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Lucien Favre (l.) rettet Gladbach vergangene Saison in der Relegation vor dem Abstieg © getty

Borussia-Trainer Favre überrascht beim Erfolg in Leverkusen mit Spurtstärke, Matchwinner Reus ist heiß aufs Pokalfinale.

Leverkusen - Lucien Favre sprang wie von der Tarantel gestochen auf, streckte die Arme in den Himmel und sprintete die rund 60 Meter in Richtung Eckfahne, um Igor de Camargo zu umarmen.

Der belgische Nationalspieler, vom Trainer von Borussia Mönchengladbach erst 18 Minuten zuvor eingewechselt, hatte kurz vor Schluss mit dem Siegor zum 2:1 (1:0) bei Bayer Leverkusen geschossen. (Spielbericht)

Die Gladbacher kommen der Champions League immer näher, Vizemeister Leverkusen stürzt dagegen in ein Tal der Tränen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Das war pure Freude. Ich habe mich über die fantastische Reaktion meiner Mannschaft nach dem Ausgleichstreffer gefreut. Ich fand, sie hat unglaublichen Charakter gezeigt", sagte ein hochzufriedener Favre nach dem Abpfiff und fügte schelmisch hinzu:

"Zudem wollte ich verifizieren, wie fit ich noch bin. Und jeder hat gesehen, ich bin noch fit, ich könnte noch spielen." 531664 (DIASHOW: Der 26. Spieltag)

"Nun ist der Kopf wieder frei"

Die gute Laune konnte dem Schweizer keiner verdenken, denn nach zuvor drei Spielen ohne Sieg hatte seine Mannschaft rechtzeitig vor dem Pokal-Achtelfinale gegen Bayern München am Mittwoch wieder in die Spur gefunden.

"Der Sieg war vor allem für den Kopf sehr wichtig. Denn wenn man dreimal nicht gewinnt, denkt man zwangsläufig zu viel nach, warum das so ist", erklärte Favre nach dem siebten Auswärtssieg des Fastabsteigers der Vorsaion in dieser Spielzeit:

"Nun ist der Kopf aber wieder frei. Ich hoffe, dass wir durch den Sieg in Leverkusen zusätzliches Selbstvertrauen bekommen haben."

Reus trifft und legt auf

Dass die Gladbacher, die vor einem Jahr die Rote Laterne des Tabellenletzten mit sich herumschleppten, nach 26 Spieltagen im März 2012 so blenden dastehen, haben sie nicht zuletzt de Camargo zu verdanken.

Der belgische Nationalspieler hatte in den Relegationsspielen gegen den VfL Bochum den Siegtreffer zum 1:0 im Hinspiel geschossen und im Rückspiel das Tor zum 1:1-Endstand von Marco Reus vorbereitet.

In Leverkusen war es umgekehrt, Reus legte dem Belgier auf, der schon zum Saisonauftakt beim 1:0-Coup beim Rekordmeister Bayern München Mann des Tages und auch beim 1:0 der Gladbacher in Hamburg der Matchwinner war.

"Wollen unbedingt ins Finale"

Dass Favre derzeit allerdings Mike Hanke ("Ein ähnlicher Spielertyp") den Vorzug gibt, ist für de Camargo nicht leicht zu ertragen.

"Ich sehe mich nicht als Joker. Ich will immer spielen und bin immer für ein Tor gut. Das weiß auch der Trainer", sagte der gebürtige Brasilianer. "Er ist ein Mann für die Big Points", lobte Borussen-Manager Max Eberl denn auch den Teilzeit-Goalgetter.

Aber auch der künftige Dortmunder Reus, der die Gäste mit seinem 14. Saisontor (7.) frühzeitig in Führung gebracht hatte, unterstrich einmal mehr seine Extraklasse.

"Jetzt konzentrieren wir uns erstmal auf die Bayern, denn wir wollen unbedingt ins Pokalfinale und damit uns und unseren Fans ein Geschenk machen", sagte der Nationalspieler.

Leverkusener Aufbruchsstimmung dahin

Von solchen Träumen ist Vizemeister Leverkusen, der nach einem Fehler von Torhüter Marc-Andre ter Stegen durch Stefan Kießling (75.) ausgeglichen hatte, weit entfernt.

Denn die erneute Teilnahme an der Champions League dürfte sich nach der vierten Heimpleite in dieser Saison frühzeitig erledigt haben. "Die Hoffung stirbt zuletzt", sagte zwar Bayer-Trainer Robin Dutt.

Nach dem peinlichen 1:7 in der Champions League beim FC Barcelona und dem anschließenden 2:3 beim VfL Wolfsburg ist die kurzfristige Aufbruchstimmung, die nach dem 2:0 gegen Bayern München entstanden war, schon wieder dahin.