatte.

"Die sportliche Verantwortung trägt Jupp Heynckes, aber an ihm gibt es keine Zweifel", sagte Beckenbauer der "Bild".

Beckenbauer sprach Klartext: "Den Spielern muss jetzt eingehämmert werden: Wollt ihr international zweitklassig werden, oder weiter bei den Großen dabei sein?" (DATENCENTER: Champions League)

Beckenbauer fordert Zusammenhalt

Von den Führungsfiguren des Vereins forderte der "Kaiser" Zusammenhalt ein.

Präsident Uli Hoeneß, Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Sportdirektor Christian Nerlinger müssten noch enger zusammenrücken, eine Wand bilden gegenüber der Mannschaft und den Spielern den Ernst der Lage klar machen.

Gleichzeitig nahm der Ehrenpräsident der Bayern die arrivierten Kräfte der Mannschaft in die Pflicht: "Führungsspieler müssen sich auch auf dem Platz zeigen. Ein Kahn hat dazwischengehauen, Mitspieler zusammengestaucht und angetrieben."

Zauberwort heißt "Teamwork"

Heynckes spricht vom "Teamwork", das über allem stehen muss.

Persönliche Interessen müsse man hinten anstellen. "Nur gemeinsam geht es in eine Richtung", betonte Heynckes.

"Wir müssen als Team herausragen, nur dann können unsere individuellen Stärken wieder greifen. Wir müssen mehr miteinander kommunizieren."

Demzufolge ordnete er den Kabinenknatsch zwischen Thomas Müller und Holger Badstuber ein. Die beiden Nationalspieler hatten sich nach dem Basel-Spiel in der Kabine lautstark Vorhaltungen wegen des Gegentreffers gemacht.

"Gesunde Streitkultur" ist ganz wichtig

"Eine gesunde Streitkultur ist ganz wichtig für eine Mannschaft. Das zeigt doch nur, dass die Mannschaft lebt. Die Mannschaft muss sich geschlossen präsentieren."

Auch die Reaktion von Franck Ribery, der Heynckes nach seiner Auswechslung den Handschlag verweigerte, kommentierte Heynckes tiefenentspannt:

"Franck hat mir doch nicht den Handschlag verweigert. Er ist nur grußlos an mir vorbeigegangen. Dem messe ich nicht so viel bei."

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