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Schuhe zubinden, das war's: Christian Hochstätter und 96 gehen bald getrennte Wege © getty

Hannovers Trennung vom Sportdirektor steht bevor: Trainer und Klubchef springen in die Bresche, Nachfolge-Kandidaten gibt es einige.

Hannover - Christian Hochstätter sitzt auf gepackten Koffern - und Trainer Dieter Hecking und Klubchef Martin Kind werden bei Hannover 96 vorerst die wichtigsten Aufgaben des Sportdirektors übernehmen. .

"Wir haben eine Arbeitsteilung vereinbart", sagte Kind nun. Einen Nachfolger für Hochstätter, der am Freitag seinen Abschied zum Saisonende angekündigt hatte, möchte der Klub-Lenker "möglichst Ende Februar, Anfang März" präsentieren.

"Das ist die Wunschvorstellung. Es könnte aber schwierig werden, wenn ein Kandidat noch einen laufenden Vertrag hat." Mit einem Nachfolger will Kind bislang noch nicht gesprochen haben ("Das wäre unseriös").

Als Favoriten für das Erbe Hochstätters gelten Ex-Nationalspieler Fredi Bobic, der einst selbst für die Niedersachsen auflief, und Jörg Schmadtke.

Tarnat will weiterkicken

Mit dem 44-Jährigen hatte Trainer Hecking bereits bei Alemannia Aachen erfolgreich zusammengearbeitet. Auch der ehemalige Wolfsburger und Gladbacher Manager Peter Pander wird gehandelt.

Aus dem Kandidaten-Karussell herausfallen dürfte dagegen Michael Tarnat (Porträt), der eigentlich bestens ins Anforderungsprofil passen würde.

Doch der älteste Bundesliga-Feldspieler will weiterkicken. Der 39-Jährige feierte im 3:0-Test beim VfL Osnabrück sein Comeback nach zehnmonatiger Verletzungspause, agierte eine Halbzeit.

Noch eine Saison im Kopf

"Dafür habe ich gearbeitet und mich gequält", meinte der ehemalige Bayern-Profi - und überraschte mit der Ankündigung, tatsächlich darüber nachzudenken, noch eine weitere Saison als Spieler dranzuhängen.

Womit er als Hochstätter-Erbe nicht in Frage kommt.

Die Zusammenarbeit zwischen 96 und Hochstätter könnte bereits in dieser Woche enden. Kind kündigte an, es werde am Montag ein Gespräch mit Hochstätter geben. Details wollte der Klubchef mit Rücksicht auf das bevorstehende Treffen indes nicht nennen. Höchstätter könne "noch ein paar Themen abarbeiten", so Kind knapp.

Vertrauensverhältnis angekratzt

Eigentlich hatte Hochstätter am Dienstag mit dem Team ins Trainingslager nach Portugal fahren sollen. Doch nun erscheint ein rascher Abschied unvermeidbar. Das Vertrauensverhältnis wirkt mehr als angekratzt, nachdem der Verein die Option zur Vertragsverlängerung bis 2010 zum Jahreswechsel nicht zog.

Eine Situation, die sich in den vergangenen Wochen nicht wirklich abgezeichnet hatte: Hannover hatte als Tabellen-13. zwar eine enttäuschende Hinrunde gespielt, Dissonanzen innerhalb der Führungsetage waren aber nicht an die Öffentlichkeit gedrungen.

"Ich habe die Signale, die ich vom Klub erwartet hätte, nicht erhalten. Daher ist mein Entschluss nur konsequent. Ich wollte nicht abwarten, da ich jemand bin, der die Dinge gern selbst in die Hand nimmt", begründete Hochstätter seine Entscheidung.

Hochstätter vermisst Signale

Der 45-Jährige, der den Job im Dezember 2006 angetreten hatte, meinte zudem: "Es liegt jedoch nicht allein an der Option. Es gab insgesamt ein paar unterschiedliche Auffassungen." So hatte Hecking dem Manager nach der 0:4-Pleite bei Eintracht Frankfurt im vergangenen November die Teilnahme an einer Krisensitzung mit der Mannschaft verweigert.

Von dauerhaften Misstönen will der Coach (Porträt) jedoch nichts wissen: "Wir haben sehr gut zusammengearbeitet. Kontroverse Diskussionen waren immer konstruktiv. Ich finde seinen Entschluss bedauerlich."

Kind scheut offenbar das Risiko

Für Kind war das Risiko einer Vertragsverlängerung mit Hochstätter aber offenbar zu groß.

Sollte der Start in die Rückrunde erneut verpatzt werden, wäre ein Eingriff in die personelle Besetzung der sportlichen Führung nur gegen die Zahlung einer hohen Abfindung für den Manager möglich gewesen.

Angeblich wollte der Klubchef erst in drei Monaten neue Verhandlungen ansetzen. Für Hochstätter zu spät: Ihm fehlte die langfristige Perspektive.

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