Leverkusens Führung zieht die Notbremse und entlässt Dutt. Auch in Köln wurden Fehler gemacht, doch die Bosse bewahren die Ruhe.

Ein Aprilscherz war es nicht. Und es war auch keine Überraschung, dass Geschäfts- führer Wolfgang Holzhäuser und Sportdirektor Rudi Völler am Sonntagvormittag auf dem Podium des Presseraums in der BayArena die Freistellung von Robin Dutt verkündeten.

Auch der glücklose Trainer hatte das Ende seiner Schaffenszeit in Leverkusen kommen sehen.

"In den letzten vier Wochen sind Dinge passiert, die ich jetzt noch nicht so analysieren kann", sagte Dutt und ergänzte: "Hoffentlich werde ich noch den Draht dazu finden."

Seit dem 2:0-Sieg gegen den FC Bayern am 3. März ist eine Menge passiert. Dem 1:7 im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League in Barcelona folgten vier Bundesliga-Niederlagen in Serie (DATENCENTER: Bundesliga).

[image id="922217d4-6375-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Die blutleeren Vorstellungen auf Schalke und zuletzt gegen Freiburg konnten sogar den Verdacht aufkommen lassen, die Mannschaft habe gegen den Trainer gespielt.

Bayer und Dutt - es war ein großes Missverständnis, das letztlich nur 275 Tage lang hielt.

"Der gute Robin Dutt" habe einen schweren Start gehabt, es habe "im einen oder anderen Fall Misstrauen gegenüber seiner Arbeit" geherrscht, sagte Holzhäuser und ergänzte: "Vielleicht haben Rudi Völler und ich auch den einen oder anderen Fehler in der Kommunikation am Anfang gemacht."

Immerhin ein Schritt zur Selbsterkenntnis. Doch Fehler haben Bayers Bosse nicht nur in der Kommunikation gemacht.

Es wurde versäumt, die Mannschaft, die offensiv durchaus gut besetzt ist, in der Defensive so zu verstärken, dass sie höchsten Ansprüchen genügt. Das wurde nicht nur beim 1:7 in Barcelona deutlich.

Im Fall Michael Ballack wurde es versäumt, für Ruhe und klare Verhältnisse zu sorgen. Überhaupt muss die Rückholaktion des ehemaligen Nationalmannschaftskapitäns als Fehlgriff bezeichnet werden.

Bis auf Jupp Heynckes hatte seit der erfolgreichen Ära unter Klaus Toppmöller, als Bayer national und international nur knapp an Titeln vorbeischrammte, kein Trainer wirklich einen sicheren Stand in Leverkusen.

Wieder hoch hinaus wollten sie bei Bayer, den Bayern und Dortmund Paroli bieten. Nun droht man sogar wieder mit leeren Händen dazustehen. Sollte Leverkusen mit dem Gespann Sami Hyypiä und Sascha Lewandowski die Europa League verpassen, müssen Holzhäuser und Völler die Schuld bei sich suchen.

Auch auf der linken Rheinseite stehen die Verantwortlichen unter Druck. Anders als in Leverkusen halten die Kölner aber an ihrem Trainer fest. Stale Solbakken habe "totale Rückendeckung", meinte Geschäftsführer Claus Horstmann am Sonntag.

Dass Solbakken weitermachen darf, kann als Überraschung gewertet werden. Aber es ist auch ein wichtiges und richtiges Zeichen an die Spieler, die mit ihren grottenschlechten Auftritten der vergangenen Wochen die Hauptschuld an der Misere tragen.

Bei der Zusammenstellung der Mannschaft wurden in Köln seit Jahren so viele schwere Fehler gemacht, dass man die Misere einem Coach nicht anlasten kann.

Die Kölner, die ohnehin schon ohne Präsident und Sportdirektor dastehen, haben endlich einmal die Ruhe bewahrt und keine zusätzliche Baustelle aufgemacht. Nun muss die Mannschaft den Klassenerhalt schaffen, was angesichts des Restprogramms aber alles andere als einfach wird.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel