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Wut und Enttäuschung: FCK-Fans brennen nach der Derby-Pleite ihre Fahnen nieder © getty

Nach Lauterns Absturz benehmen sich Anhänger daneben. FCK-Boss Kuntz ist sauer, auch auf Mainz. Der Druck auf den Coach wächst.

Von Reinhard Franke

München - Als wäre alles nicht schon schlimm genug.

Der 1. FC Kaiserslautern steht am Abgrund, Platz 17. Der Baum brennt lichterloh am Betzenberg. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Hohn und Spott des FCK-Anhangs schlug den Spielern nach der desolaten 0:4-Vorstellung im Rheinland Pfalz-Derby beim FSV Mainz 05 (Bericht) entgegen. 522863(DIASHOW: Der 23. Spieltag)

Nun kommen zur handfesten sportlichen Krise auch noch massive Fan-Probleme.

Rechtsradikale Gesten gegen Shechter

Nach der Pleite im Nachbarschaftsduell wurde die Regenerationseinheit der Profis am Sonntagfrüh von rechtsradikalen Gesten und antisemitistischen Beleidigungen gegen den israaelischen FCK-Profi Itay Shechter überschattet.

Mehrere Hooligans, die laut FCK-Pressechef Christian Gruber seit Jahren Stadionverbot haben, sei dafür verantwortlich gewesen.

FCK-Boss Kuntz sauer

Die Polizeibeamten, die am Sonntag vor Ort waren, hatten nach Angaben Grubers aus "deeskalierenden Gründen" auf eine Entfernung der Personen vom Stadiongelände verzichtet.

"Rassismus und Diskriminierung haben beim FCK keinen Platz", sagte der Lauterer Klubchef Stefan Kuntz dazu.

Ähnlich äußerte sich Trainer Marco Kurz: "Solche Szenen sind beängstigend und in höchstem Maße zu verurteilen. Von so etwas distanzieren wir uns ganz, ganz kräftig."

Nach dem Training hatten sich die seit 13 Spielen erfolglosen Profis und 200 friedliche Fans im Stadion zu einer Diskussion getroffen.

Emotionale Aussprache mit Fans

"Die Aussprache war heftigst - sehr emotional. Die Spieler haben aber auch die Meinung und Gefühle, die Ängste der Fans wahrgenommen", sagte Kuntz der "Rheinpfalz":

"Als Fazit möchte ich das Positive sehen - nicht das nicht zu entschuldigende Auftreten von Radikalen."

Schon am Samstag waren Chaoten negativ aufgefallen. Nach dem Spiel gab es wüste Schlägerein der beiden Fanlager.

Empörung über Mainzer Plakate

Mainz-Fans hatten sich zuvor auf mehreren Plakaten über Fritz Walter lustig gemacht und nach dem Abpfiff mit einem Banner mit der Aufschrift "Derbysieger" provoziert.

Für Empörung sorgte aber vor allem ein großflächiges Spruchband, auf dem Mainzer Ultras FCK-Coach Kurz eine Affäre mit der Ehefrau des in der Winterpause zu Eintracht Frankfurt gewechselten Martin Amedick unterstellten,

Kuntz war so erbost, dass er von sich aus dazu mit markigen Worten Stellung nahm. "Das ist unter aller Sau! Das ist das Asozialste, was ich jemals in einem Bundesligastadion gesehen habe."

Amedick sagte zu "Bild": "Da werden Grenzen überschritten. Das ist in einem Bereich, wo ich überlege, ob ich klage. Da ist definitiv nichts dran."

Heidel entschuldigt sich

Mainz war die Plakat-Affäre jedenfalls mächtig peinlich.

"Ich habe mich dafür entschuldigt", erklärte Manager Christian Heidel.

Durch die Ausschreitungen und Diskussionen geriet die prekäre Lage in der Pfalz fast in den Hintergrund.

Noch hält Kuntz zwar zu Kurz.

"Wir wissen, was wir unserem Trainer aufgrund unserer Voraussetzungen mit an die Hand gegeben haben", sagte er.

"Uns war klar, dass wir gegen den Abstieg kämpfen werden. Wir wussten aber nicht, dass wir im Derby in Mainz einen solchen Auftritt hinlegen."

Kurz auf der Kippe

Daher dürfte über die Zukunft des Trainers, dessen Vertrag erst im vergangenen Herbst bis 2013 verlängert worden war, die Vorstellung im nächsten Spiel gegen den VfL Wolfsburg entscheiden.

"Es ist und bleibt ein Ergebnissport", sagte Kuntz vieldeutig: "Daran müssen wir uns messen lassen und unsere Entscheidungen entsprechend treffen."

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