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Nach der WM 2006 wechselte Lukas Podolski vom 1. FC Köln zu Bayern München © getty

Offen spricht der Bayern-Coach an, weshalb sich der Nationalstürmer beim FC Bayern nicht durchsetzte und nennt Gegenbeispiele.

Von Mathias Frohnapfel

München - Talent ja, Durchsetzungsvermögen Fragezeichen: Deutlich wie noch nie zuvor hat Jürgen Klinsmann seinen einstigen Lieblingsschüler Lukas Podolski kritisiert.

Zwar hat sich der Bayern-Coach bemüht, seine Worte genau zu wählen, die Enttäuschung über den Nationalstürmer klingt dennoch heraus wie Donnerhall.

Ausgerechnet die vereinseigene Homepage wählte Jürgen Klinsmann für seine kritische Bewertung.

Dort sagte er: "Innerlich schmerzt es, wenn man sieht, dass da ein besonderes Talent ist, das einfach stehen bleibt und nicht weiterkommt."

Die Wut fehlte

Deutlich vermisste der ehrgeizige Schwabe, dass "Poldi" (Spielerporträt) nicht die Wut entwickelt habe zu sagen: "Denen zeige ich es jetzt aber mal."

Und der Trainer, der seit einem halben Jahr täglich mit dem Jungstar zusammenarbeitet, legt direkt den Finger in die Wunde.

Der Kölner habe offensichtlich nicht mit der Situation umgehen können, "zwei gesetzte Spieler vor sich zu haben."

Klinsmann (Porträt) muss das besonders wurmen.

"Nicht der Typ dazu"

Schließlich ist er selbst als Profi immer wieder zurückgekommen, auch wenn ihm immer mal wieder soundsoviel Spielminuten ohne Tor vorgerechnet wurde. Eine Werbetonne musste dann im Notfall als Ventil für seine Wut herhalten - wie 1997 in seiner Zeit als FCB-Stürmer.

Dass Podolski sich beim Rekordmeister in mehr als zweieinhalb Jahren nicht durchgesetzt habe, erklärt Klinsmann so: "Ich glaube, dass er in seinem Naturell nicht der Typ dazu ist, den Spielern, die vor ihm stehen, den Kampf anzusagen."

Stattdessen brauche der Angreifer ein "Umfeld, das ihm das Gefühl gibt, er ist gesetzt".

Löw zeigt Verständnis

So sieht es auch Joachim Löw. "Er muss zu einem Klub, bei dem er sich wohl fühlt. Lukas ist ein emotionaler Mensch. Er braucht ein familiäres Umfeld, um Top-Leistungen zu bringen. Und wenn er fühlt, dass Köln ihm das bietet, dann ist sein Schritt richtig", sagte er dem "Express".

Daher zeigte der Bundestrainer auch Verständnis für den Wechsel Podolskis:

"Ich habe ihm gesagt: Hör auf dein Herz. Dann rede mit dem Trainer, schau dir den Klub richtig an. Du musst ein Gefühl dafür entwickeln, wo du dich wohl fühlst. Und wenn du dir sicher bist, mache es."

Gegenbeispiel van Bommel

Als Gegenbeispiel zu Podolski nennt Klinsmann dagegen Kapitän Mark van Bommel. Der habe sich gegen seinen Platz auf der Ersatzbank gewehrt und sich wieder gesteigert.

Klinsmanns Strategie: "Ich wollte gegenüber den anderen Spielern ein Zeichen setzen, dass auch der Kapitän unter diesen sportlichen Komponenten beurteilt wird."

Dies habe bei van Bommel zur gewünschten Reaktion geführt.

"Er hat im Training richtig Feuer gegeben und dadurch auch Stabilität im Spiel entwickelt. Hinzu kam, dass auch bei ihm die Fitness-Komponente immer mehr griff. Seitdem hat er eine sehr starke Hinrunde gespielt."

Auch Tim Borowski, Hamit Altintop und Andreas Ottl hätten sich dem Konkurrenzkampf gestellt.

Alle Spieler hat Klinsmann bewusst aus ihrer "Comfort-Zone", wie er es selbst sagt, herausholen wollen. "Nur durch Veränderung kann man entsprechende Dinge erkennen und dann die nötigen Schlüsse ziehen. Wenn aber alles bleibt, wie es ist, ist kein Fortschritt möglich."

Große Pläne mit Schweinsteiger und Lahm

Weitgehende Pläne verfolgt Klinsmann mit Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm (Spielerporträt) .

Denn: "Diese beiden Jungs langfristig gebunden zu haben, ist sehr wichtig für uns, weil sie Eckpfeiler beim FC Bayern sind. Es sind Jungs, die aus der eigenen Jugend und der Gegend hier kommen."

Beide sind aus seiner Sicht innerhalb der Mannschaftshierarchie aufgestiegen. Und: "Sie sind sich nicht zu schade, das eine oder andere intern anzusprechen. Jetzt bin ich dabei, sie noch mehr anzutreiben, damit sie noch mehr in die Leaderrolle hineinwachsen."

Klinsmann selbst holt sich Rat bei Bayern-Manager Uli Hoeneß. "Ich habe viel zugehört. Er ist ein super Gesprächspartner und für mich mit seiner langen Erfahrung in diesem Klub ein Glücksfall." (Einwurf: Uli Hoeneß kann nicht aufhören)

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