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Philipp Wollscheid (r.) verlässt den Club in Sommer in Ruchtung Leverkusen © getty

Der Überraschungs-Coup in Bremen befreit den Club von Angst. Werder hakt die Königsklasse ab. Wiese trägt eine Mitschuld.

Bremen - Tim Wiese blamiert, die Platzherren ernüchtert, die Gäste euphorisch:

Der 1:0 (0:0)-Sieg des 1. FC Nürnberg bei Werder Bremen (Spielbericht) hatte Weichen stellenden Charakter, weit über das Saisonende im Mai hinaus.

"Wir haben das Abstiegsgespenst aus der Stadt gejagt", frohlockte Mittelfeld-Spieler Hanno Balitsch, ähnlich eindeutig äußerte sich Werder-Kapitän Clemens Fritz: "So haben wir in der Champions League absolut nichts zu suchen." (522863DIASHOW: Der 23. Spieltag)

Woran der Bremer Torhüter Tim Wiese nicht ganz unschuldig war.

Wieses Tipp geht nach hinten los

Mit einem flapsigen Tipp aus einer Karnevalslaune heraus - "Wir gewinnen 5:0" - hatte der Schlussmann vor seinem 250. Bundesligaspiel den Ehrgeiz der Nürnberger zusätzlich angestachelt.

Innenverteidiger Philipp Wollscheid meinte hinterher dazu: "Da strengt man sich noch mehr an."

Die Nürnberger bezahlen den Sieg allerdings mit der Verletzung von Timothy Chandler. Der amerikanische Nationalspieler zog sich eine Gesäßmuskelzerrung zu und fällt voraussichtlich zwei bis drei Wochen aus.

"Jetzt haben wir ein Polster"

Verlässlich in der Defensive, schwer ausrechenbar in der Vorwärtsbewegung - so fügten die Franken den Gastgebern die erste Rückrundenniederlage zu und machten einen Riesenschritt in Richtung Klassenerhalt.

"Jetzt haben wir schon ein gewisses Polster angesammelt", meinte Alexander Esswein, in der 65. Minute Torschütze des Tages, und selbst Dieter Hecking gab sein lange kultiviertes Unterstatement auf.

"Wir haben die Qualität für den Klassenerhalt und steigern uns fußballerisch von Spiel zu Spiel. Das waren drei Punkte, die bei der Konkurrenz Eindruck machen werden", so der Coach. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Champions League ist Geschichte"

Qualitäten hatte vor 40.204 Zuschauern im fast ausverkauften Weserstadion auch der Verlierer, aber sie werden die im Umbruch befindlichen Hanseaten bestenfalls in die Europa League führen.

"Die Champions League ist für uns jetzt Geschichte, aber Platz fünf oder sechs ein realistisches Ziel", sagte Innenverteidiger Sokratis, der in der spielentscheidenden Szene den Ball unglücklich abfälschte.

Mangelnde Konstanz in Bremen

Man wird an der Weser in der kommenden Wochen damit leben müssen, dass die sehr junge Mannschaft größeren Leistungsschwankungen unterworfen ist.

Eine Woche nach dem überzeugend herausgespielten 3:1-Sieg im Nordderby beim Erzrivalen Hamburger SV waren die Ansätze häufig gut, die Abschlüsse hingegen von Nervosität und Übereifer geprägt.

"Der lobenswerte Wille hat manchmal den Kopf ausgeschaltet", analysierte Thomas Schaaf, dadurch, so der Werder-Coach weiter, seien "viele Aktionen zu wenig strukturiert" gewesen.

Allofs gibt sich optimistisch

Klaus Allofs gab sich zuversichtlich, dass die Formkurve rechtzeitig vor dem Gastspiel am kommenden Wochenende bei Hertha BSC Berlin mit dem neuen Trainer Otto Rehhagel wieder nach oben zeigen wird:

"In Berlin wird das alles schon wieder ganz anders aussehen. Grundsätzlich aber sind wir einfach noch nicht so weit, in jedem Spiel eine stabile Leistung abrufen zu können", so der Geschäftsführer.

Personeller Umbruch steht bevor

Doch schon aus finanziellen Gründen muss und will man in der Hansestadt den Weg der personellen Umgestaltung weitergehen.

Die üppig dotierten Verträge von Fritz und Wiese laufen aus, fraglich ist auch, ob Torjäger Claudio Pizarro seinen Kontrakt bis 2013 erfüllt.

Dass alle drei Routiniers gehalten werden können, ist wohl die unwahrscheinlichste aller denkbaren Konstellationen.

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