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Der Vertrag läuft im Sommer aus: Schalkes Torwart Timo Hildebrand © getty

Der Torwart spielt bei Schalke für einen neuen Vertrag vor. Doch auch bei anderen Bundesligisten könnte sich eine Lücke auftun.

Von Maik Rosner

München - Am Wochenende war es beinahe wieder so wie früher, als Timo Hildebrand noch beim VfB Stuttgart spielte.

Zwölf Jahre lang stand der Torwart bei den Schwaben unter Vertrag, und in den letzten Jahren als VfB-Profi galten die Begegnungen der Stuttgarter mit dem FC Bayern eigentlich immer als sogenannte Spitzenspiele.

Stuttgart und Hildebrand, das waren große Nummern in der Bundesliga, besonders im Meisterjahr 2007.

Neuers Lob

Am Sonntag bei der 0:2-Niederlage des FC Schalke 04 in München erlebte der 32-Jährige erstmals seit knapp zwei Jahren wieder einmal ein Spitzenspiel der Bundesliga als Nummer eins (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Danach dankte ihm Trainer Huub Stevens ausdrücklich, eine höhere Niederlage verhindert zu haben. "Er hat sehr gut gehalten. Er hat eine Top-Leistung abgeliefert", lobte Nationaltorwart Manuel Neuer den Kollegen.

Makel einer starken Vorstellung

Hildebrand hat sich darüber gefreut, doch zunächst einmal hat ihn der einzige Makel seiner starken Vorstellung beschäftigt.

"Es war gegen Bayern respektabel, aber ich ärgere mich natürlich, dass ich mich beim 1:0 falsch entschieden habe und rausgekommen bin", sagte Hildebrand gegenüber SPORT1 zum artistischen Lupfer Franck Riberys vor dem Führungstor der Münchner.

Herausragende Paraden

Mit teils herausragenden Paraden und Reflexen erinnerte der ehemalige Nationaltorwart aber auch all jene an seine Fähigkeiten, die sie nach überwiegend enttäuschenden Jahren beim FC Valencia, Sporting Lissabon und 1899 Hoffenheim schon vergessen hatten.

Jetzt hat er die Chance bekommen, sich auf höchstem Niveau zu zeigen, weil sich bei Schalke zuerst Ralf Fährmann (Kreuzbandriss/voraussichtliche Pause bis Saisonende) und danach Lars Unnerstall (Schultereckgelenk-Sprengung/noch mindestens vier Wochen) schwer verletzten.

Sieben Spiele als Bewerbung

Mindestens sieben Spiele inklusive Europa League bleiben also Zeit für Hildebrand, um die Erinnerungen an sich weiter aufzufrischen.

Bei Manager Horst Heldt, ebenfalls früher in Stuttgart, war das bereits der Fall, als sich der arbeitslose Torwart im Frühherbst bei Zweitligist Eintracht Frankfurt fit hielt.

Nun deutet Heldt an, dass Hildebrands Vertragsende im Sommer nicht zwingend den Abschied aus der Bundesliga, vielleicht noch nicht einmal aus Gelsenkirchen bedeuten muss.

"Timo ist jetzt wieder im Geschäft, steht im Fokus", sagte Heldt der "Bild": "Das kann eine Win-Win-Situation für beide Seiten werden."

Talente vs Erfahrung

Bei Hildebrands Berater Jörg Neblung hört sich das noch verhalten an.

"Wir haben in Deutschland den interessantesten Torhütermarkt weltweit, die Ausbildung ist sicherlich führend. Wir haben exzellente Talente, zunehmend auch als Nummer eins in der Bundesliga", sagt Neblung gegenüber SPORT1:

"Dass es dadurch auch zu einer schwierigen Situation für Timo gekommen ist, ist ganz klar Fakt. Er brauchte eine Chance, um zu beweisen, dass trotzdem Erfahrung sehr, sehr wichtig ist auf dieser Position."

"Glücklich in Gelsenkirchen"

Eine Chance haben und mitspielen - genau darum geht es für Hildebrand. Bis Ende 30 würde er das gerne, also noch fünf, sechs Jahre.

Sollte ihm Schalke einen neuen Vertrag anbieten mit der Aussicht, Nummer eins zu werden, darf mit Hildebrands Zuschlag gerechnet werden. "Er ist in Gelsenkirchen glücklich und Schalke bleibt erster Ansprechpartner", sagt Neblung.

Doch Fährmann (23 Jahre) und Unnerstall (21) bieten langfristig die bessere Perspektive für den Verein.

Düsseldorf "kein Thema"

Die Reise könnte also auch woanders hingehen. Priorität genießt dabei Deutschland. Die Motivation des Spielers ist sehr überschaubar, sich gleich wieder in ein ungewisses Auslandsabendteuer zu stürzen, ein mögliches Reservistendasein inklusive.

Fortuna Düsseldorf, zuletzt bereits als Interessent gehandelt, sei zwar eine gute Adresse, "aber aktuell kein Thema", stellt Neblung klar.

Werder könnte Bedarf haben

Dafür unternhalte er sich zwischendurch auch mal mit anderen Vereinen. "Keine konkreten Vertragsgespräche" fänden dabei statt, aber Möglichkeiten werden ausgelotet.

Die Liste der denkbaren Kandidaten ist dabei überschaubar und zudem von anderen Personalentscheidungen abhängig.

Bei Werder Bremen könnte zum Beispiel plötzlich Bedarf entstehen, wenn sich Tim Wiese tatsächlich verabschieden sollte.

Vielleicht sogar zum FC Bayern?

Auch Wolfsburgs Transferweltmeister Felix Magath, einst Hildebrands Trainer in Stuttgart, könnte ins Grübeln kommen. Derzeit hütet beim VfL Diego Benaglio das Tor.

Der Vertrag des Schweizers läuft bis 2013, im Sommer könnt Magath mit ihm wohl letztmals ein ordentliches Geschäft machen.

Mainz 05, derzeit mit Christian Wetklo und Heinz Müller besetzt, wäre ebenfalls unter Umständen denkbar.

Und auch der FC Bayern könnte sich für einen erfahrenen und zuverlässigen Torwart interessieren, der den künftigen Jugendkoordinator Jörg Butt hinter Neuer ablöst.

"Extrem schwere" Monate

"Ich konzentriere mich einfach auf jedes Spiel und bin froh, dass ich die Chance habe zu spielen. Ob da ein neuer Vertrag bei rauskommt, darüber mache ich mir gar keine Gedanken, weil es mir nichts bringt", sagt Hildebrand:

"Die Monate, bevor ich zu Schalke gekommen bin, waren extrem schwer für mich. Deswegen schaue ich dem Ganzen mittlerweile gelassen entgegen."

Bei guten Leistungen dürfte Hildebrand in wenigen Wochen wissen, wohin seine Reise geht.

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