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Misslungener Einstand nach 4165 Tagen Bundesliga-Abstinenz für Otto Rehhagel © getty

Das Comeback des Trainer-Altmeisters misslingt völlig. Augsburg schießt lethargische Berliner ab, die auf Platz 16 abrutschen.

Aus Augsburg berichtet Thorsten Mesch

Augsburg - Auch Otto Rehhagel hat die Pleitenserie von Hertha BSC nicht stoppen und den freien Fall der Berliner nicht abbremsen können.

Beim Comeback des bis zum Saisonende verpflichteten Trainer-Altmeisters kassierten die Hauptstädter beim ebenfalls abstiegsbedrohten FC Augsburg mit 0:3 (0:0) die sechste Niederlage in Folge und rutschten auf den Relegationsrang ab.

Augsburg feierte nach sechs Spielen ohne Sieg wieder einen dreifachen Punktgewinn und kletterte vor die Hertha auf Platz 15 (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Torsten Oehrl (61. und 63.) erzielte die ersten beiden Treffer für die Schwaben, in der Nachspielzeit traf der eingewechselte Marcel Ndjeng zum Endstand.

"Der erste Sieg in der Rückrunde war gut - damit ist dieses Thema auch abgehakt. Bei uns liegt die Kraft in der Ruhe und die Mannschaft hat über 90 Minuten leidenschaftlich gekämpft", erklärte FCA-Coach Jos Luhukay.

Comeback nach 4165 Tagen

"König Otto" musste die Niederlage dagegen anerkennen: "Augsburg hat gefightet wie die Löwen, und wir haben versucht, zumeist die Dinge spielerisch zu lösen. In der zweiten Halbzeit hat uns Augsburg den Schneid abgekauft, danach ging's nicht mehr. Es müssen jetzt alle begreifen, dass wir im Abstiegskampf sind."

Im Duell der beiden Aufsteiger feierte Rehhagel 4165 Tage nach seinem bislang letzten Einsatz für den 1. FC Kaiserslautern seine Rückkehr auf die Trainerbank einer Bundesligamannschaft 522863(DIASHOW: Der 23. Spieltag).

Der 73 Jährige, vor der Partie von Fotografen umlagert, musste in seinem 821. Einsatz als Bundesligacoach auf Christian Lell, Andreas Ottl und Fabian Lustenberger verzichten.

FCA-Coach Jos Luhukay hatte vergebens auf die Genesung von Tobias Werner, der sich vor zwei Wochen gegen Nürnberg einen Mittelhandbruch zugezogen hatte, gehofft. Auch Dawda Bah, Jan Moravek, Marcel de Jong und der ehemalige Berliner Nando Rafael waren nicht einsatzbereit.

Großchance durch Raffael

In der Anfangsphase waren Rehhagels Berliner vor 29.123 Zuschauern die aktivere Mannschaft und hatten in der 10. Minute die erste große Chance durch Raffael:

Der Brasilianer umspielte FCA-Torwart Simon Jentzsch und schob den Ball flach aufs Tor, doch FCA-Kapitän Paul Verhaegh schlug die Kugel gerade noch vor der Linie weg.

Augsburg lauerte lediglich auf Konter. In der 15. Minute spielten die Schwaben nach einer Ecke für die Berliner schnell hinten raus, Axel Bellinghausen setzte zu einem Solo an, doch sein Schuss aus dem Lauf missriet völlig.

Augsburg kommt in Schwung

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Hertha blieb zielstrebiger und kam nach 22. Minuten zum zweiten Mal gefährlich vor das FCA-Tor. Pierre-Michel Lasogga fiel nach einer Grätsche von Sebastian Langkamp im Strafraum, aber der souverän leitende Schiedsrichter Florian Meyer winkte ab.

Augsburg kam jedoch allmählich besser ins Spiel und setzte die Berliner nun auch unter Druck.

Ja-Cheol Koo ließ Levan Kobiashvili mit einem einfachen Haken stehen und schoss aus knapp aus 20 Metern hoch aufs Tor (25.), doch Hertha-Schlussmann Thomas Kraft war auf dem Posten und wehrte ab.

Bastians mit großem Glück

Kurz darauf drang Oehrl in den Strafraum ein, Kobiashvili nahm die Hand zu Hilfe, der Augsburger ging zu Boden, aber auch hier gab es korrekterweise keinen Strafstoß.

Oehrls Schuss nach Vorarbeit von Hosogai (30.) flog knapp am Tor vorbei. Augsburg blieb am Drücker - und zwang Hertha zu Fehlern.

Bastians schlug ein Luftloch, doch der Ball rollte einen Meter links neben dem Tor ins Aus (37.).

Die Berliner hatten die Kontrolle über das Spiel vollständig verloren. Kobiashvili sah die Gelbe Karte (38.), ansonsten passierte bis zur Halbzeit nicht mehr viel.

Niemeyer sieht die fünfte Gelbe

Rehhagel erhob sich von seinem Sitz und schritt in die Kabine.

Seine Mannschaft schwor sich zwar kurz vor dem Wiederanpfiff auf dem Rasen ein, doch besser spielte sie nicht. Im Gegenteil.

Kurz nach der Pause sah Peter Niemeyer ebenfalls Gelb. Er ist damit im Heimspiel gegen Werder Bremen gesperrt.

Augsburg gab weiter Gas - und wurde nach einer Stunde belohnt.

Oehrl schlägt zweimal zu

Oehrl legte den Ball an der linken Strafraumgrenze zu Bellinghausen ab und bekam ihn von Daniel Baier zurück. Aus sieben Metern ließ Oehrl Kraft keine Chance.

Der Jubel in der Augsburger Arena war kaum verhallt, da schlug Oehrl zum zweiten Mal zu.

Aus dem Mittelfeld bekam der FCA-Stürmer die Kugel, ließ zwei Berliner stehen und zog aus 15 Metern von halbrechts ins linke Toreck ab. Sein drittes Saisontor.

Von diesem Doppel-Schock erholten sich die Berliner nicht mehr.

Hertha spielerisch zu schwach

Rehhagel brachte Nikita Rukavytsya für Niemeyer und Alfredo Morales für Patrick Ebert, doch ein Aufbäumen gegen die Niederlage war nicht zu erkennen. Hertha war spielerisch und kämpferisch nicht in der Lage, das Blatt zu wenden.

Augsburg brachte den Vorsprung ohne große Anstrengungen über die Zeit und kam in der Nachspielzeit durch Ndjeng zum 3:0, der einen Konter frei vor Kraft mustergültig ins rechte obere Toreck abschloss.

Während der FCA drei Punkte im Abstiegskampf holte und Selbstvertrauen tankte, droht den verunsicherten Berlinern sogar das Abrutschen auf einen direkten Abstiegsplatz.

Auf Otto Rehhagel wartet noch viel Arbeit.

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