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Mittelfeldspieler Franck Ribery hat in 49 Länderspielen 7 Tore für Frankreich erzielt © getty

Beim Sieg gegen Schalke klatscht Ribery demonstrativ mit Heynckes ab. Die Münchner sehen ein Ende der Krise. Lahm sagt dem DFB ab.

Aus der Allianz Arena berichten Thorsten Mesch und Mathias Frohnapfel

München - Es war die Szene, die dem Spiel die entscheidende Richtung gab und zudem noch eine mit Symbolcharakter:

Nach einem Pass von Luiz Gustavo lief Franck Ribery auf das Schalker Tor zu, lupfte den Ball vorbei an Torwart Timo Hildebrand und schob ihn ins Netz. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Sofort rannte Ribery auf Jupp Heynckes zu und klatschte demonstrativ mit seinem Trainer ab. 522863(DIASHOW: Der 23. Spieltag)

Anschließend sprang er an den Zaun und feierte mit seinem Cousin und Freunden aus Frankreich.

Handschlag mit Heynckes

Vier Tage nach der 0:1-Pleite in Basel, als Ribery von Heynckes ausgewechselt worden war und aus Enttäuschung über seine eigene Leistung ohne Handschlag wegmarschiert war, scheint die Beziehung zwischen dem Dribbelkönig und Coach bestens zu sein.

"Nach Basel war die Situation nicht einfach. Wir hatten etwas Stress, doch der Sieg ist sehr wichtig für unser Selbstvertrauen", sagte Ribery nach dem 2:0 (1:0) gegen Schalke 04 zu SPORT1 (Spielbericht).

Mit 48 Punkten kletterten die Bayern vorbei an Borussia Mönchengladbach, liegen vier Zähler hinter Tabellenführer Dortmund und dürfen weiter von der Meisterschaft träumen.

"Es war sehr wichtig, wie wir heute reagiert haben", betonte der Franzose, der in der 55. Minute nach feinem Doppelpass mit Thomas Müller auch das 2:0 erzielt hatte.

Heynckes betont "sehr gutes Verhältnis"

"Franck ist ein 'Wohlfühl-Spieler'. Er braucht eine gute Atmosphäre und Vertrauen", sagte Heynckes zu LIGA total!.

"Er weiß, dass er das von mir sowieso hat. Nur: Er muss auch die Dinge erfüllen, die ich von jedem anderen auch erwarte", erklärte der Coach und betonte: "Wir haben ein sehr gutes Verhältnis!"

Er habe am Samstag "ein sehr gutes Gespräch" mit Ribery gehabt, verriet Heynckes und meinte: "Das war für ihn heute auch befruchtend. Von nichts kommt nichts."

Müller sieht Besserung, Neuer erleichtert

Ribery war der überragende Mann in einer Bayern-Mannschaft, die sich nach dem 0:0 in Freiburg und dem 0:1 in Basel spielerisch und kämpferisch deutlich verbessert gezeigt hatte.

"Die Art und Weise, wie wir gespielt haben, war heute anders als zuletzt", fand Müller.

"Es lief von Anfang an gut, wir haben mehr nach vorne gepresst und viele Bälle erobert. Wir haben ein ordentliches Spiel gemacht, verdient gewonnen und nur zu wenig Tore geschossen", sagte der Nationalspieler.

"Wir haben uns nach so einem Spiel und so einem Ergebnis gesehnt", meinte Manuel Neuer nach dem Erfolg gegen seine ehemaligen Vereinskollegen.

Handschlag kein Thema

Philipp Lahm freute sich über eine "geschlossene Mannschaftleistung mit einem sehr starken Franck Ribery."

Dem Handschlag mit Heynckes wollte der Kapitän keine besondere Bedeutung beimessen. "Ob er heute abklatscht oder nicht - die Mannschaft beschäftigt sich nicht mit solchen Themen", sagte Lahm.

Auf dem Sieg könne man "sicher aufbauen", ergänzte der Linksverteidiger. Das Wort "Krise" nahm Lahm nicht in den Mund.

Ob die Münchner aus ihrem Tief heraus seien, werde man in der nächsten Woche sehen. "Wir haben zuletzt zuhause immer gewonnen, aber auswärts nicht. Das gilt es zu ändern", meinte Lahm.

Lahm fällt gegen Frankreich aus

Ob er am kommenden Wochenende in Leverkusen dabei sein wird, ist allerdings fraglich. Wegen einer Schleimbeutelentzündung im Knie sagte der DFB-Spielführer die Teilnahme am Testspiel der Nationalmannschaft am Mittwoch gegen Frankreich ab.

Ribery, Müller, Manuel Neuer, Mario Gomez, Holger Badstuber, Jerome Boateng und der gegen Schalke nur auf der Ersatzbank sitzende Toni Kroos werden in Bremen dabei sein.

Gomez hadert mit Schuhwerk

Gomez war gegen Schalke mehr schlecht als recht über den Rasen gestolpert und wurde in der 72. Minute durch Ivica Olic ersetzt.

"Heute haben ein gescheites Schuhwerk und die letzte Überzeugung gefehlt", meinte Gomez im Gespräch mit SPORT1. "Ich bin enttäuscht, weil ich unbedingt ein Tor machen wollte, aber ich war vor dem Tor mit meinen Schuhen und meinem Abschluss absolut unzufrieden."

Hildebrand beklagt fehlende Durchschlagskraft

Alles andere als glücklich waren die Schalker.

"Bayern war sehr dominant. Uns hat die Durchschlagskraft gefehlt, genügend Torchancen herauszuarbeiten", sagte Hildebrand. "Nach dem 0:2 haben wir nicht mehr daran geglaubt, das Spiel zu drehen."

Beim 0:1 habe er "nicht damit gerechnet", dass Ribery "da mit dem Bein hingeht. Ich dachte, er will mich vielleicht mit dem Kopf überlupfen. Ich komme eben den Schritt zu spät", gab Hildebrand zu.

Schalkes Torjäger Klaas-Jan Huntelaar und Superstar Raul blieben völlig blass. Beide standen klar im Schatten des kleinen Mannes, der alle überragte: Franck Ribery.

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