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Seit Januar 2007 arbeitet Christian Hochstätter als Manager von Hannover 96 © getty

Es kam, wie es kommen musste: Hannovers Klub-Boss Martin Kind entbindet Manager Christian Hochstätter von den aktiven Aufgaben.

Von Mathias Frohnapfel

München/Hannover - Der Schlussstrich kam überraschend, nun endet alles noch schneller als gedacht:

Am Freitag hatte Christian Hochstätter erklärt, er werde seinen Vertrag als Manager von Hannover 96 am Saisonende nicht verlängern.

Nun hat der Verein den 45-Jährigen von der "aktiven Arbeit" entbunden. Das ist das Ergebnis eines Gesprächs zwischen 96-Boss Martin Kind und Hochstätter.

In den nächsten Tagen sollen weitere Gespräche folgen. Dabei deutet alles auf eine Vertragsauflösung hin.

Nachfolgekandidaten Schmadtke, Pander, Bobic, Bode

Zunächst sollen Vereinsboss Martin Kind und Trainer Dieter Hecking vorerst Hochstätters Job machen (Hecking und Kind übernehmen), ehe ein neuer Manager präsentiert wird.

Zu den Kandidaten für die Hochstätter-Nachfolge gehören der langjährige Aachen-Sportdirektor Jörg Schmadtke, der frühere Gladbacher Sportdirektor Peter Pander sowie Ex-Bundesligaprofi Rune Bratseth.

Hochstätter selbst erklärt Sport1.de im Interview die Gründe für seine Entscheidung und räumt eigene Fehler ein.

Sport1.de: Was hat für Ihre Entscheidung den Ausschlag gegeben?

Christian Hochstätter: Tatsache ist, dass mein Vertrag im Juni 2009 ausläuft und man da als Sportdirektor mittel- und langfristig planen will. Sowohl persönlich als auch im Verein. Und die Signale, die ich gerne gehabt hätte, sind nicht gekommen. Da habe ich mich entschieden und das Heft selbst in die Hand genommen. Wenn ich nicht das Gefühl habe, dass das Vertrauen da ist, dann macht das auch keinen Sinn. Deswegen habe ich diese Entscheidung getroffen.

Sport1.de: Gab es unterschiedliche Meinungen, was die weitere Positionierung des Klubs angeht? Der UEFA-Cup war schließlich als ein Ziel im Gespräch.

Hochstätter: Nein, das hatte überhaupt nichts mit der Zielvorgabe zu tun. Wir haben im letzten Jahr sicherlich eine sehr gute Saison gehabt. Auch wegen der Neuverpflichtungen und den Namen ist eine sehr große Erwartungshaltung in Hannover aufgekommen. Da haben auch wir die Messlatte dorthin gelegt. Es geht nun darum, dass sich die Mannschaft schnell stabilisiert, damit wir mit dem Tabellenkeller nichts zu tun haben. Und man sollte jetzt aus meiner Sicht davon absehen, über den UEFA-Cup nachzudenken.

Sport1.de: Wie fällt Ihre Bilanz der fast genau zwei Jahre in Hannover aus?

Hochstätter: Wir haben im letzten Jahr das beste Ergebnis seit 40 Jahren geschafft. Die ersten eineinhalb Jahre sind aus meiner Sicht sehr gut gelaufen. Wir haben nicht fehlerfrei gearbeitet, das muss ich auch sagen. Aber im Großen und Ganzen war ich sehr zufrieden. Wir haben eine Entwicklung eingeleitet.

Sport1.de: Wie bewerten Sie Ihren eigenen Beitrag?

Hochstätter: Was meine Person und Position betrifft: im Jugendbereich, im Lizenzbereich und im sportlichen Bereich haben wir Einiges auf die Beine gestellt. Es ist eine Arbeit, die in der Zukunft sicherlich noch ihre Früchte tragen wird.

Sport1.de: Warum lief die Vorrunde nicht so wie erwartet?

Hochstätter: Tatsache ist, dass in der Hinrunde mit Robert Enke, Valerien Ismael und Michael Tarnat - nur um einige zu nennen - sehr, sehr wichtige Schlüsselspieler längerfristig ausgefallen sind (Der Kader). Da gab es Zeiten, in denen dann plötzlich zehn Leute krank waren. Dann ist die Mannschaft auch nie so richtig zur Ruhe gekommen, hat den Rhythmus nie richtig gefunden. Man muss natürlich auch sagen, dass die, die dann die Möglichkeit hatten, in die Rollen zu schlüpfen, es nie richtig geschafft haben zu überzeugen.

Sport1.de: Kritik gibt es vor allem an Ihrer Einkaufspolitik. Wie fällt Ihr Urteil aus?

Hochstätter: Wir haben fünf neue Leute geholt. Dabei ist auch mit Florian Fromlowitz (Porträt) ein junger U21-Torwart gekommen und mit Leon Balogun ein 19-Jähriger aus der Oberliga. Das sind für mich zwei junge, hoffnungsvolle Talente. Florian musste schneller ins Tor als geplant (wegen der Verletzung von Robert Enke, d. Red). Er hat seine Sache ordentlich gemacht.

Sport1.de: Und wie sehen Sie die Leistung der teuren Neuzugänge Jan Schlaudraff, Mikael Forssell und Mario Eggimann?

Hochstätter: Das sind drei gestandene Nationalspieler. Für meinen Geschmack ist es allerdings nach einem halben Jahr zu früh zu sagen: Das ist eine Verstärkung oder das ist ein Fehleinkauf. Aber ich hätte mir sicherlich gewünscht, dass es dem ein oder anderen - beispielsweise Mario Eggimann - etwas leichter fällt.

Sport1.de: Auch die beiden Stürmer haben sich nicht immer leicht getan...

Hochstätter: Jan Schlaudraff hat fünf Tore gemacht. Auch er war immer wieder verletzt: Das ist zwar nicht schlecht, aber auch nicht überragend. Bei Mikael Forssell sehe ich das ähnlich. Das sind Spieler, die den Verein auf jeden Fall noch besser machen werden, das werden sie in der Rückrunde auch zeigen.

Sport1.de: Haben Sie schon Pläne für Ihre Zukunft?

Hochstätter: Nein, ich wollte jetzt erstmal diese Entscheidung treffen. Ich bin seit 1982 im Fußball tätig und werde ihm auch in Zukunft verbunden bleiben. Aber ich habe jetzt keinen konkreten Plan, was ich ab dem 1. Juli machen werde. Alles ist offen!

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