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Thorsten Frings spielt seit 2005 wieder für den SV Werder © getty

Schon nach zwei Wochen scheinen die guten Werder-Vorsätze für 2009 dahin. Frings erhält nach derber Schiri-Schimpfe eine Geldstrafe.

Von Martin van de Flierdt

München - Ende 2008 gab Werder Bremen ein hässliches Bild ab.

Claudio Pizarro sah nach einem Wischer durchs Gesicht von Gegenspieler Martin Stoll in Karlsruhe Rot, Spielmacher Diego lieferte bei der gleichen 0:1-Pleite die Vorlage für den fortan vom Boulevard gerne verwendeten "Würger von der Weser".

Das ausgegebene Ziel, im neuen Jahr deutlich disziplinierter aufzutreten und vor allem sportlich positiv aufzufallen, hat Torsten Frings offenbar schon im zweiten Testspiel völlig vergessen.

Beim derben 1:4 gegen Galatasaray Istanbul leistete sich der als Kapitän aufgebotene Nationalspieler gleich eine mehrfache Schiedsrichterbeleidigung.

"Fuck you, Fuck you"

"Frings hat mich immer wieder mit 'Fuck you, fuck you' beleidigt", berichtete Referee Burak Astar nach der Partie.

Daraufhin habe er Werders Deutsch-Türken Mesut Özil, der den einzigen Bremer Treffer am Dienstagabend erzielte, um Vermittlung gebeten: Frings solle endlich mit seinen Tiraden aufhören - vergeblich.

"Er hat mich danach noch einmal beschimpft. Da blieb mir keine andere Wahl."

Der Übeltäter bestritt allerdings sein Vergehen. "Das habe ich nicht gesagt. Ich habe ihn nur gebeten, dass er fair sein und uns nicht ständig betrügen soll", sagte Frings der "Bild".

"Ich habe erst nach der Roten Karte 'fuck? gesagt. Und das zu mir selbst. Da war ich schon 50 Meter weg vom Schiri."

"Jedes Jahr die gleiche Verarschung"

Zwar hatte der Schiedsrichter während des Spiels einige Entscheidungen getroffen, die seine Landsleute nicht unbedingt benachteiligten.

So übersah er vor Galatasarays 1:3 eine Abseitsstellung. Dennoch hätte Frings sich imj Griff haben müssen.

"Es war ein Fehler, der mir nicht passieren darf", räumte der Nationalspieler ein. "Aber es ist seit zehn Jahren so, dass uns dieser Schiedsrichter im Trainingslager veräppelt und betrügt. Ich habe ihn mehrfach gebeten, fair zu pfeifen."

Allofs kündigt Geldstrafe an

Bei seinen Vorgesetzten kam die Aktion gar nicht gut an. "Was Torsten getan hat, ist indiskutabel", sagte Trainer Thomas Schaaf. "Das wird Konsequenzen haben."

Sportdirektor Klaus Allofs wurde dahingehend konkret: "Torsten wird eine Geldstrafe erhalten. Denn sein Verhalten passt überhaupt nicht in unser Konzept. Gerade im Hinblick auf unsere Marschroute, dass wir keine Undisziplinertheiten dulden."

Werder sei "keine Treter-Truppe", betonte Allofs. "Man darf das Ganze nicht dramatisieren."

Tziolis zufrieden

Dass die Bremer Gesamtleistung beim Debüt von Neuzugang Alexandros Tziolis ebenfalls keine Offenbarung war, fiel angesichts des Fringsschen Fauxpas beinahe hinten runter.

"Mit meiner eigenen Leistung bin ich ganz zufrieden", meinte der Grieche. "Aber man wünscht sich zum Einstand natürlich ein anderes Ergebnis."

"Die Mannschaft ist zwar engagiert und arbeitet gut", urteilt Allofs. "Aber jetzt gilt es, dies in den kommenden Testspielen auch in Resultate umzusetzen." Das muss am Donnerstag gegen Besiktas Istanbul ohne Claudio Pizarro geschehen.

Pizarro verhandelt vor dem CAS

Er reiste am Mittwoch zu einer Verhandlung vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS in Mexiko ab.

Der Angreifer hatte den CAS angerufen, weil der peruanische Verband ihn im Anschluss an ein vermeintliches Gelage nach einem Länderspiel im November 2007 gegen Brasilien für 18 Monate intern gesperrt und aus der Nationalelf verbannt hatte.

"Ich habe mit der sache überhaupt nichts zu tun gehabt", beteuert Pizarro. "Ich möchte, dass festgestellt wird, dass ich zu Unrecht gesperrt worden bin."

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