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Lukas Podolski (l., hier mit Arsenals van Persie) kehrte 2009 nach Köln zurück © getty

Das FC-Idol hat sich wohl für Arsenal entschieden. Ex-Manager Meier und Calmund glauben an Wechsel. Bayern würde mitkassieren.

Von Martin Volkmar und Reinhard Franke

München - Die Meldung schlug in Köln ein wie eine Bombe: Lukas Podolski hat sich offenbar zum Abschied aus der geliebten Domstadt entschieden.

Das jedenfalls melden übereinstimmend "Bild" und die Londoner "Daily Mail". Der ebenfalls meist gut unterrichtete Kölner "Express" spricht zumindest von einer eindeutigen Tendenz.

Demnach ist sich "Prinz Poldi" mit dem FC Arsenal grundsätzlich über einen Wechsel im Sommer einig, wenn auch noch Details zu verhandeln sind. "Poldi" soll einen Dreijahresvertrag erhalten. Sechs Milionen Euro gehalt plus Prämien sind im Gespräch.

Entsprechend würden die anderen Interessenten wie der FC Chelsea, Schalke 04, Galatasaray Istanbul oder Dynamo Moskau in die Röhre schauen.

Köln will 18 Millionen

Eine Übereinkunft zwischen den "Gunners" und dem 1. FC Köln gibt es allerdings noch nicht - angeblich wollen die "Geißböcke" mindestens 18 Millionen Euro für den 26-Jährigen.

Michael Meier, der Podolski 2009 vom FC Bayern zurück holte, sieht die Ablöse nicht als Hindernis und hält den Abgang des Vereinsidols für wahrscheinlich.

Bayern kassiert mit

Neben Investoren, die sich 2009 am "Poldi"-Transfer für 10 Millionen nach Köln beteiligt hatten, kassieren auch die Bayern als Poldis Ex-Arbeitgeber mit. "Wir sind nicht von vorgestern", sagt Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge im Januar 2009 nach Podolskis Rückkehr zum FC.

"Würde Köln Posolski tatsächlich verkaufen, sitzt Bayern mit im Boot." Wie "Bild" berichtet, geht es um knapp 10 Prozent Tranfserbeteiligung. Je nach Höhe der Ablöse sind für Bayern bis zu zwei Millionen drin.

Meier: "Der richtige Schritt"

Der ehemalige FC-Manager Michael Meier hält den Wechsel für mehr als nur Spekulation. Im Gespräch mit SPORT1 sagte er: "So etwas Konkretes wird nicht aus dem hohlen Bauch heraus geschrieben. Es wäre auf jeden Fall der richtige Schritt für Poldi."

Und weiter: "Aber das muss er selber entscheiden. Für den FC hat der Wechsel damals geklappt, weil Poldi das wollte. Ich glaube jedenfalls, dass er sich auch bei einem anderen Klub zurechtfinden wird."

Ähnlich sieht es FC-Kenner Reiner Calmund, der zuletzt am Rosenmontag mit Podolski auf dem Karnevalswagen durch Köln fuhr, sieht den Traditionsklub mit schlechten Karten.

"Hohe Meinung von Arsenal"

"Das wird schon mehr als Spekulation sein?, sagte "Calli" im Gespäch mit SPORT1.

"Ich halte davon viel. Ich habe mit ihm über die englischen Klubs gesprochen, auch über Arsenal. Und der Poldi hat eine hohe Meinung von Arsenal."

Podolski und sein Berater Kon Schramm verweigerten ebenso wie die Kölner jeglichen Kommentar zu den Berichten, dementierten sie aber auch nicht.

Der Bundesligist versucht seit Monaten vergeblich, den 2013 auslaufenden Vertrag zu verlängern und hat dem Vereinsidol aktuell fünf Millionen Euro pro Jahr geboten.

"Gunners" schon lange interessiert

Arsenal aber baggert seit Monaten am 95-fachen Nationalspieler. Schon vor der Saison boten die Londoner angeblich 23 Millionen Euro, im Winter nochmal 20 Millionen. Köln lehnte jeweils ab und muss sich nun vermutlich mit weniger zufrieden geben.

[kaltura id="0_3t3bjygf" class="full_size" title="Geld f r Poldi"]

Das Team von Starcoach Arsene Wenger und Podolskis DFB-Teamkollege Per Mertesacker muss nach einer bislang sehr durchwachsenen Saison um den Einzug in die kommende Champions League bangen.

Daher will Wenger die Mannschaft angeblich im Sommer mit Millionen aufrüsten, um so ein deutliches Signal an die frustrierten Fans und auch den abwanderungswilligen Torjäger Robin van Persie zu setzen.

Millionen für Verstärkungen

Das Geld ist nach den Verkäufen von Samir Nasri zu Manchester City sowie Cesc Fabregas zum FC Barcelona jedenfalls da, der am Donnerstag verkündete Halbjahresgewinn von umgerechnet 58,5 Millionen Euro soll größtenteils in Neuzugänge fließen.

Podolskis Wechsel, der nach seiner Rückkehr vom FC Bayern vor drei Jahren für zehn Millionen Euro Ablöse lange undenkbar schien, käme nicht mehr sonderlich überraschend.

Der Stürmer hatte zuletzt mehrfach öffentlich beklagt, dass die ihm damals gemachten Zusagen über eine sportliche Aufwärtsentwicklung nicht eingehalten worden wären. Aktuell steht der FC als Tabellen-14. nach fünf Niederlagen in den sechs Rückrundenspielen erneut im Tabellenkeller.

"Wir sind mittendrin im Abstiegskampf", sagte Podolski nach dem 0:2 am Samstag im Derby gegen Bayer Leverkusen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle), in dem er sein Blitz-Comeback nur drei Wochen nach einem Bänderriss gefeiert hatte (BERICHT: Köln vor "schweren Wochen").

Kein Dementi von Solbakken

Kölns Trainer Stale Solbakken dementierte die Wechselgerüchte nicht. "Ich weiß etwas mehr als ihr", sagte er zu den Journalisten, die ans Geißbockheim gekommen waren: "Er weiß viel, aber für mich ist wichtig, dass er alles unter Kontrolle hat und sich auf die letzten Spiele konzentrieren kann."

Podolski sei "im Moment FC-Spieler", so Solbakken, "und wir wissen, dass er es bis zum Ende der Saison sein wird. Dann müssen wir sehen, was passiert."

Klingt nicht unbedingt nach einem Verbleib Podolskis in der Domstadt über den Sommer hinaus.

Podolski selbst äußerte sich nicht. "Lukas' Entscheidung ist wichtig für uns alle, aber auch für ihn. Das müssen wir respektieren", ergänzte Solbakken.

Chefsache für Wenger

Ausschlag gebend für die Entscheidung pro Arsenal dürfte neben der Perspektive Champions League und dem fürstlichen Gehalt wohl die Person Wengers sein, der den Transfer zur Chefsache erklärt haben soll.

"Er würde mit Arsene Wenger einen Trainer haben, der deutsch spricht und ihm natürlich auch den notwendigen Rückhalt gibt, dass Lukas gebraucht wird. Das ist für den "Poldi? wichtig", erklärte Michael Meier SPORT1.

Bayern-Gastspiel kein Maßstab

Auch die nach dem missglückten Bayern-Gastspiel (2006 bis 2009) weit verbreitete Meinung, Podolski könne sich bei keinem Spitzenklub durchsetzen, weist Meier ebenso wie zuvor schon Bundestrainer Joachim Löw zurück:

"Da muss man doch nur auf seine Nationalmannschafts-Karriere verweisen. Auch da wurde er immer wieder infrage gestellt und hat sich immer durchgesetzt. Wenn man immer nur das Beispiel Bayern München anführt, wird man Poldi nicht gerecht."

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