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Thomas Schaaf übernahm das Amt des Werder-Trainers 1999 von Felix Magath © getty

Vor dem Wiedersehen mit Otto Rehhagel spricht Thomas Schaaf mit SPORT1 über den ehemaligen Trainer und den Umbruch bei Werder.

Aus Bremen berichtet Thorsten Mesch

Bremen - Thomas Schaaf ist kein Mann großer Gefühlsregungen, äußerlich lässt er sich selten etwas anmerken.

Das Wiedersehen mit Otto Rehhagel am Samstag in Berlin (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) sei "nur insofern emotional, dass man mit seinen Mannschaften gegeneinander spielt", alles andere sei "nebensächlich", erklärt Schaaf.

Sachlich und gelassen, so präsentiert sich Schaaf, als er in den Katakomben des Weserstadions SPORT1 zum Gespräch empfängt.

Der 50-Jährige, der bislang 435 Partien als Werder-Trainer absolviert hat, hat seinen Vertrag im Dezember bis 2014 verlängert. Im Normalfall wird er Rehhagels Bestmarke (480) bald toppen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Im SPORT1-Interview spricht Schaaf über Rehhagel, den Umbruch bei Werder, die anstehenden Vertragsverhandlungen mit Tim Wiese und Claudio Pizarro und nimmt Stellung zu einer möglichen Diego-Rückkehr.

SPORT1: Sie haben viele Spieler abgegeben und geholt, zudem mehrere junge Spiele integriert. Ist die momentane Phase eine der spannendsten, seitdem Sie Trainer bei Werder sind?

Thomas Schaaf: Langweilig ist sie jedenfalls nicht. Eigentlich ist alles spannend. Wenn man eine Mannschaft zusammenbaut und dann schaut, wie sie sich entwickelt, wie sie Probleme bewältigt. Wir mussten in dieser Saison auf viele Dinge reagieren. Es ist schön zu sehen, dass die Mannschaft trotzdem funktioniert.

SPORT1: Wann wollen und können Sie mit Werder wieder auf dem hohen Niveau der Jahre 2004 bis 2009 sein, als Werder das Double gewann, dann regelmäßig in der Champions League spielte und Pokalsieger wurde?

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Schaaf: Vielleicht haben wir damals das Abnorme erlebt. Konstant oben dabei zu sein, hat in den letzten Jahren außer Bayern München nur Werder geschafft. Damit haben wir die Messlatte sehr hoch gelegt. Da wieder hinzukommen, ist schwer. Erst einmal müssen wir uns nach der vergangenen Saison wieder in die Position bringen, um Stück für Stück wieder hochzukommen. Da sind wir schon wieder auf einem guten Weg.

SPORT1: Werder spielt in dieser Saison erstmals seit langem nicht international. Haben Sie nicht auch aus finanziellen Gründen mehr auf Talente setzen müssen?

Schaaf: Es ist von allem etwas. Natürlich ist es auch wirtschaftlich notwendig, denn wir können keine riesigen Sprünge machen. Und es ist so, dass einige Spieler nicht zur Verfügung stehen und dafür neue, junge Spieler ihre Chance bekommen. Werder hat aber schon immer großen Wert auf gute Nachwuchsarbeit gelegt.

SPORT1: Wie ist der Gesundheitszustand von Naldo und Tim Borowski?

Schaaf: So, dass wir keinerlei Aussagen machen können, wann sie wieder dabei sind.

SPORT1: 13 Verträge laufen aus, auch die von Tim Wiese und Claudio Pizarro. Wie bewerten Sie diese "Baustellen"?

[kaltura id="0_ivwf884h" class="full_size" title="Der Lehrer erwartet seinen Sch ler"]

Schaaf: Wir können im Moment keine großen Aussagen dazu machen, weil wir noch nicht wissen, wo unser Weg hinführt. Wenn man an eine gewisse Gehaltsstufe kommt, ist Werder Bremen auch davon abhängig, was wir wirtschaftlich erzielen können. Wir wissen noch nicht, ob wir international dabei sein werden, darum müssen wir uns noch ein bisschen gedulden.

SPORT1: Wäre eine Rückkehr von Diego ein Thema?

Schaaf: Wenn ein Spieler in einem Verein erfolgreich war, muss man prinzipiell immer darüber nachdenken, ob es eine Chance zu einer Rückkehr gibt. Man muss genau überlegen, wo es passen kann und wo nicht. Aber wenn wir einen kleinen Umbruch einleiten wollen, ist das nicht die richtige Richtung.

SPORT1: Sie selber haben Ihren Vertrag im Dezember bis 2014 verlängert. Wie lange wird die Ära Schaaf noch dauern? Warum haben Sie nicht gleich bis 2018 verlängert?

Schaaf: Weil ich das nicht überschauen kann und will. Ich plane immer für die nächsten zwei Jahre. Hier passt es, der Zeitraum ist gut. Alles andere lasse ich auf mich zukommen.

SPORT1: Sie sind seit 1999 Werder-Chefcoach und damit in der Bundesliga der dienstälteste Trainer. Ist Bremen eine Art Gegenmodell?

Schaaf: Sie glauben doch nicht, dass ich so lange arbeiten darf, weil ich so ein lieber Kerl bin. Das schadet nicht, aber es geht um die Leistung. Wenn ich und die anderen Beteiligten mit Werder nicht diesen Erfolg gehabt hätten, wären wir alle nicht mehr da.

SPORT1: Otto Rehhagel hat mehr als 480 Spiele als Werder-Trainer absolviert. Sie sind auf dem besten Weg, ihn zu überholen. Was bedeutet Ihnen das?

Schaaf: Wenn man gewisse Zahlen vorweisen kann, ist das immer eine Art von Wertschätzung. Aber es ist nicht mein Anreiz, unbedingt irgendeine Zahl an Spielen zu erreichen. Ich verfolge das gar nicht so genau.

SPORT1: Schmeichelt Ihnen denn der Vergleich mit Ihrem Lehrmeister Otto Rehhagel?

Schaaf: Otto Rehhagel ist ein so erfolgreicher Trainer und Mensch. Er steht für sich. Und ich habe meine Art, für die ich stehe. Mir geht es auch gar nicht nicht darum, irgendjemand zu überholen. Jeder will erfolgreich sein. Da macht jeder sein Ding.

SPORT1: Ist das Wiedersehen am Samstag in Berlin trotzdem ein emotionales Spiel für Sie?

Schaaf: Emotional insofern, dass man mit seinen Mannschaften gegeneinander spielt. In der Sache bin ich absolut fokussiert. Das Andere ist nebensächlich.

SPORT1: Sie könnten mit einem Sieg dafür sorgen, dass Rehhagels Zeit in Berlin schon bald wieder vorbei ist.

Schaaf: Ich glaube, dass Otto genau weiß, was er dort macht. Er hat sich das zugetraut und die Entscheidung für Berlin getroffen. Da braucht ihm keiner reinzureden oder etwas hinein interpretieren.