SPORT1-Experte Thomas Strunz spricht Hertha-Trainer Otto Rehagel die Führungsqualität ab und kritisiert auch taktische Defizite.

Hallo Fußball-Freunde,

die Niederlage von Hertha BSC (Nachbericht und Analyse) hat gezeigt, dass Otto Rehhagel trotz erfolgreicher Historie große Probleme hat, weil er lange nicht mehr in der Bundesliga gearbeitet hat.

Früher hat die Mannschaft viele Sachen allein gemacht, ohne dass der Trainer eingreifen musste.

Heutzutage ist Kommunikation gefragt. Dass sich ein Vertrauensverhältnis aufbaut zwischen Trainer und Mannschaft. Das führt dann auch zu einer Gemeinsamkeit auf dem Platz und nicht zu dieser Verfallserscheinung wie nach dem 0:3.

Rehhagel hat keine Führungsqualität. Als er Bayern München trainiert hat, wurde der FC Hollywood geboren. In der Kabine geht es zu wie auf dem Basar. Ich war von Anfang an kritisch, das hat sich durch die Niederlage nun bestätigt.

Das ist eine Medienverpflichtung gewesen, um Ruhe ins Umfeld zu bekommen und um den Druck von der Mannschaft zu nehmen.

Rehhagel hat auf zwei Spitzen umgestellt und dadurch das Mittelfeld preisgegeben. Deswegen hat Augsburg durch diesen, im Nachhinein taktischen Fehler, das spielerische Übergewicht bekommen.

Schon zu meiner Zeit 1996, alsRehhagel mein Trainer war, haben wir sehr sehr wenig im taktischen Bereich gearbeitet.

Wenn man die Interviews nach dem Spiel hört, dann sind das nur Platitüden. Damit kann eine Mannschaft heutzutage nichts mehr anfangen. Sie braucht klare Vorgaben. Da wird es große Probleme bei Hertha geben.

Ich denke, Rehagel geht ihm um Anerkennung in der Bundesliga, nachdem er Kaiserslautern 2000 verlassen musste. Die endgültige Schluss-Anerkennung zum Abschluss seiner Karriere als Kind der Bundesliga ist ihm bis jetzt verwehrt geblieben.

Als die Anfrage kam, war da auch eine gewisse Eitelkeit vorhanden, um diesen Abschluss zu haben.

Der FC Bayern hat ganz andere Probleme. In kritischen Situationen mangelt es an ausgeprägten Persönlichkeiten, vor denen der Gegner auch Respekt hat.

Auch mit Bastian Schweinsteiger haben sie in der Vorrunde nicht so gut gespielt wie zu Beginn der Hinserie. Fakt ist, dass die Mannschaft überhaupt nicht funktioniert.

Es ist nach außen getragen worden, dass es in der Kabine hoch hergegangen ist. Das werte ich als positives Zeichen. Der ein oder andere sagt: So kann es nicht weiter gehen. Diese Reibereien müssen sich jetzt auf dem Platz entladen.

Individualisten wie Arjen Robben brauchen eine erfolgreiche Mannschaft um zu funktionieren. Er muss sein Spiel dem der Mannschaft anpassen. Und das ist nicht geschehen.

Die Killer-Mentalität geht der Mannschaft aktuell ab. Das nagt auch an den Verantwortlichen, die das auch erkennen.

Bis demnächst,

Euer Thomas Strunz

Ex-Nationalspieler Thomas Strunz wechselt sich in dieser Saison als Experte im Kia Doppelpass und bei der sonntäglichen SPORT1-Kolumne mit Thomas Helmer und Mario Basler ab.

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