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Thomas Müller (l.) erzielte in dieser Saison drei Bundesligatore für den FC Bayern © imago

Nach der Pleite in Leverkusen sprechen die FCB-Bosse in der Kabine Klartext. Zwischen Boateng und Müller fliegen die Fetzen.

Vom FC Bayern berichtet Martin Volkmar

Leverkusen/München - Ob es diesmal wieder laut wurde in der Bayern-Kabine, war durch die dicken Türen in der BayArena nicht zu hören.

Doch besonders freundlich wird die Ansprache der Münchner Vereinsbosse Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß und Karl Hopfner unmittelbar nach dem 0:2 bei Bayer Leverkusen nicht gewesen sein (Bericht).

"Ehemalige Bayern-Spieler akzeptieren nie Niederlagen. Die sind immer enttäuscht und frustriert", deutete Trainer Jupp Heynckes deutliche Worte der FCB-Führung an.

Meisterschaft fast schon verspielt

Hoeneß und Rummenigge selber wollten ihren Auftritt danach ebenso wenig kommentieren wie die sechste Saisonniederlage, durch die die Meisterschaft bei nunmehr sieben Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Borussia Dortmund fast schon verspielt wurde (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Immerhin verhinderten sie mit ihrem unangekündigten Besuch bei den Profis möglicherweise einen weiteren Kabinenzoff wie nach dem 0:1 in der Champions League in Basel, als Holger Badstuber, Thomas Müller und angeblich auch Jerome Boateng aneinander geraten waren.

Müller und Boateng geraten aneinander

In Leverkusen hatten Müller und Boateng sich allerdings für alle sichtbar schon auf dem Platz heftig miteinander gezofft 525990 (DIASHOW: Der 24. Spieltag) . Bezeichnend für die momentane Stimmung bei Bayern.

Nach einem Missverständnis im eigenen Strafraum in der 29. Minute schrien sich die beiden Nationalspieler zunächst an und gingen dann sogar aufeinander los, ehe Philipp Lahm und Rafinha die Streithähne trennten.

"Wir sind ja keine Mädchen"

"Das ist normal im Fußball. Wir sind ja keine Mädchen", meinte Boateng dazu, während Müller sich nicht äußern wollte: "Durch Reden kommen die Punkte auch nicht mehr zurück."

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Obwohl es ein weiteres Indiz dafür war, dass bei den Münchnern seit der Winterpause einiges im Argen liegt, versuchten sie den Zwischenfall schönzureden.

"Ich finde das eher gut, manchmal darf es auch ein bisschen mehr sein. Es muss bisschen Feuer in die Mannschaft", meinte Arjen Robben bei LIGA total!.

Heynckes sieht es positiv

Heynckes sah durch die Schubserei zwischen Boateng und Müller sogar den Beweis erbracht, "dass die Mannschaft lebt". Der 66-Jährige sprach aber merkwürdigerweise auch davon, dass der im Sommer gekommene Berliner Boateng und Müller "schon seit der Jugend zusammen beim FC Bayern spielen".

Etwas anders sah Christian Nerlinger den peinlichen Vorfall. "Ich bewerte das nicht über", sagte der Sportchef, ergänzte allerdings:

"Es ist auch klar, dass es nicht harmonisch sein kann, wenn wir dem Geschehen hinterher hinken, weil unser Anspruch die deutsche Meisterschaft ist!"

Und von diesem Standard-Saisonziel ist der deutsche Rekordmeister nach nur zwei Siegen in den letzten neun Auswärtsspielen wie schon in der Vorsaison weit entfernt. Erstmals seit 1996 droht ein zweites Jahr in Folge ohne Meisterschale.

Keiner will mehr vom Titel sprechen

Die Münchner machten jedenfalls den Eindruck, als habe sich das Thema schon zehn Spieltage vor Schluss erledigt.

"Über die Meisterschaft brauchen wir nicht mehr zu reden", sagten Nerlinger, Robben und Franck Ribery wortgleich. Der Abonnement-Meister kapituliert vor dem BVB.

"Das ist schade für uns und einfach scheiße. Letzte Woche waren alle glücklich, jetzt ist unser Kopf kaputt", meinte Ribery, der sich nach seinem Pferdekuss im Länderspiel humpelnd dem Ausgang entgegen schleppte. Welch treffendes Bild.

"Enttäuschend und frustrierend"

"Es ist enttäuschend und frustrierend, es ist einfach nicht zu glauben. Wir sind in einer sehr schwierigen Situation", ergänzte der auch in Leverkusen engagierte, aber glücklose Robben.

Der Niederländer wusste, dass sich sein Team die Niederlage mal wieder selber zuzuschreiben hatte, weil es aus seiner klaren Überlegenheit in der ersten Hälfte kein Kapital schlug und leichtfertig beste Chancen vergab.

"Fußballerisch ist das ein bisschen komisch. Wenn wir ganz oben stehen würden, würden die Bälle alle reingehen. Aber das mit den Toren geht nicht von selbst, dafür muss man hart arbeiten", sagte Robben und richtete den Blick bereits auf die beiden verbleibenden Wettbewerbe:

Robben spricht nur noch von "zwei Zielen"

"Die Meisterschaft müssen wir im Moment mal bisschen vergessen. In zehn Tagen haben wir ein ganz wichtiges Spiel gegen Basel in der Champions League, danach fahren wir nach Gladbach zum Halbfinale im Pokal - das sind noch zwei sehr große Ziele!"

In der momentanen Verfassung ohne Ideen im Spiel nach vorne und mit einer selten gekannten Anfälligkeit in der Defensive ist allerdings auch ein K.o. in allen drei Wettbewerben und damit das totale Desaster nicht ausgeschlossen.