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Verteidiger Jan Kirchhoff (r.) spielt seit 2008 bei Mainz 05 © getty

Der FSV überrennt einen völlig desolaten FC und verschafft sich Luft im Abstiegskampf. "Poldi" wird beworfen, Köln bleibt unten.

Mainz - Die Profis des 1. FC Köln haben nach den jüngsten Chaostagen auch sportlich einen Offenbarungseid geleistet und die Abstiegsangst mit einem desolaten Auftritt weiter geschürt.

Die Kölner, deren Trainer Stale Solbakken mehr denn je um seinen Job bangen muss, unterlagen am 30. Spieltag der Bundesliga 0:4 (0:3) beim FSV Mainz 05 (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Mit lediglich 29 Zählern ist der FC in akuter Abstiegsgefahr.

Dagegen haben sich die Mainzer mit nun 36 Punkten der größten Sorgen entledigt.

Polanski eröffnet Torreigen

Eugen Polanski per Foulelfmeter (19.), Mohamed Zidan (31.), Nicolai Müller (37.) und Adam Szalai (54.) trafen gegen die Kölner, die noch nie in ihrer Bundesliga-Geschichte einen Punkt beim FSV holten.

Zudem gewannen die Rheinländer nur eine der zurückliegenden zehn Partien.

"Derber Rückschritt"

"Es ist ein derber Rückschritt nach dem Bremen-Spiel, sagte Kölns Geschäftsführer Claus Horstmann bei LIGA total!: "0:4 ist dennoch sehr hoch - ich will aber überhaupt nichts schönreden. Wenn man die Spiele der anderen Mit-Abstiegskandidaten sieht, hätten wir an den letzten zwei Spieltagen einen entscheidenden Schritt tun können.

"Das ist mir unerklärlich"

"Wir haben bis zum ersten Gegentor passabel gespielt. Dann kriegen wie wieder vier Stück. Das ist mir unerklärlich", sagte FC-Schlussmann Michael Rensing.

FSV-Torschütze Müller hatte derweil eine ganz simple Erklärung für den Kantersieg: "Wir sind vorne draugegangen und wurden mit den Toren belohnt."

Guter Start der Hausherren

Vor 34.000 Zuschauern in der ausverkauften Mainzer Arena erarbeiteten sich die Gastgeber in der Anfangsphase mehr Spielanteile. Chancen verbuchten die Mainzer allerdings nicht.

Die defensiv eingestellten Kölner ließen zunächst keine Möglichkeiten zu. Der erste Abwehrfehler führte sofort zum ersten Treffer des Spiels.

Umstrittener Elfer

Nach einem angeblichen Foul von Ammar Jemal am Ungarn Szalai verwandelte Polanski den umstrittenen Strafstoß sicher.

In der 29. Minute musste Schiedsrichter Felix Brych (München) die Partie kurzzeitig unterbrechen, weil der Kölner Starstürmer Lukas Podolski vor der Ausführung einer Ecke von einem Gegenstand getroffen worden war 542151(DIASHOW: Der 30. Spieltag).

Heidel entsetzt von "Vollidiot"

FSV-Manager Christian Heidel sprach in der Pause von einem "Vollidioten" und entschuldigte sich bei Podolski.

Nur zwei Minuten nach dieser Szene erhöhte Zidan die Mainzer Führung, Müller sorgte noch vor der Pause für den dritten FSV-Treffer.

Podolski vergibt Chance

Fünf Minuten nach dem Seitenwechsel vergab Podolski die erste kleine Chance der Gäste. Kurz darauf sorgte Szalai für die Entscheidung. Nach dem vierten Gegentor wurden die Kölner von den mitgereisten Fans verbal attackiert.

Am vergangenen Wochenende hatte der Kölner Profi Slawomir Peszko für einen Skandal gesorgt. Der Pole hatte die Nacht zum Sonntag in Polizeigewahrsam verbracht, nachdem er angetrunken mit einem Taxifahrer aneinander geraten war.

Peszko fliegt aus Nationalmannschaft

Angeblich wurde der Mittelfeldspieler, der nach dem Vorfall aus dem Nationalteam flog und somit die EM in seinem Heimatland verpassen wird, mit einer Geldstrafe von 25.000 Euro belegt.

Erst in der vergangenen Woche hatte Solbakken vier Profis mit Torjäger Milivoje Novakovic an der Spitze aus dem Kader geworfen. Kevin Pezzoni stand in Mainz wieder im Kader.

Novakovic, der sich trotz eines "Maulkorbs" kritisch dem Klub gegenüber geäußert hatte, blieb verbannt.

Podolski hatte seine Teamkollegen wenige Stunden vor dem Spiel in Mainz noch zu Zusammenhalt aufgerufen.

"FC muss erstklassig bleiben"

"Es hilft jetzt keinem hier, das Team und den Verein in den Dreck zu ziehen. Es geht jetzt darum, in der Liga zu bleiben", sagte der Nationalspieler, der voraussichtlich zum FC Arsenal wechseln wird: "Es ist viel passiert, aber es geht um viel mehr: Der FC muss erstklassig bleiben."

Derweil brachte sich der frühere FC-Trainer Christoph Daum wieder bei seiner "alten Liebe" ins Spiel.

"Dort würde ich, wenn ich frei wäre, wieder anfangen - ob als Trainer, Manager, Berater oder als Präsident", sagte Daum, der derzeit beim belgischen Erstligisten FC Brügge arbeitet.