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Seltene Einigkeit: Manager Andreas Müller (r.) und Albert Streit © getty

Viel Arbeit für das "neue" Schalke: Der Vertrag von Peter Lövenkrands ist aufgelöst. Auch Ze Roberto wird den Klub verlassen.

Von Thorsten Mesch

München - Für Andreas Müller beginnt das neue Jahr so, wie das alte geendet hatte: mit viel Arbeit.

Einen Interview-Termin zu bekommen, ist dieser Tage schwierig, denn Schalkes Manager hat alle Hände voll zu tun.

Zuletzt hieß es, er verhandle auch mit Andrej Voronin, bis Saisonende vom FC Liverpool an Hertha BSC ausgeliehen.

Kein Interesse an Voronin

Voronins Berater Andrej Golowasch erklärte: "Wir wissen von dem Interesse von Schalke 04 - aber Hertha hat Priorität und bleibt unser erster Ansprechpartner. Es gibt aber auch Angebote anderer Klubs."

Müllers Dementi folgte sogleich: "Ein guter Spieler, aber an dieser Meldung ist definitiv nichts dran. Da versucht nur jemand, ihn mit unserem Namen noch interessanter zu machen."

"Es hat nicht mehr gepasst"

Mehr zu tun hat Müller aber damit, die aussortierten Spieler loszuwerden.

Am Mittwochnachmittag konnte er Vollzug melden. Er verkündete die Vertragsauflösung von Peter Lövenkrands.

Der Däne war im Sommer 2006 ablösefrei von den Glasgow Rangers gekommen war und besaß noch einen Kontrakt bis zum 30. Juni 2009.

"Peter hat sich charakterlich immer einwandfrei verhalten", erklärte Müller.

"Er hat als Stürmer hohe Qualität, leider hat es bei uns im letzten halben Jahr nicht mehr gepasst. Peter hatte in seiner Zeit hier das Pech, dass er in guten Phasen immer wieder durch schwere Verletzungen zurückgeworfen worden ist."

Trennung "im Guten"

Lövenkrands ist der zweite Profi, der Schalke 04 verlassen muss. Erst vor wenigen Tagen hatte der Verein den Vertrag des Uruguayers Gustavo Varela aufgelöst.

Während Varela, der nach andauernden gesundheitlichen Problemen nicht wieder auf die Beine gekommen war, seine Zukunft laut Müller in Deutschland sieht, zieht es Lövenkrands nach Großbritannien, wo seine Familie lebt.

"Ich kann jetzt in meiner Karriere einen weiteren Schritt machen", sagte der 28-Jährige und ergänzte: "Die Entscheidung, die wir getroffen haben, ist für beide Seiten besser. Wir gehen im Guten auseinander."

Bemerkenswerte Worte, denn Lövenkrands war zu Beginn der Vorbereitung auf die Rückrunde von Trainer Fred Rutten aus dem Profikader verbannt worden und sollte bei den Amateuren trainieren.

Keine Angebote für Problemkinder

Wie auch Albert Streit. Der ehemalige Frankfurter hat wohl ebenso wenig noch eine Zukunft auf Schalke wie Varelas Landsmann Carlos Grossmüller.

Beide würde Müller am liebsten sofort verkaufen. Nur: "Es gibt überhaupt kein Angebot", so 46-Jährige. Für einen Schnäppchen-Preis will Müller die Spieler aber nicht abgeben, auch wenn sie dann wenigstens von der Gehaltsliste verschwinden würden.

Leichter gesagt als getan, denn Streit, der von Müller erst im Januar 2008 verpflichtet worden war, kostete 2,6 Millionen Euro Ablöse. Grossmüller kam im August 2007 für schätzungsweise 3,5 Millionen vom uruguayischen Meister Danubio.

"Genug Zeit für Lösungen"

Streit, der einen Vertrag bis 2012 hat, kündigte bei Sport1.de an, er werde nur wechseln, "wenn es sportlich und finanziell passt". Er sei "nicht bereit, irgendwo für die Hälfte zu spielen".

Müller bleibt jedoch gelassen. "Wir haben genug Zeit, eine Lösung für alle Seiten zu finden. Es sind hervorragende Spieler, und für jeden hängt eine Karriere dran. Sie möchten doch auf hohem Niveau weiterspielen."

Ze Roberto kommt nicht zurück

Dass Ze Roberto, wie Streit erst im vergangenen Januar verpflichtet und mit einem Vertrag bis 2011 ausgestattet, jemals wieder für Schalke spielen wird, ist unwahrscheinlich. Der Brasilianer zieht es vor, bei 29 Grad in seiner Heimat am Strand zu liegen, als mit seinen Teamkollegen in der deutschen Kälte zu trainieren.

"Ich komme nicht zurück. Bei Schalke sehe ich keine Chance mehr. Und ich habe gespürt, dass der Trainer kein Vertrauen zu mir hat", sagte er der "Bild"

Eine vereinsinterne Geldbuße für sein Fernbleiben werde er akzeptieren: "Ich weiß, es war ein Fehler, dass ich ohne Absprache nicht wieder nach Deutschland gekommen bin. Deshalb werde ich auch gerne die Strafe zahlen."

Harte Strafe für Vertragsbruch

Müller erklärte: "Für den Vertragsbruch wird es eine knallharte Strafe geben. Ich rechne es dem Jungen allerdings an, dass er den Vertrag nicht aussitzen will. Aber wir wollen das Geld, das wir investiert haben, auch zurückkriegen."

Er wolle den Knappen "nicht auf der Tasche liegen", so Ze Roberto . In Brasilien gebe es drei Klubs, die an seiner Verpflichtung interessiert seien. Vor Jahresfrist war der Südamerikaner für drei Millionen Euro verpflichtet worden.

Rutten plant mit Nachwuchs

Während Ze Robertos Tage gezählt sind, soll die Zukunft auf Schalke den Spielern aus dem eigenen Nachwuchs gehören. "Wir werden die Jugendarbeit weiter intensivieren", kündigte Präsident Josef Schnusenberg in der "Sport Bild" an.

"Trainer Fred Rutten darf gnadenlos seinen Weg mit jungen, hungrigen Spielern gehen. Wie bei Twente Enschede", betonte Schnusenberg.

Spektakuläre Neuzugänge werde es vorerst nicht geben. "Erst müssen Spieler gehen, dann können wir bei Zeit und Geld wieder investieren", so Schnusenberg.

U-19-Nationalspieler Danny Lantza wurde mit einem Profivertrag ausgestattet, U-18-Nationalspieler Marvin Poure vom Nachwuchs des FC Liverpool steht kurz vor der Unterschrift. Mit Ersatztorwart Ralf Fährmann wird Müller in den nächsten Tagen ein Gespräch führen.

"Wir bauen das neue Schalke"

Am Freitag wird zweimal trainiert, dann geht es ins Trainingslager nach Valencia.

Andreas Müller wird kaum Zeit haben, die spanische Sonne zu genießen. "Die Botschaft lautet: Wir bauen das neue Schalke", hatte der Manager zuletzt erklärt.

Trotz acht Punkten Rückstand auf Platz zwei und sechs Zählern Rückstand auf Platz bleibt das Saisonziel des FC Schalke die Qualifikation für die Champions League. Es gibt viel zu tun.

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